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Novum im Alten Kino:Ebersberg: Hans Klaffl sendet neues Online-Musikquiz

Hans’s Klaffl

Sammelt liebend gerne Kurioses aus Alltag, Schule und Musikgeschichte: der Ebersberger Kabarettist Hans Klaffl.

(Foto: Valentin Winhart/oh)

Der Ebersberger Kabarettist bestreitet erstmals einen Soloabend als Livestream aus dem Alten Kino. Eine Herausforderung: Verhindern, dass die Crew lacht.

Von Anja Blum

Viele Kabarettisten würden vermutlich behaupten, ihr Metier sei die Zuspitzung. Also die Analyse der Welt mittels der Übertreibung. Nicht so Hans Klaffl. Er sagt: "Man muss die Realität abschwächen, sonst glaubt einem keiner!" Eine solche Aussage gibt tiefen Einblick in die Erfahrungen, die der Ebersberger einst als Lehrer gesammelt haben muss. Egal, ob es um Schüler geht, Eltern, die Kollegen oder den Hausmeister: "Wie es wirklich war, das kann man oft gar nicht erzählen", sagt der ehemalige Musiklehrer.

Einen detaillierten Blick hinter die Kulissen der Klaffl'schen Welt verspricht ein ganz besonderer Auftritt am kommenden Sonntag, 31. Mai: Da wird der Ebersberger Kabarettist das erste Mal einen Soloabend als Livestream bestreiten, das heißt, ohne Publikum im Ebersberger Alten Kino. Er, der normalerweise sämtliche Säle füllt, wird dann klar kommen müssen damit, dass seine Pointen keine hörbaren Lacher generieren, sondern "nur" in den Wohnzimmern und im Netz ihren Widerhall finden. Doch Klaffl nimmt es sportlich: "Ach, endlich mal wieder eine Situation mit ein bisschen Lampenfieber - das kann nicht schaden", kokettiert der 69-Jährige mit der coronabedingten Herausforderung.

Extra für den Onlineabend haben sich Hans Klaffl und sein Team vom Alten Kino ein neues Konzept überlegt. Mit an Bord, auch bei der Show am Sonntagabend: Markus Bachmeier, Kleinkunstmanager und Bühnenchef, sowie Mitarbeiterin Violetta Ditterich. Die beiden werden als Gesprächspartner des Künstlers zu sehen sein, denn das Motto lautet "Kabarett und Talk".

Der Abend soll ein Best-of aus Klaffls vier bisherigen Programmen sein, man möchte dem Publikum in einer Art Wunschkonzert besonders beliebte Nummern bieten und obendrein so manches Backstage-Geheimnis lüften. "Wir wollen erzählen, woraus die ein oder andere Szene entstanden ist", sagt Klaffl - zum Beispiel, wie einst bei einer schulischen Lesenacht der Lachsack in den Lüftungsschacht kam. "Ich denke mir nämlich nie etwas aus", verspricht der "Staatskabarettist auf Lebenszeit".

Viel lieber sieht er sich als Sammler: von Stilblüten, absurden Anekdoten sowie Skurrilitäten aus Schule, Alltag und Musikgeschichte. Zwischenrein wird es Einspieler geben, etwa aus dem Schulmuseum Ichenhausen oder von der Verleihung des bayerischen Kabarettpreises. Außerdem dürfen sich die Zuschauer auf einen prominenten Überraschungsgast freuen. Das Einschalten lohnt sich also selbst für eingefleischte Fans, derer Klaffl ja nicht eben wenige hat.

"Ein guter Plan - der Rest ist Improvisation", so lautet die Devise Klaffls, der in wenigen Tagen 70 wird. Schließlich ist geistige Beweglichkeit nach wie vor eines seiner Markenzeichen: Vier Kabarettprogramme spielt der Ebersberger parallel, etwa 160 Auftritte im Jahr. Außerdem arbeitet Klaffl an seinem ganz persönlichen "Musiklexikon", einer Vortragsreihe mit so viel Wissen wie Witz. Klaffl hat einst an der Hochschule für Musik und Theater in München Cello studiert, außerdem Philosophie und Psychologie. Als Pädagoge verschrieb er sich ganz der Musik und dem Theater. Daneben entstanden zahlreiche Bücher und Radiosendungen zum Thema Musik.

Insofern ist Klaffl die Welt der Medien beileibe nicht völlig fremd. "Wenn fünf Kameramänner um dich herum sind, aber keiner eine Miene verzieht, das ist schon ein bisschen verstörend", erzählt er. Nur ein Mal habe er die Aufnahmeprofis mit einem Gag zum Lachen gebracht - mit der Konsequenz, die Szene wiederholen zu müssen. "Das war dann auch nicht so toll", sagt Klaffl. In den vergangenen Wochen konnte er das Agieren im leeren Saal ohnehin schon fleißig üben: bei seinem neuen "Musikquiz", von dem das Alte Kino jeden Freitag eine Folge ausstrahlt.

Am 29. Mai um 19.30 Uhr ist Ausgabe sieben dran. Ganz routiniert spult der "Lieblingslehrer" hier vor der Kamera seinen Unterricht, Pardon, sein Programm ab: jeweils drei Antworten, drei neue Fragen. Allerdings haben diese mit dem bayerischen Lehrplan nicht allzu viel am Hut, Klaffl hat sich als Pensionär auf die Kategorie "Einserbremse" spezialisiert. Auf musikalische Anagramme oder Parodien, absurde Bandnamen, biografische Spitzfindigkeiten oder Kuriositäten der Musiktheorie wie den Neapolitaner oder das erhöhte Gis in der Vierteltonmusik. Absolut abwegiges Wissen also, das Klaffl voller Genuss seziert.

"Lehrer finden ihre Fragen immer einfach", konstatiert er, nur um hinterherzuschieben, dass er teils tief beeindruckt sei von den Antworten seiner Zuschauer. Diese sind aufgerufen, ihre Lösungsvorschläge per Mail an Klaffl zu senden, zu gewinnen gibt es Freikarten fürs Alte Kino - und einen persönlichen Austausch mit dem Künstler. "Ich antworte allen, so bin ich das als Lehrer gewöhnt", sagt Klaffl und lacht, allerdings halte sich die Zahl seiner Ratefüchse auch in Grenzen. Die meisten Probleme bereiten dem Publikum übrigens die Fragen der Kategorie drei: zu Klaffls eigenen Programmen. "Klar, das ist wie in der Schule: Man soll zwei Stunden zuhören - und dann beim nächsten Mal noch irgendwelche Details wissen...?!"

So ein Quiz ist unterhaltsamer Frontalunterricht ohne Feedback - ok. Doch hat das Onlineformat für die Kleinkunst Potenzial über Corona hinaus? "Könnte gut sein, dass die Szene sich verändert", sagt Hans Klaffl. Zumindest gebe es vom Publikum durchaus positive Rückmeldungen zu den Livestreams: von Paaren mit kleinen Kindern etwa, oder von älteren Menschen, die Kultur gerne im eigenen Wohnzimmer genössen. "Veranstaltungen ohne oder mit nur wenig Publikum müssen die Ausnahme bleiben", so der Kabarettist, "aber wenn in einem vollen Saal zusätzlich zwei Kameras stehen, das halte ich für vorstellbar." Gerade auch, um Veranstalter an weiter entfernten Orten zu bedienen. Denn selbst dort wollen die Menschen wissen, wie es wirklich zugeht, in Klaffls Welt.

"Kabarett und Talk" mit Hans Klaffl im Livestream aus dem Alten Kino Ebersberg am Sonntag, 31. Mai. Tickets gibt es hier. Beginn ist um 20.30 Uhr, "Einlass" mit Vorprogramm um 19.30 Uhr.

© SZ vom 28.05.2020/koei
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