Grüne in Bayern:"Davon lebt die Demokratie"

Grüne in Bayern: Der Ebersberger Thomas von Sarnowski hätte gerne als bayerischer Landesvorsitzender der Grünen weitergemacht.

Der Ebersberger Thomas von Sarnowski hätte gerne als bayerischer Landesvorsitzender der Grünen weitergemacht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Ebersberger Thomas von Sarnowski wird beim Landesparteitag in Lindau als Vorsitzender der bayerischen Grünen abgewählt. Woran lag's und wie geht es jetzt für ihn weiter?

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Thomas von Sarnowski ist nicht mehr Co-Vorsitzender der bayerischen Grünen. Beim Landesparteitag am vergangenen Samstag in Lindau musste sich der Ebersberger seiner Herausforderin Gisela Sengl geschlagen geben - und wurde dabei in gewisser Weise zu einem Bauernopfer. Das Ergebnis nämlich ist wohl auch als eine Folge des Momentums zu sehen, das nicht gerade aufseiten des 35-Jährigen war. Landauf, landab demonstrieren Landwirte dieser Tage gegen die Politik der Bundesregierung. Ebendiese Bevölkerung abseits der Großstädte als Wähler zurückzugewinnen, das haben sich die bayerischen Grünen ganz oben auf die Agenda geschrieben - und diese Aufgabe trauen die Mitglieder offenbar eher der 63-jährigen Landschaftsgärtnerin und Bio-Bäuerin Sengl zu, als dem jungen Akademiker von Sarnowski.

"Davon lebt die Demokratie", kommentiert der Ebersberger zwei Tage später seine Abwahl als Vize-Chef der Landespartei, die er zuvor rund zweieinhalb Jahre lang zusammen mit seiner Co-Vorsitzenden Eva Lettenbauer geführt hatte. In seiner Stimme am Telefon schwingt jedoch hörbare Enttäuschung mit, dass er seinen Posten nun räumen muss. "Ich hätte natürlich gerne die Projekte, die ich angefangen habe, weitergeführt. Aber die Demokratie verlangt Demut", sagt der 35-Jährige, der seine Zeit im bayerischen Grünen-Vorstand als durchaus erfolgreich bezeichnet.

"Ich blicke gerne auf über zweieinhalb erfüllende Jahre zurück, aus denen ich sehr viel mitnehme", so von Sarnowski. Als Beispiele nennt er etwa die tiefen Einblicke in bayerische Unternehmen, die Erfahrungen im Wahlkampf oder den direkten Draht nach Berlin. "In meiner Amtszeit haben wir das beste Bundestagswahlergebnis der Grünen Bayern eingefahren, und das zweitbeste Landtagswahlergebnis, auch wenn es sich nicht danach anfühlt wegen der Verluste", sagt der Ebersberger. Sein ganz persönliches "Abschiedsgeschenk" sei aber der Schub von mehr als 1000 neuen Mitgliedern seit der letzten Wahl. "Es geht wieder aufwärts, das macht mich glücklich."

Schon vor der Wahl am Samstag war klar, dass von Sarnowski einen Gegenkandidaten für das Amt bekommen würde. Anders als zunächst angenommen, musste er aber nicht gegen den Kulturmanager Ludwig Sporrer bestehen, sondern gegen die Bioladenbetreiberin Gisela Sengl aus Chieming. Diese war im ersten Wahlgang bereits gegen Eva Lettenbauer angetreten und unterlag dort knapp mit 48 zu 51 Prozent der Stimmen. Weil Sporrer seine Bewerbung kurzfristig zurückzog und stattdessen zur Wahl Sengls aufrief, die beim zweiten Urnengang erneut antrat, bekam es von Sarnowski mit der unerwarteten Kontrahentin zu tun. Letztendlich musste sich der Ebersberger in dieser Kampfabstimmung mit 47 zu 51 Prozent geschlagen geben.

Ziel der Grünen ist es, die Bevölkerung auf dem Land für sich zu gewinnen

"Ich habe das Szenario vorab gesehen, dass Gisela Sengl einen zweiten Anlauf nimmt, wenn sie nur knapp gegen meine bisherige Co-Vorsitzende Eva Lettenbauer unterliegt und sich dann eine starke Dynamik für sie entwickelt", analysiert Thomas von Sarnowski am Montag. Ein schlechtes Wort über seine Mitbewerberin will der 35-Jährige aber nicht verlieren, er sei sich vielmehr sicher, dass der neue Vorstand die Grünen Bayern nach vorn bringen wird. Dabei nennt auch von Sarnowski als oberstes Ziel, die Wählerinnen und Wähler auf dem Land zurückzugewinnen. Ebendort war Gisela Sengl in den Wochen vor dem Parteitag besonders aktiv und versuchte die Bevölkerung zu mobilisieren. Dass das der ausschlaggebende Punkt für seine Niederlage war, glaubt von Sarnowski indes nicht. "Die Grünen in Bayern haben bei verschiedenen Wahlen bewiesen, dass sie auch am Land starke Ergebnisse einfahren können", sagt er.

An diese Erfolge möchte die Ökopartei künftig wieder anknüpfen - dann allerdings ohne Thomas von Sarnowski in führender Rolle. Er wird seinen politischen Fokus nun vor allem auf den Landkreis Ebersberg richten. "Ich freue mich darauf, wieder mehr Zeit für mein Amt als Kreisrat zu haben", sagt er. Es sei schließlich die Kommunalpolitik gewesen, die ihn überhaupt erst zu den Grünen gebracht habe. "Hier kann man die Ergebnisse der politischen Arbeit unmittelbar sehen. Das gibt mir weiterhin viel Kraft."

Doch nicht nur politisch, auch beruflich wird sich von Sarnowski neu orientieren müssen, hat er doch bisher sein ganzes Wirken in die Dienste der Partei gestellt. Wie genau es für ihn weitergeht, steht bisher nicht fest. "Ich gönne mir jetzt eine kleine Auszeit nach vielen Jahren, in denen ich 24/7 in der Politik gesteckt habe. Und ich freue mich sehr darauf, endlich mehr Zeit für meine Familie und meine beiden kleinen Kinder zu haben", sagt der Ebersberger, der weiß, dass solche Veränderung zum Leben eines Politikers eben dazugehören. "Man hat ein Amt immer nur auf Zeit", so von Sarnowski, der sich einen letzten Seitenhieb als Grünen-Chef nicht verkneifen kann: "Das gilt übrigens auch für Söder und Aiwanger."

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