Sportanlage:Verein stemmt halbe Million

Sportanlage: So sehen Sieger aus: In den architektonischen Entwürfen für die neue Halle, die eine Preisjury zuletzt gekürt hat, sind bis zu 1500 Zuschauerplätze vorgesehen.

So sehen Sieger aus: In den architektonischen Entwürfen für die neue Halle, die eine Preisjury zuletzt gekürt hat, sind bis zu 1500 Zuschauerplätze vorgesehen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Stadt schreibt die Planungen für die neue Georg-Scherer-Halle europaweit aus. Damit diese auch für den Wettkampfsport geeignet ist, will sich der ASV Dachau an der Finanzierung beteiligen: mit 500 000 Euro.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Was für ein Spiel, was für Emotionen. Mit 3:2 siegten die Volleyballer des ASV Dachau am vergangenen Wochenende sensationell gegen den Deutschen Dauermeister und aktuellen Tabellenführer der Ersten Bundesliga, die Berlin Recycling Volleys. Nachdem ASV-Kapitän Simon Gallas den ersten Matchball direkt verwandelt hatte, verschwanden die Spieler in einer Jubeltraube, die immer größer wurde - Fans stürmten von den Rängen auf das Spielfeld.

Dieser laut ASV "magische Abend" hallt nach. Er wurde für die Dachauer auch deshalb unvergesslich, weil sie das Heimspiel nicht wie sonst in der maroden und dunklen Georg-Scherer-Halle, sondern im Ballhausforum in Unterschleißheim austrugen, einem modernen Veranstaltungszentrum. Ob diese Aufwärtsspirale aus Emotion auf den Rängen und Leistung auf dem Feld auch an der angestammten Spielstätte auf dem ASV-Gelände möglich gewesen wäre? Darüber lässt sich nur spekulieren. Matchwinner Gallas sagte aber einem SZ-Reporter: "Vielleicht ist dieser Abend ja auch ein Anreiz in Richtung Dachau, die neue Halle schnellstmöglich zu bauen, damit wir auch eine schönere, höhere Arena haben. War jedenfalls geil hier."

"Zuschauerplätze hat man in jeder Sporthalle. Die Frage ist: wie viele?"

In der alten Georg-Scherer-Halle, Baujahr 1972, sind die "geilen Zeiten" längst vorbei. Hier hat der ASV in den Neunzigern zwei Mal die Deutsche Meisterschaft und ein Mal den Pokalsieg gefeiert. Doch die Halle hat ausgedient: Lüftung und Heizung sind veraltet, das Dach ist undicht, der Brandschutz ungenügend, eine Sanierung unmöglich. Die komplizierten Planungen für einen Neubau laufen seit zwölf Jahren und waren immer wieder Gegenstand heftiger politischer Debatten. Politisch vertrackt ist das Thema auch deshalb, weil für die neue Scherer-Halle die bei vielen Menschen im Landkreis beliebte Kunsteisbahn weichen muss; aufgrund der angespannten Haushaltslage ist der Bau einer Eislauffläche an anderer Stelle derzeit für die Stadt wohl nicht finanzierbar - genau dies fordern allerdings Tausende Unterzeichner einer Online-Petition.

Für den Neubau der Scherer-Halle darf die Stadt - anders als für eine Eislauffläche - neue Schulden aufnehmen, da sie diese braucht für den Schulunterricht. Und allmählich geht es mit den Planungen voran. Ende vergangenen Jahres kürte eine Jury im Rahmen eines Realisierungswettbewerbes vier architektonische Siegerentwürfe für den Neubau der Halle samt Parkhaus. In der "Wettbewerbsaufgabe" hieß es: "Die Sporthalle soll als Vereinssporthalle mit bis zu 1500 Tribünensitzplätzen wie auch zur Nutzung als Drei-Fach-Schulturnhalle konzipiert werden." Darauf hatten sich die Stadträte vor eineinhalb Jahren angesichts der Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie geeinigt.

Sportanlage: Aktuell bietet die Georg-Scherer-Halle je nach Veranstaltung Platz für 450 bis 700 Zuschauer.

Aktuell bietet die Georg-Scherer-Halle je nach Veranstaltung Platz für 450 bis 700 Zuschauer.

(Foto: Toni Heigl)

Jetzt haben die Stadträte im Bau- und Planungsausschuss beschlossen, die Planungsleistungen europaweit auszuschreiben. Nach Angaben der Stadtverwaltung soll ein Vorentwurf samt Kostenschätzung den Stadträten im kommenden Jahr vorgelegt werden. Je näher der Baubeginn rückt, desto drängender stellt sich die Frage: Wie soll die neue Halle überhaupt finanziert werden?

Die Stadt nutzt die Scherer-Halle für den Schulsport. Unter der Woche haben dort bis zu 700 Schüler der Grundschule und Mittelschule Dachau Süd Unterricht. Zudem bietet der ASV als Partner der Stadt in der Halle Kinderbetreuung an. Im Zwergerlgarten sind 40 Kinder angemeldet, in der Mittagsbetreuung drei Gruppen mit ebenfalls rund 40 Kindern. Der Unterhalt oder Bau von Schulen und Kindertageseinrichtungen zählt - anders etwa als der Betrieb von Hallenbädern - zur kommunalen Daseinsvorsorge und ist damit eine Pflichtaufgabe der Stadt. Für die Finanzierung darf sie daher neue Kredite aufnehmen, sich also verschulden.

"Wir haben Angst, dass wir unseren Wettkampfsport nicht fortführen können"

Beim ASV gleichwohl befürchtet man, dass aufgrund der schwierigen Haushaltslage der Stadt letztlich nur eine reine Schulturnhalle gebaut werden kann - also anders als in den aktuellen Planungen vorgesehen, ohne genügend Plätze für Zuschauer auf der Tribüne. "Wir haben Angst, dass wir unseren Wettkampfsport nicht fortführen können", sagt ASV-Präsident Andreas Wilhelm. Schließlich spiele der Verein in Ligen, in denen viele Zuschauer kommen würden. Dazu zählen die Spiele der Erstliga-Volleyballer, aber auch die der Handballer. Zudem trägt der ASV die Deutschen Jugend- und Seniorenmeisterschaften mit Tausenden Teilnehmern in der Scherer-Halle aus. Auch bei den ASV-Hallenmasters, einem traditionellen Fußball-Turnier, ist die Tribüne voll.

Daher hat der ASV der Stadt Dachau ein Angebot gemacht: "Wir würden uns mit 500 000 Euro an der neuen Halle beteiligen", sagt Wilhelm. Dafür soll die Halle etwas höher werden, als dies für den Schulsport nötig sei. Zudem sollen ausreichend Zuschauerplätze gebaut werden. Eine halbe Million Euro sei für den Verein natürlich eine horrende Summe. Aber, sagt Wilhelm, "wir können uns das leisten". Mit etwas Glück komme man auch ohne Geld von der Bank aus. Das Angebot habe er Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) auch in einem Brief dargestellt.

Hartmann bestätigt das. Man werde das Angebot demnächst in einem Ausschuss des Stadtrates behandeln, so der OB. Grundsätzlich sei es gut, dass sich der ASV an der Halle beteiligen wolle, sagt Hartmann. Schließlich würden die aktuell vorliegenden Planungen für die neue Halle über das hinausgehen, was für die Stadt eine Pflichtaufgabe sei. Gleichwohl sagt Hartmann: "Zuschauerplätze hat man in jeder Sporthalle. Die Frage ist: wie viele?"

Aktuell bietet die Georg-Scherer-Halle je nach Veranstaltung Platz für 450 bis 700 Zuschauer. Beim vergangenen Heimspiel im Ballhausforum in Unterschleißheim kamen 1500 Menschen, ein neuer Zuschauerrekord für den ASV. Teammanager Raiko Worf sprach von einem "Mega-Event". Man habe gezeigt, "was in einer wirklich bundesligatauglichen Halle möglich ist und dass unser Sport Fans und Zuschauende begeistern kann. Das war auch noch einmal ein Statement für den Hallenneubau in Dachau."

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