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Verkehrspolitik:Neue Studie zur urbanen Seilbahnverbindung

La Paz

Urbane Seilbahnen sind längst keine Weltsensation mehr: In La Paz gehören sie längst zum Alltag.

(Foto: oh)

Das Ergebnis ist erst in zwei Jahren zu erwarten. Doch in Dachau und München wird unterdessen weiter an dieser Alternative zum Autoverkehr geplant

Von Eva Waltl, Dachau

Staus und dicht gedrängte Autos sind insbesondere für Pendler in der Metropolregion München ein lästiges Thema. Mit alternativen Verkehrsträgern könnte man diesem Verkehrschaos schwebend entkommen. Schon seit einiger Zeit geistert die Idee eines Seilbahnprojekts im Landkreis umher. Die Stadt Dachau, die Gemeinde Karlsfeld und das Landratsamt Dachau arbeiten gemeinsam mit der Landeshauptstadt München daran, einen Schritt in Richtung zukunftsorientiertem Personentransport in der Luft zu gehen. Eine neue Studie, die das Bundesverkehrsministerium (BMVI) in Auftrag gab, kann der Seilbahndiskussion neuen Antrieb verleihen. Fragen zur Planung, Umsetzung und Kostenverteilung bleiben aber noch unbeantwortet.

Im Landkreis finden aktuell Gespräche über eine Trasse von Dachau über Karlsfeld nach München-Moosach statt. Die Landeshauptstadt München führt bereits konkrete Untersuchungen durch. "Der Ball ist jetzt in München", sagt Florian Hartmann (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Dachau. "Derzeit steht ein Vergleich verschiedener Verkehrssysteme an, der Aufschluss darüber geben soll, welches das vielversprechendste ist." Diesen Vergleich übernimmt die Landeshauptstadt. Mit dem Ergebnis aus München rechnet Hartmann in "frühestens zwei Jahren".

Auch wenn erst nach Abschluss des Vergleichs das weitere Vorgehen beschlossen werden könne, sieht Hartmann das Seilbahnprojekt als eine Investition in die Zukunft. Eine Seilbahn würde laut Hartmann viele Vorteile vor allem wegen der Entlastung des Verkehrs bergen. "Die Seilbahn kann kontinuierlich Menschen befördern." Zwar eine kleinere Anzahl an Menschen im Vergleich zu einem S-Bahn-Wagen, dafür aber in kürzeren regelmäßigen Abständen. Außerdem würden für den Bau nur wenige Flächen verbraucht werden. Es werden lediglich Stützen benötigt, worauf die Seile geführt werden und die Haltestationen. Die Gondel bewegt sich in der Luft unabhängig von Straße und Schiene. "Das ist ein immenser Vorteil, weil die anderen Verkehrsträger bereits sehr ausgereizt sind", ergänzt Hartmann. Eine Seilbahn wäre demnach eine Möglichkeit, eine weitere Verkehrsebene zu erschließen. Landrat Stefan Löwl ( CSU) spricht sich ausdrücklich für alternative Personenbeförderungssysteme im Landkreis aus: "Wir brauchen dringend die dritte Dimension." Dies sei ein großer Vorzug der Seilbahn, so Löwl. Auch SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi unterstützt die Entwicklung: "Es ist dringend notwendig, massiv in alternative Verkehrswege und Antriebe zu investieren." Eine Seilbahn sei "eine sinnvolle, klimaschonende Ergänzung", so Schrodi.

Auch von Seiten des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) wächst das Interesse an der schwebenden Personenbeförderung. Eine Seilbahn sei "als Transportmittel unschlagbar im Kosten-Nutzen-Vergleich", heißt es in einer Pressemitteilung des BMVI. Das BMVI gab eine Studie in Auftrag, um die stadt- und verkehrsplanerische Integration urbaner Seilbahnprojekte zu erarbeiten. Das Resultat soll in etwa zwei Jahren vorliegen und ein Leitfaden einer "Realisierung von Seilbahnen als Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs" sein. Dies ist ein Zeitraum, der für Schrodi gehörig zu lang ist. Er mahnt, dass hinsichtlich der "ehrgeizigen Klimaziele, die sich die Bundesregierung gesetzt hat, nicht so lange gewartet werden kann, bis es Ergebnisse aus dem Verkehrsministerium gibt." Die Zeit dränge, denn gerade der Landkreis Dachau, der stark von Zuzug geprägt ist, "stößt hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur an seine Grenzen", klagt Schrodi.

Aber bestimmte Lücken in der Gesetzgebung würden ein rasches Voranschreiten erschweren, so Löwl: "Das aktuelle Seilbahnrecht bezieht sich auf Bergbahnen und weniger auf urbane Wege." Es gebe keine klaren Regelungen, ob eine Seilbahntrasse über bebautes Gebiet schweben dürfe, erklärt der Landrat. Das ist ein Problem, denn eine Seilbahn ist grundsätzlich für gerade Strecken konzipiert. Man könne, so Löwl, nicht beliebig Kurven und Abbiegungen einbauen. Die ideale Trasse sollte also nach Möglichkeit gerade und nicht über Siedlungsgebiete verlaufen.

Alle Parteien sind sich einig, dass die schwebende Personenbeförderung eine sinnvolle und auch notwendige Erweiterung ist. Jedoch bleiben viele Fragen offen. Welcher Verkehrsträger wird letztendlich gewählt? Welche Trasse kommt in Frage? Wie soll die Verbindung konkret gestaltet sein? Wer kommt für die immensen Kosten auf? Das Verkehrsministerium benötigt für die Beantwortung einiger dieser Fragen im Zuge der Studie zwei lange Jahre. Für den Landkreis bedeutet dies, zwei weitere Jahre dichtbefahrene Straßen.

© SZ vom 03.02.2021
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