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KZ-Gedenkstätte Dachau:Virtuelles Gedenken an KZ-Befreiung

Jubelnde KZ-Häftlinge nach der Befreiung des KZ Dachau, 1945

Ende des Terrors: Häftlinge des KZ Dachau freuen sich am 29. April 1945 über ihre Befreiung durch amerikanische Truppen.

(Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo)

Wegen Corona finden die Feierlichkeiten zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau größtenteils digital statt. Doch es gibt auch ein paar wenige Präsenztermine.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Die KZ-Gedenkstätte, die Stiftung Bayerische Gedenkstätten und das Comité International de Dachau haben ein umfangreiches Programm für das "Virtuelle Gedenken" zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau zusammengestellt. Von diesem Donnerstag bis Sonntag können Interessierte Livestreams, Botschaften von Zeitzeugen oder Diskussionsrunden kostenlos über den folgenden Link verfolgen: www.kz-gedenkstaette-dachau.de/liberation. Außerdem finden ein paar wenige Präsenzveranstaltungen von Dachauer Vereinen oder Initiativen statt. Ein Programm-Überblick:

Donnerstag, 29. April

Die Befreiungsfeierlichkeiten beginnen am Donnerstagvormittag um 11 Uhr mit einem "stillen Gedenken mit Kranzniederlegung" am Internationalen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Abba Naor, Vizepräsident des Comité International de Dachau und Überlebender des KZ Dachau, Ilse Aigner, Landtagspräsidentin, Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister, und Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, werden daran teilnehmen. Die Veranstaltung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Anschließend um 14 Uhr startet mit der "Werkstatt der Erinnerung" ein umfangreiches digitales Programm. Um 14.20 Uhr erzählt der KZ-Überlebende Peter Gardosch von seinen persönlichen Erlebnissen in Dachau. Es folgen Videobotschaften, in denen Überlebende über ihre Verfolgungsgeschichte und das Leben nach der KZ-Haft erzählen. Um 16.30 Uhr wird eine historische Dokumentation über die Befreiung des KZ gezeigt, begleitet von Videobotschaften von Befreiern. Um 17 Uhr halten Referenten der KZ-Gedenkstätte und Bürger eine "stille Mahnwache" an der Mauer des ehemaligen KZ ab. Mit Mindestabstand und FFP2-Masken positionieren sie sich circa 20 Minuten lang an der Alten Römerstraße. Veranstalter ist der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung.

Freitag, 30. April

Am zweiten Tag startet das Programm um 10 Uhr mit einem Livestream aus dem Besucherzentrum der Gedenkstätte. Um 10.20 Uhr berichtet der Auschwitz- und Dachau-Überlebende Georg Heller, wie er am 29. April 1945 von der US-Armee befreit wurde. Um 14 Uhr findet ein Live-Gespräch statt. Ausgehend von einem Projekt von Schülern des Münchner Pestalozzi-Gymnasiums sprechen drei ehemalige Freiwillige der KZ-Gedenkstätte Dachau über ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte. Anschließend um 17 Uhr diskutieren die Leiter der Gedenkstätten Dachau, Sachsenhausen sowie Buchenwald und Mittelbau-Dora über die "Rolle der KZ-Gedenkstätten im 21. Jahrhundert" und die Frage: "Was bleibt von der Erinnerung?"

Samstag, 1. Mai

Ein Livestream beginnt am Samstag wieder um 10 Uhr. Um 10.20 Uhr steht die Familie des berühmten Zeitzeugen Max Mannheimer bei einem Live-Gespräch im Mittelpunkt. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, beleuchtet mit Eva und Judith Faessler, Tochter und Enkelin des Dachau-Überlebenden Max Mannheimer, die Frage, wie die zweite und dritte Generation die Erinnerung lebendig halten kann. Im Anschluss werden Gedenkbotschaften von Nachkommen ehemaliger Häftlinge gezeigt. Um 16 Uhr würdigt das Comité International de Dachau mit zwei Preisverleihungen jeweils die historische Forschung zum Konzentrationslager Dachau und die Rolle derer, die sich für die Gedenkarbeit einsetzen. Von 18 bis 19 Uhr wird am Dachauer Todesmarschmahnmal in der Theodor-Heuss-Straße an die Opfer des Dachauer Todesmarsches erinnert. Bei der Kundgebung unter freiem Himmel sprechen Abba Naor, der den Todesmarsch überlebte, Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Florian Hartmann, Dachauer Oberbürgermeister, und Karla Steeb, Studentin und Freiwillige an der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Gedenkfeier, bei der Teilnehmer Abstands- und Hygieneregeln einhalten müssen, soll laut Kirchenrat Björn Mensing auch ein Zeichen gegen "aktuellen Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus" sein.

Sonntag, 2. Mai

Am Sonntag um 9.30 Uhr findet die Gedenkfeier des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern anlässlich des Jahrestages der KZ-Befreiung statt. Die Veranstaltungen wird auf der Homepage der Gedenkstätte live übertragen. Um 10 Uhr gestalten das Karmelkloster Heilig Blut, die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte, die Griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland und die Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte ein ökumenisches Gedenken. Wer daran teilnehmen möchte, muss sich per Mail an LSchmidinger@eomuc.de anmelden. Auf der Website der Gedenkstätte finden sich dann die Links zur Predigt von Ludwig Schmidinger und zur englischsprachigen Video-Kurzandacht mit der Erinnerung an Miriam Rosenthals Befreiung von Björn Mensing. Die Andacht ist bereits online. Anschließend um 10.3o Uhr findet der zentrale Gedenkakt an diesem Wochenende statt, mit dem an die Opfer des KZ Dachau und die Befreiung der Überlebenden durch die US-Armee am 29. April 1945 erinnert wird. Es gibt virtuelle Redebeiträge von Monika Grütters, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Michael Piazolo, dem bayerischen Kultusminister, sowie von Jean-Michel Thoma, dem Präsidenten des Comité International de Dachau. Zudem werden Botschaften des Befreiers Hilbert Margol sowie der drei Überlebenden Abba Naor, Elly Gotz und Leslie Rosenthal übertragen. Das Kammerensemble der Bayerischen Staatsoper begleitet die Veranstaltung musikalisch. Den Abschluss dieses Wochenendes macht die Gedenkfeier am ehemaligen SS-Schießplatz in Hebertshausen. Um 13 Uhr erinnert die Lagergemeinschaft Dachau an die mehr als 4000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die dort von SS-Männern ermordet wurden. Auch diese Veranstaltung wird per Livestream auf der Homepage der Gedenkstätte übertragen.

© SZ vom 29.04.2021
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