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SPD im Landkreis Dachau:"Niemand soll alleine kämpfen"

Der kommissarische Kreisvorsitzende Florian Heiser will das Gespräch mit allen Ortsvereinen suchen.

(Foto: oh)

Die wichtigsten Personalfragen hat die SPD gerade geklärt. Florian Heiser übernimmt kommissarisch den Kreisvorsitz von Hubert Böck. Der Dachauer hat vor allem langfristige Ziele. Er will, dass die Ortsvereine sich gegenseitig unterstützen.

Von Jacqueline Lang, Dachau

Der Zeitpunkt der Bekanntgabe mag einige überrascht haben, doch mit Olaf Scholz hat sich die SPD nun auf einen Kanzlerkandidaten festgelegt - wenn auch auf einen, den sich die Basis vor Monaten noch nicht als Parteivorsitzenden vorstellen konnte. Nur einige Wochen zuvor, aber nicht minder überraschend, kam der Rücktritt des SPD-Kreistagsvorsitzenden Hubert Böck. In einer Vorstandssitzung Ende Juli gab dieser bekannt, sein Amt niederzulegen. Böck, Leiter des Rettungsdienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Freising und gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer, nannte als Grund für seinen Rücktritt die enorme Arbeitsbelastung durch die derzeitige Corona-Pandemie. Sein bisheriger Stellvertreter Florian Heiser, 50, übernimmt das Amt des Unterbezirksvorsitzenden bis zu den Neuwahlen im Frühjahr 2021 nun vorerst kommissarisch.

Die Entscheidung, sein Amt abzugeben, habe Böck dem Vorstand erst eine Woche vor der Sitzung mitgeteilt, so Heiser. Da die personelle Veränderung "noch recht frisch" sei, habe er selbst auch noch keinen hundertprozentigen Überblick über all seine zukünftigen Aufgaben und noch keinen Zugriff auf alle Systeme. Auch eine Übergabe durch Böck, den Heiser schon lange unter anderem von gemeinsamen Fahrten im Rettungsdienst des BRK kennt, steht noch aus. Ideen, wie er sein neues Amt mit Leben füllen will, die hat Heiser indes schon viele gesammelt - auch wenn es bislang noch keine weitere Vorstandssitzung der Partei gegeben hat, in der diese auch intern hätten besprochen werden können. Vorerst bleiben es also nur Heisers persönliche Vorschläge.

Florian Heiser will ein Netzwerk aufbauen

Da wäre zum Beispiel das Bestreben, ein landkreisweites SPD-Netzwerk aufzubauen. Vor allem "Einzelkämpfern", wie etwa Veit Winkler im Gemeinderat in Odelzhausen oder Arlette Amend im Gemeinderat in Erdweg, will Heiser den Rücken stärken. "Niemand soll das Gefühl haben müssen, alleine zu kämpfen", so Heiser. Damit es nicht an langen Anfahrtszeiten quer durch den Landkreis scheitert und derzeit geltende Abstandsbeschränkungen eingehalten werden können, möchte Heiser die gemeinsamen Treffen auch in digitaler Form anbieten.

Was ihm sonst noch vorschwebt? Mit dem Vorstand, das schickt Heiser gleich vorweg, sei auch das zwar noch nicht abgesprochen, aber er könnte sich für den Landkreis ein sogenanntes Bürgerbudget vorstellen. Bürger könnten dann selbständig und basisdemokratisch entscheiden, wofür sie ihr Geld einsetzen wollen. Spricht sich der Vorstand dafür aus, würde Heiser dieses Vorhaben gerne vorantreiben. Und neben den sonstigen Tätigkeiten eines Vorstandsvorsitzenden stünde im kommenden Jahr natürlich auch die Bundestagswahl an, bei er man den derzeitigen SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi unterstützen werde, so Heiser. Vor September, das gibt der kommissarische Vorsitzende auch zu, werde da aber wohl nicht viel passieren, weil er selbst und viele seiner Kollegen im August im Urlaub sind.

Wolfgang Götz ist zwar streng genommen kein Einzelkämpfer, weil Genossin Sabine Decker gemeinsam mit ihm im Röhrmooser Gemeinderat sitzt, aber sonderlich gut aufgestellt ist weder der Röhrmooser Ortsverein noch die SPD im Dachauer Umland insgesamt; in vielen Gemeinderäten sitzen lediglich ein bis zwei SPDler. In Bergkirchen sind sie gar nicht vertreten - und das obwohl die Partei in 16 von 17 Landkreisgemeinden aktive Ortsvereine hat.

Von der Idee, sich untereinander besser zu vernetzen, ist Götz deshalb sehr angetan. Denn auch wenn Themen teilweise gemeindespezifisch seien, so seien viele Themen wie etwa die Verkehrspolitik doch auch Kreisthemen. Gemeinsame Gremiensitzungen habe es zwar auch schon in der Vergangenheit immer wieder gegeben, aber Götz hofft, dass durch eine bessere Vernetzung untereinander "Kräfte gebündelt werden können". Ob Florian Heiser der richtige Mann für die Aufgabe ist, darüber will der Röhrmooser noch kein Urteil abgeben. "Wir müssen uns sammeln und uns intern besprechen", so Götz.

Arlette Amend sitzt derzeit als einziges SPD-Mitglied im Erdweger Gemeinderat. Als Einzelkämpferin fühlt sie sich trotzdem nicht, "da ich die Bürgerinnen und Bürger, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben und mich gewählt haben, an meiner Seite weiß". Dennoch erachtet sie es als "unumgänglich", dass ein Zusammenhalt in der SPD - gerade im Unterbezirk - bestehe und sich die Genossen in ihrer politischen Arbeit gegenseitig unterstützten, so Amend. Schon länger seien zu diesem Zweck Netzwerktreffen der kommunalen Mandatsträger geplant. "Ich hoffe, dass dies von Florian Heiser weiter vorangetrieben und in den kommenden Sitzungen konkretisiert wird."

"Ich bin ein Teamplayer"

Von Menschen wie Götz und Amend wird es maßgeblich abhängen, ob Heiser, der als IT-Projektmanager tätig ist, das Amt im Frühjahr wieder abgeben oder als gewählter Kreisvorsitzender für mindestens zwei Jahre die Interessen der SPD im Landkreis Dachau nach außen vertreten wird. Heiser will deshalb in den kommenden Monaten mit allen Ortsvereinen das Gespräch suchen. Denn vieles von dem, was er sich vorgenommen hat, sind "mittel- bis langfristige Ziele". Alles daran zu setzen, diese Ziele auch zu erreichen, mache für ihn nur Sinn, wenn er den nötigen Rückhalt in den Ortsvereinen hat, so Heiser. Grundsätzlich wäre es möglich gewesen, nach Böcks Rücktritt sofort Neuwahlen durchzuführen. Doch in der aktuellen Situation wäre dies in der Kürze der Zeit mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden gewesen, begründet Heiser die Entscheidung zu warten.

Martina Tschirge, ebenfalls stellvertretende Vorsitzende, hatte bei der Wahl zum kommissarischen Vorsitzenden ihm den Vortritt gelassen. Sowohl beruflich, als auch privat sei das Amt zum jetzigen Zeitpunkt für sie nicht in Frage gekommen, so Tschirge. Marianne Klaffki, SPD-Fraktionssprecherin im Dachauer Kreistag sowie Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Hebertshausen, kann die Entscheidung von Hubert Böck auf Kreistagsebene kürzer zu treten, gut nachvollziehen. Mit Heiser, so Klaffki, habe man aber - zumindest vorübergehend - einen adäquaten Ersatz gefunden.

Der Dachauer Ortsverein, in dem Heiser Mitglied ist, sei "sehr erfolgreich" und sein Wissen darüber, wie man die Themen der SPD bestmöglich an die Bürger kommuniziert, sieht Klaffki auch als "Chance für die Landkreis-SPD", die durch die Personalveränderung "neuen, schönen Schwung" bekomme. Gleichwohl habe man schon seit der konstituierenden Kreistagssitzung im Mai durch zahlreiche Anträge Präsenz gezeigt und sich als "großes Team" präsentiert. Wobei das Adjektiv groß in diesem Zusammenhang relativ ist: Vor der Wahl im März hatte die SPD elf Sitze im Kreistag, nun sind es nur noch acht.

Auch Heiser versteht sich als Teil dieses Teams: "Ich bin ein Teamplayer." Schon seit 1995 ist der gebürtige Dachauer Parteimitglied, wenn auch zu Studienzeiten noch nicht als Mitglied im Dachauer Ortsverein. "Ich bin nicht in der SPD, weil ich was werden will, sondern weil ich die Themen der Partei unterstütze", so Heiser. Sollte die Wahl im Frühjahr daher nicht auf ihn fallen, schließt er auch eine Rückkehr auf seinen Stellvertreterposten oder einen ganz anderen Posten nicht aus.

Florian Heiser ist zuversichtlich, dass, wenn die richtigen Themen in den einzelnen Gemeinden gesetzt werden, die Bürger im Landkreis Dachau auch vermehrt wieder die SPD wählen werden. Denn natürlich seien Wahlen vor allem auf Kommunalebene immer auch Personenwahlen. Aber Themen und Personen, das könne man letztlich nicht voneinander trennen. Das gilt für ihn wohl ebenso sehr wie für den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz.

© SZ vom 12.08.2020
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Kommunalpolitik
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