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SZ-Serie: Mit dem Bus in den Landkreis, Folge 5:Landkreis Dachau bekommt Expressbus

DIe MVV-Busse auf den Linien 703, 704, 706 und 721 sollen künftig öfter fahren.

(Foto: Toni Heigl)

Eine neue Schnellbuslinie soll die westlichen Gemeinden mit der Stadt München verbinden. Der Landkreis will dafür jährlich bis zu 540 000 Euro ausgeben.

Der Landkreis Dachau will den öffentlichen Nahverkehr auf dem Land verbessern. Das ist das Ziel des Nahverkehrsplans, der im Dezember 2018 beschlossen wurde. Jetzt werden die ersten Maßnahmen umgesetzt, die als besonders dringend gelten. Die MVV-Busse auf den Linien 703, 704, 706 und 721 sollen künftig öfter fahren. Außerdem ist eine überregionale Expressbusverbindung auf der Verkehrsachse zwischen Dasing und Pasing geplant. Sie führt über Pfaffenhofen an der Glonn, Odelzhausen und Sulzemoos nach München-Pasing. Der Freistaat hat eine großzügige Förderung zugesagt.

Die Busse der Linie 732, die von Pfaffenhofen nach Pasing fahren, sind jetzt schon stark ausgelastet. "Die Linie hat einen hohen Deckungsgrad", sagte Albert Herbst, zuständig für den öffentlichen Nahverkehr am Landratsamt, im Kreisausschuss. Von Odelzhausen fahren täglich 773 Pendler nach München, von Sulzemoos 538. Würde die Linie bis nach Dasing führen, kämen als Fahrgäste die Pendler aus dem Landkreis Aichach-Friedberg hinzu. Die Expressbuslinie würde auch die Bahnlinie Ingolstadt-Augsburg erschließen. Fahrgäste aus Sulzemoos und Odelzhausen haben dadurch die Möglichkeit, schnell nach Ingolstadt und Augsburg zu kommen. Auf den Streckenabschnitten Egenburg-Pasing und Sittenbach-Pasing verkehren die Expressbusse im Zweistundentakt, von Odelzhausen nach Pasing im 30-Minuten-Takt. Dieser wird durch zusätzliche Fahrten am Morgen auf den Abschnitten Egenburg-Pasing und Sittenbach-Pasing verdichtet. Im Berufsverkehr soll es auf dem Abschnitt Pasing-Odelzhausen zwischen 17 und 18 Uhr eine zusätzliche Fahrt in beiden Richtungen geben.

Auf der Linie 732 werden bisher 15 Meter lange Busse mit je 55 Sitzplätzen eingesetzt, deren Kapazitäten bereits ausgeschöpft sind. Stehplätze werden nicht genutzt, weil die Busse auf der Autobahn A 8 sonst nur mit Tempo 60 fahren dürften. Auf der geplanten Expressbuslinie, für die noch höhere Fahrgastzahlen erwartet werden, sollen deshalb Doppelstockbusse eingesetzt werden, in denen 75 bis 90 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Außerdem sollen alle Fahrzeuge WLAN erhalten, das künftig zum Standard auf allen MVV-Regionalbuslinien werden soll.

Die jährlichen Kosten der Expressbuslinie für den Landkreis Dachau werden zwischen 490 000 Euro und 540 000 Euro betragen. Die Linie wird zunächst für fünf Jahre ausgeschrieben. Der Freistaat hat zudem eine Förderung von 500 000 Euro im ersten Jahr, 400 000 Euro im zweiten und 300 000 Euro im dritten Jahr in Aussicht gestellt. Der Betrieb ist zunächst für fünf Jahre geplant. Für den CSU-Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath ist die S-Bahn-ähnliche Busverbindung "eine bestechende Idee". Der Bedarf an öffentlichem Nahverkehr nehme im Westen des Landkreises zu. "Die Förderung dieses Projekts ist genau der richtige Weg", so Seidenath. "Ich glaube, dass die Leute es annehmen werden."

Bessere Angebote soll es auch auf den MVV-Buslinien 703, 704, 706 und 721 geben. Die Linie 703 führt von Erdweg über Odelzhausen nach Dachau und Karlsfeld. Verbesserungen auf dieser Linie waren im Nahverkehrsplan zunächst nicht vorgesehen, seien aber in Kombination mit den Ausweitungen auf den Linien 704, 706 und 721 sinnvoll, so Herbst. Zusätzliche Fahrten sind auf der Linie 704 von Dachau über Schwabhausen nach Lauterbach, auf der Linie 706 von Hilgertshausen über Dachau und Karlsfeld nach Allach und auf der Linie 721 von Stockach über Odelzhausen nach Dachau geplant.

Herbst wies allerdings darauf hin, dass die geplanten Verbesserungen nur umgesetzt werden könnten, wenn genügend Busfahrer vorhanden seien. "Die Busfahrer sind das große Problem", betonte Landrat Stefan Löwl (CSU). "Nur auf den öffentlichen Nahverkehr zu setzen ist deshalb unverantwortlich." Er habe unlängst mit dem Geschäftsführer des Verbandes Bayerischer Busunternehmen ein Gespräch geführt, so Bernhard Seidenath. "Er sagte, dass hundert Prozent der Busfahrer keine Einheimischen mehr sind." Der Job habe in der Gesellschaft keinen hohen Stellenwert, sagte Marese Hoffmann (Grüne). Das Problem seien wie bei den sozialen Berufen niedrige Gehälter und bezahlbare Wohnungen. "Wir müssen von der Akademisierung wegkommen und diesen Berufen den Wert beimessen, den sie verdienen."

Die Lokalausgaben der Süddeutschen Zeitung suchen im Oktober gemeinsam mit dem MVV den Busfahrer oder die Busfahrerin des Jahres. Teilnahmecoupons liegen in allen Regionalbussen aus. Ihren Favoriten oder ihre Favoritin können Fahrgäste aber auch per Mail vorschlagen: busfahrer-aktion@mvv-muenchen.de.

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