Naturschutz:Blühen im Verborgenen

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Naturschutz: Schön blühende Flächen, die als wertvolle Bienenweiden dienen, gibt es im Landkreis immer noch. Nur so leicht zu finden sind sie nicht mehr.

Schön blühende Flächen, die als wertvolle Bienenweiden dienen, gibt es im Landkreis immer noch. Nur so leicht zu finden sind sie nicht mehr.

(Foto: Christian Endt)

Zum "Jahr der Biene" und dem Volksbegehren für mehr Artenschutz leuchteten überall an Straßenrändern im Landkreis bunte Blumenwiesen. Heute muss man bisweilen etwas genauer hinschauen.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Es war die reine Pracht. Auf einmal waren viele Wiesen am Straßenrand nicht einfach nur grün, sondern mit vielen bunten Farbtupfern durchsetzt: Schafgarbe und Glockenblumen, Kuckuckslichtnelken und Margeriten, Flockenblumen, Kornblumen und Mohn und vieles mehr leuchtete da auf einmal auf Wiesenstreifen, die vor den üblichen Mais- und Getreidefeldern angelegt worden waren. Das "Jahr der Biene" und das Volksbegehren für mehr Artenschutz hatten das vor einigen Jahren geschafft - auf einmal widmete man auch im Landkreis Ebersberg der Tatsache, dass die Lebensräume von Insekten stetig zurückgegangen sind, mehr Aufmerksamkeit. Heute scheint auf den ersten Blick das Rad wieder weitgehend zurückgedreht, mehr Grün, weniger Bunt. Doch der Eindruck stimmt nur teilweise, wie Frank Burkhardt, Chef der Unteren Naturschutzbehörde, und seine Stellvertreterin Roswitha Holzmann erklären.

Naturschutz: Roswitha Holzmann und Frank Burkhardt von der Unteren Naturschutzbehörde schätzen bei dem Programm die Zusammenarbeit mit dem Maschinenring.

Roswitha Holzmann und Frank Burkhardt von der Unteren Naturschutzbehörde schätzen bei dem Programm die Zusammenarbeit mit dem Maschinenring.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Denn die Blütenpracht, die als Bienenweide so nützlich ist, gibt es durchaus noch - nur inzwischen eher im Verborgenen. Für die Landwirte war die Bewirtschaftung dieser schmalen Streifen am Straßenrand eher unpraktisch, außerdem waren die Streifen oft mit einjährigen Blühmischungen angesät. Ein hübscher Effekt einen Sommer lang, aber nichts, was sich dauerhaft hätte entwickeln können. Heute setzt man auf eine andere Strategie: Die "Initiative Artenvielfalt im Grünland", hinter der neben der Naturschutzbehörde auch der Maschinenring und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten steht, sieht vor, dass Flächen längerfristig - mindestens aber fünf Jahre - als blühende Wiesen erhalten werden. Die Landwirte entscheiden sich dabei meist für Flächen, die nicht so gut zu bewirtschaften oder vom Hof aus schwerer zu erreichen sind - vom Straßenrand aus sind sie also nicht mehr ganz so leicht zu sehen.

Ausgesät werden Samen von Wildblumen aus der Region

Der Landkreis zahlt dabei das Saatgut und 50 Prozent der Herstellungskosten der Blühflächen, die Landwirte stellen ihre Flächen zur Verfügung und tragen die andere Hälfte der Kosten. Dabei ist es teurer als man vermuten möchte, solche Blumenwiesen herzustellen: Mit 3000 Euro pro Hektar muss man rechnen, wie Roswitha Holzmann sagt.

Es ist aber auch ganz besonderes Saatgut, das da ausgebracht wird. Zwei Familienbetriebe in der Region haben sich darauf spezialisiert, einer im Landkreis Mühldorf, einer im Landkreis Freising. Sie vermehren und verkaufen die Samen von wilden, in der Region wachsenden Blumen und Gräsern - und zwar genau abgestimmt darauf, wo sie ausgesät werden sollen. Denn eine Margerite kann in der Schotterebene und im Alpenvorland zwar gleich aussehen, erklärt Burkhardt, doch der Blühzeitpunkt liegt zwei Wochen versetzt: "Das kann für die Insekten entscheidend sein, die haben sich entsprechend angepasst."

Seit dem Jahr der Biene 2019 wurde, wie Holzmann erzählt, allein an Gartenbauvereine sowie direkt an Privatpersonen Saatgut für neun Hektar ausgegeben. Sieben Hektar hat man in drei Jahren über das Programm "Artenreiches Grünland" zum Blühen gebracht. Derzeit beteiligen sich 20 Landwirte am Programm, einer hat allein zwei Hektar Blühfläche, die anderen begnügen sich mit kleineren Fleckchen. Sollte ein Hof beispielsweise übergeben werden oder den Besitzer wechseln, können die Landwirte auch früher als vereinbart aus dem Programm wieder aussteigen. Es ist auch nicht so, dass die Blühflächen für die Bauern überhaupt keinen weiteren Nutzen haben: Sie können, wie anderes Grünland, gemäht und verfüttert werden. Nur wird eben nur zwei- statt fünfmal im Jahr gemäht, und das Grüngut ist dementsprechend holziger als normal. Zusammen mit dem Gras von den gewöhnlich bewirtschafteten Flächen könne es aber gut verwendet werden, sagt Burkhardt.

Die Fachleute in der Unteren Naturschutzbehörde wünschen sich durchaus, dass sich noch mehr Bauern an dem Programm beteiligen, wie bei so vielem hat auch hier Corona zu längerem Stillstand geführt. "Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es jetzt wieder an Fahrt gewinnt", sagt Burkhardt. Er betont die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Maschinenring, der als Multiplikator wirkt und dem es gut gelingt, in den eigenen Reihen um Unterstützer zu werben. Denn es werde ja immer ein Antagonismus zwischen Landwirtschaft einerseits und Naturschutz andererseits aufgemacht, der faktisch so nicht vorhanden sei. Viele Landwirte jedenfalls stünden dem Naturschutz sehr positiv gegenüber, sagt Burkhardt.

Das merkt man auch, wenn man mit Ludwig Huber, dem Juniorchef des Zehmerhofs in Pliening, spricht. Auch er schafft Blühflächen, wenn auch über ein anderes Modell: Jeder, der mag, kann eine Blühpatenschaft bei ihm übernehmen. 60 Cent pro Quadratmeter kostet das, für jeden Quadratmeter, der bei ihm gebucht wird, legt er einen weiteren auf eigene Kosten an - der junge Landwirt hat es sogar ermöglicht, dass man die Flächen im Webshop buchen kann. Als vor ein paar Jahren Bienen- und Artenschutz noch nicht von anderen Themen überlagert war, hatten viele Landwirte das Konzept angeboten, inzwischen ist es auf vielen Höfen ausgelaufen.

Naturschutz: Ludwig Huber vom Zehmerhof in Pliening setzt ebenfalls auf Blühflächen - bei ihm kann man sie sogar online buchen.

Ludwig Huber vom Zehmerhof in Pliening setzt ebenfalls auf Blühflächen - bei ihm kann man sie sogar online buchen.

(Foto: privat)

Nicht bei Ludwig Huber, auch wenn er ebenfalls nachlassendes Interesse registriert. Fünf Hektar Blühflächen konnte er mit Hilfe von Paten im ersten Jahr, 2019, ansäen. Danach ging die Zahl der Paten immer mehr zurück, in diesem Jahr hat er nur noch genügend Unterstützter für einen Hektar zusammengebracht. Dennoch werde er weitermachen, sagt er: "Das ist für mich keine Frage, es ist ja ein sehr schönes Projekt." Mit Freude betrachtet er auch selbst, wie sich seine Flächen entwickeln; nicht nur Insekten mögen sie, auch Rehe und Hasen sieht er dort - und Vögel, die im ersten Jahr so viele Sonnenblumen weggepickt haben, dass in den Jahren darauf keine mehr wuchsen. Auch gut, sagt er und lacht, es sei schließlich auch wichtig, für die Vögel etwas zu tun.

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