Ebersberger Klubs in Coronazeiten:"Nehmt eure Knie hüfthoch, nach oben, 90 Grad"

Ebersberger Klubs in Coronazeiten: Sport trotz Corona, Movimento trainiert in den Bergen (noch vor den Ausgangsbeschränkungen, in denen vor Ausflügen in die Berge abgeraten wird). Hier die Geschwister Hannah und Nina Brücklmeier.

Sport trotz Corona, Movimento trainiert in den Bergen (noch vor den Ausgangsbeschränkungen, in denen vor Ausflügen in die Berge abgeraten wird). Hier die Geschwister Hannah und Nina Brücklmeier.

(Foto: privat)

Die Sportvereine im Landkreis Ebersberg werden kreativ, um ihre Mitglieder fit zu halten. Dabei helfen Youtube-Videos, Whatsapp-Übungen - und die Playstation.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Der derzeitige Corona-Stillstand hätte Winston Churchill wahrscheinlich in einem Bereich seines Lebens überhaupt nicht getroffen: No Sports, das soll die Antwort des früheren britischen Premierministers auf die Frage gewesen sein, wie er es trotz Whiskey und Zigaretten derart gesund ins Methusalem-Alter schaffte. Diese Devise - kein Sport - ist derzeit eigentlich auch im Landkreis Ebersberg angesagt; alle Sportvereine haben vorerst ihre Trainings und Treffen abgesagt. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass die Ebersberger sich aus sportlicher Sicht auf die faule Haut legen: Viele Vereine motivieren ihre Mitglieder mit kreativen Ideen, sich auch zuhause fit zu halten.

Einen eigenen Youtube-Kanal hat beispielsweise der TSV Ebersberg eröffnet, der am ersten Tag insgesamt schon an die 500 Aufrufe zu verzeichnen hatte, wie der Vorsitzende Dominic Mayer berichtet. Über die Homepage und die sozialen Netzwerke habe man die Mitglieder über dieses Angebot informiert, jedoch sind auch alle anderen Sportinteressierten herzlich dazu eingeladen, mitzumachen. Clips mit Titeln wie "Aufwärmen mit Nathalie" oder "Body-Workout mit Tracey" können dort angeklickt werden. Zwischen drei und acht Minuten dauern die Übungen, durch die ein Trainer leitet. Nathalie etwa macht vor, wie man sich auch zuhause ohne Equipment aufwärmen kann, und antizipiert dabei schon, was gerne falsch gemacht wird, in ihren Anweisungen: "Nehmt eure Knie wirklich hüfthoch, nach oben, 90 Grad."

Für Fußballer sind ebenfalls verschiedene Trainingseinheiten auf dem Youtube-Kanal zu finden. In den nächsten Wochen soll das Angebot ergänzt und erweitert werden, so Vorsitzender Dominic Mayer. Individuelle Trainingspläne haben beim TSV Ebersberg die Handballer-Damen bekommen, bei denen immer noch nicht klar ist, ob die Saison nun vorbei ist oder nicht. "Sport ist gerade in gewisser Weise nebensächlich", sagt Mayer, der gerade mitgeholfen hat, die Turnhalle in der Dr.-Wintrich-Straße auszuräumen, die zum Hilfskrankenhaus umfunktioniert wurde. Dafür habe man absolutes Verständnis, betont Mayer. "Falls es bald weitergeht, ist für uns die Frage auch, wo es weitergeht", sagt er; die Dreifach-Turnhalle bei der Realschule ist nämlich die einzige in Ebersberg, in der ein Wettkampf-Betrieb möglich wäre.

Die Initiative "Sport statt Fernsehen" hat der Wintersportverein (WSV) Glonn gestartet: Täglich bekommen WSV-Mitglieder per Whatsapp Videos von 15 Minuten Länge mit Übungen zugeschickt , die sie zuhause oder am Arbeitsplatz nachmachen können. Dabei werden Alltagsgegenstände wie Wasserflaschen, Nudelpakete oder Teppichklopfer in die Übungen integriert. Auch Interessierte, die keine Mitglieder beim WSV sind, können sich dazu bei Trainerin Erika Brendl melden.

Auch eine alte Kampfkunst geht beim WSV Glonn neue Wege: In Zusammenarbeit mit dem TWIN Taekwondo-Verband wird Mitgliedern ein qualifiziertes Online-Training im traditionellen Taekwondo geboten: Täglich kann man sich darüber etwa mit Block- und Kicktechniken, Formenlaufen (Hyong) und Übungen zur Selbstverteidigung fit halten. " "Damit wollen wir unseren Mitgliedern nicht nur den Erhalt ihrer sportlichen Fitness ermöglichen, sondern ihnen in diesen Wochen auch eine gewisse Normalität, Gemeinschaft und Freude in den Alltag zurückbringen", unterstreichen die Abteilungsleiter Claudia und Stefan Drollmann.

Für alle Gürtelgrade von Weiß- bis Schwarzgurt ist etwas dabei. Viele Grundtechniken werden von den Großmeistern Gerhard und George Maier persönlich erklärt. Auch Neueinsteiger und Mitglieder der Taekwondo-Gruppen in Bruck, Grafing und Ebersberg sind beim Online-Training willkommen. Die Zugangscodes gibt es über www.twintaekwondo.de und direkt bei der Abteilungsleitung, eine kurze Mail an glonn@twintaekwondo.de genügt.

Ebersberger Klubs in Coronazeiten: Der TSV Poing bietet die kostenlose Teilnahme am E-Sport an. Gespielt wird daheim, Turniere wie dieses wird es erst später geben.

Der TSV Poing bietet die kostenlose Teilnahme am E-Sport an. Gespielt wird daheim, Turniere wie dieses wird es erst später geben.

(Foto: Privat)

Der TSV Poing bietet seinen jugendlichen Vereinsmitgliedern ab acht Jahren die kostenlose Teilnahme am E-Sport von zuhause aus an. Gespielt wird Fifa 20, ein virtuelles Fußballspiel im Rahmen des offiziellen eFootball-Projekts des Bayerischen Fußballverbandes. Der elektronische Sport schult laut Robert Rieger, dem ersten Vorsitzenden des Vereins, unter anderem Reaktionsgeschwindigkeit, Hand-Augen-Koordination, räumliches Orientierungsvermögen sowie taktische Ausrichtung. Voraussetzung ist der Besitz einer Playstation 4, Fifa 20 und PS-Plus. Gemeinsame Turniere sind erst für die Zeit nach Corona geplant. Nähere Infos gibt es bei Philip Sterl unter philip.sterl@outlook.de .

Bewegungsspiele für Eltern mit ihren Kindern gibt es auf der Homepage der Grafinger Ergotherapeutin Stefanie Mörbt. Via Videos gibt Mörbt Tipps, wie man sich und die Kinder auch spielerisch zuhause fit halten kann.

Mit Livestreams und Podcasts aus den Abteilungen Fitness und Kinderturnen will der TSV Vaterstetten seine Mitglieder erreichen. Eine Übersicht auf deren Homepage zeigt das Angebot mit Übungsstunden von Montag bis Donnerstag in den Abendstunden und am Freitag morgens und abends - von Fitmix über Workout für den Rücken bis Pilates. Die Abteilung Kinderturnen bietet zudem Entspannungsgeschichten als Podcast für die Kinder zuhause an, die man jederzeit aus dem Internet laden und anhören kann.

Auch bei der Ball-Sport-Gemeinschaft (BSG) Markt Schwaben wird die Fitness-Fahne in Zeiten des Home-Office hoch gehalten. "Unser Trainer schickt den Spielern regelmäßig über unsere Whatsapp-Gruppe Übungen und Anregungen für Zuhause", so Stephan Kraus, Pressesprecher der BSG. Zwar könne man sich natürlich aktuell fußballerisch und taktisch nichts verbessern, aber jeder einzelne erhalte sich so individuell zumindest ein gewisses Fitnesslevel. Außerdem, so Kraus: "Die Behörden erlauben ja auch diesen individuellen Sport an der frischen Luft." Wichtig sei trotzdem, fügt Kraus hinzu, dass sich alle Spieler an die allgemeinen Verhaltensregeln und -vorgaben hielten: "So können auch wir als kleinerer Verein unseren Beitrag dazu leisten, dass die Verbreitung des Coronavirus eingedämmt wird."

Auf Rituale zurückgreifen, darauf setzt derzeit die Artistik-Gruppe Movimento aus Grafing. Seit zwei, drei Jahren gebe es ein Warm-Up-Ritual, erzählt Gründer und Leiter Stefan Eberherr, das jedes Jahr aktualisiert werde. Diese Choreografie werde zu Beginn jeder Saison einstudiert. "Die kennen und können alle", sagt Eberherr. Alle Mitglieder hätten den Link zur Playlist bekommen, welche die Choreografie begleitet. Außerdem würden Tutorials an die Mitglieder verschickt, zum Teil schon bestehende, zum Teil neue. Kürzlich etwa habe einer der Artisten ein Kopfstand-Tutorial angefertigt und in die Runde geschickt, erzählt Eberherr.

Auch ein Online-Training ist geplant, bei dem die Mitglieder den Handstand üben können - live und unter Anleitung. "Das wird sehr gut angenommen, schon an die 40 Teilnehmer haben sich dazu angemeldet", so Eberherr. Auch die Tanztrainerin habe ein eigenes Tanz-Warm-up erstellt, das die Mitglieder zuhause einstudieren können. Die Mitglieder seien auch dazu aufgefordert, so Eberherr, von ihren Trainingseinheiten zuhause Fotos zu machen und zu schicken, damit diese dann etwa auf Instagram gepostet werden können. "Damit wollen wir zeigen, dass wir aktiv sind", sagt Eberherr.

© SZ vom 06.04.2020/koei
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