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Neues Angebot:Ebersberg in der Coronakrise: Ab Montag Telefonhilfe für Trauernde

Einsamkeit und Angst vor Corona: Telefonseelsorger haben viel zu

Corona bringt Trauer und Schmerz für Angehörige: Im Landkreis Ebersberg helfen künftig Telefonseelsorger.

(Foto: dpa)

Der Landkreis Ebersberg bietet nun eine Hotline für Menschen, die in der Corona-Krise von Trauer und Verlust betroffen sind.

Der Landkreis Ebersberg und der Hospizverein möchten Menschen helfen, die in Zeiten der Corona-Pandemie Trauer und Verlust erfahren. Beide haben nun neue Telefonangebote ins Leben gerufen, um Betroffene in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Denn Besuchsverbote und andere Einschränkungen machen es Angehörigen oft unmöglich, sich so von ihren Lieben zu verabschieden, wie sie es sich wünschen würden.

Jutta Hommelsen, die Leiterin des Zentralen Sozialdiensts, koordiniert das Angebot im Landratsamt. Sie ist auch ausgebildete Trauerbegleiterin und hat bereits für Mitarbeiter ein bundesweit einzigartiges Trauerbegleitungsprojekt ins Leben gerufen. Jetzt will sie sich um diejenigen kümmern, die in Zeiten der Corona-Krise auch noch zusätzlich eine schwere persönliche Krise zu bewältigen haben. "Auch in außergewöhnlichen Zeiten, wie wir sie gerade durchleben, sterben Menschen. Meist sterben sie in Krankenhäusern und Altenheimen und selten zuhause. Manchmal sterben sie nach langer Krankheit und manchmal sehr plötzlich.

Zweiter Todesfall im Landkreis

Erneut ist in der Ebersberger Kreisklinik ein Mann an Covid-19 gestorben. Der 81-Jährige hatte laut einer Mitteilung des Landratsamts Vorerkrankungen. Bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde, hatte er in einem Privathaushalt im Landkreis gelebt. Es ist der zweite Todesfall im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion im Landkreis, bereits am vergangenen Dienstag war ein knapp 80-Jähriger gestorben.

Die Zahl der Infizierten ist, Stand Samstag, auf 164 angestiegen, das sind 15 mehr als am Vortag. In häuslicher Quarantäne befinden sich 354 Menschen. Seit Ausbruch der Pandemie wurden im Landkreis insgesamt 265 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, 101 sind inzwischen wieder gesund. In der Kreisklinik werden 14 infizierte Patienten behandelt, fünf von ihnen befinden sich auf der Intensivstation und müssen beatmet werden. 25 Verdachtsfälle werden isoliert stationär behandelt.

In den Pflegeeinrichtungen gilt inzwischen - wie überall - ein Aufnahmestopp, Ausnahmen gibt es in Notfällen nur, wenn eine 14-tägige Quarantäne möglich ist und eine Genehmigung des Gesundheitsamts vorliegt. Ein großes Problem ist nach Angaben des Landratsamts in diesem Zusammenhang, dass in vielen Heimen Schutzkleidung fehlt. Auch Entlassungen von Heimbewohnern aus der Kreisklinik könnten problematisch werden. Dazu werde gemeinsam mit den Einrichtungen derzeit an Lösungen gearbeitet, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts. SZ

Die Besuchsverbote und Einschränkungen, die zur Eindämmung des Corona-Virus erlassen wurden, machen es Angehörigen oft nicht möglich, sich von geliebten Menschen zu verabschieden oder notwendiges noch miteinander zu regeln", erläutert Hommelsen in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Auch Beerdigungen fänden nur noch im kleinen Kreis statt, und Kondolenzbesuche seien nicht möglich. "Manche Menschen sind jetzt sehr einsam. Die Besuchsverbote und Ausgangsverbote, so wichtig sie sind, bedeuten für die Betroffenen Verlust. Verlust von Kontakt und des Miteinander", so Hommelsen. Man wolle diesen Menschen die Möglichkeit geben, über ihre Sorgen und Erlebnisse zu sprechen. Freigeschaltet wird die Hotline an diesem Montag, 6. April.

Auch der Hospizverein Ebersberg muss seine Arbeit umstellen. Im vergangenen Jahr hat der Verein mehr als 160 Menschen in der schwierigen Situation der Krankheit, des Sterbens und der Trauer begleitet. Ehrenamtliche Hospizbegleiter besuchen normalerweise Menschen und ihre Angehörigen auf der Palliativstation des Ebersberger Krankenhauses, in Seniorenheimen des Landkreises und ambulant zuhause.

"Ich sehe, wie Menschen unter dieser Hilflosigkeit einsam und sprachlos werden"

Diese Begleitungen erlebten viele Betroffene als entlastend und wohltuend, unterstreicht der Hospizverein in einer Pressemitteilung: "Manchmal nur, weil ein anderer Mensch da ist, der die Situation mit ihnen teilt und sie so ein bisschen erträglicher macht. Oft auch, weil über das Sterben eines nahen Menschen geredet werden kann, die Trauer und der Schmerz in Worte gebracht wird."

Die Pandemie unterbreche das alles, persönliche Begegnungen seien nicht mehr möglich. Das Kontaktverbot stelle für Menschen, die schwer krank sind, eine besondere Belastung dar. Die sozialen Beziehungen fallen weitgehend weg: Freunde, Enkelkinder, Nachbarn - sie alle dürfen nicht mehr zu Besuch kommen. Auch für Menschen, die einen schwer kranken oder sterbenden Angehörigen begleiten, der in einem Altenheim lebt oder im Krankenhaus ist, ist das Besuchsverbot äußerst belastend.

"Ich sehe, wie Menschen unter dieser Hilflosigkeit leiden, einsam und sprachlos werden", so Birgit Deppe-Opitz, Koordinatorin des Hospizvereins Ebersberg. Daher hat der Hospizverein nun sein Angebot verändert. Er bietet eine telefonische Sprechstunde an, in der Betroffene über ihre Erlebnisse und Sorgen reden können.

Die Hotline im Landratsamts, Telefon (08092) 82 36 84, ist zu folgenden Zeiten besetzt: Montag von 9 bis 12 Uhr, Dienstag von 14 bis 16 Uhr, Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Die telefonische Sprechstunde des Hospizvereins findet an den Werktagen zwischen 11 und 12 Uhr statt. Erreichbar sind die Koordinatorinnen Christine Schlosser oder Birgit Deppe-Opitz unter der Telefonnummer (08092)25 69 85.

© SZ vom 06.04.2020/koei
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