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Helios-Amperklinikum:Dachauer Krankenhaus wegen Corona gesperrt

Mit zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen versucht das Klinikpersonal, eine Ansteckung mit dem Covid-19-Erreger zu unterbinden. Im Dachauer Helios-Amperklinikum hat das nicht geklappt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)
  • Viele Ärzte und Pfleger des Helios-Amperklinikums haben sich laut Landratsamt mit dem Coronavirus infiziert.
  • Vermutlich haben sich auch zahlreiche Patienten angesteckt, die in dem Krankenhaus behandelt werden.
  • Dachau erhält eine der ersten Behelfskliniken für Corona-Patienten in Bayern, sie wird in einem Hotel eingerichtet.

Das Helios Amper-Klinikum in Dachau ist seit Freitagnachmittag geschlossen. Viele Ärzte und Pfleger haben sich laut Landratsamt mit dem Coronavirus infiziert. Vermutlich auch zahlreiche Patienten, die in dem Krankenhaus behandelt werden. Eingeschleppt worden ist der Erreger offenbar von einem Patienten, der schon vor Tagen wegen eines anderen Leidens in die Klinik kam. Erst viel später stellte sich heraus, dass der Mann infiziert war. Doch bis dahin hatte er schon zu etlichen Personen Kontakt. Genau lässt sich die Kette nicht mehr nachverfolgen. Deshalb hat Landrat Stefan Löwl (CSU) zum Schutz der Bevölkerung eine Allgemeinverfügung erlassen: Niemand darf mehr in die Klinik, es sei denn, er ist positiv getesteter Covid-19-Patient. Heraus darf nur, wer in die häusliche Quarantäne verlegt wird, so das Gesundheitsamt Dachau.

Alle, die jetzt im Krankenhaus sind, werden nun auf Covid-19 getestet. Dies sind weit mehr als 1000 Menschen, Ärzte, Pfleger und Patienten. Insgesamt 453 verifizierte Coronafälle gibt es inzwischen im Landkreis Dachau. Am Freitag meldete das Gesundheitsamt 31 neue Patienten. Vier Menschen aus dem Landkreis sind bisher gestorben. Die Dachauer Klinik ist nicht die erste, die geschlossen werden musste. Bereits am Mittwochabend hat die Klinik München West in Pasing den Alltagsbetrieb eingestellt. Sie wird ebenfalls von Helios betrieben. 14 Patienten und zwei Mitarbeiter wurden dort auf verschiedenen Stationen positiv auf das Coronavirus getestet. Von der Kliniksperrung in Dachau sind neben den Stationen auch die Notfallambulanz, die Hebammen und die Bereitschaftspraxis betroffen.

Die Nachricht, dass Dachau eine der ersten Behelfskliniken für Corona-Patienten in Bayern erhält, kommt angesichts der dramatischen Entwicklung genau im richtigen Moment. Als Standort für die Behelfsklinik hatte sich ein Expertengremium aus Ärzten, Einsatzkräften und Politikern das Hotel "Select" im Dachauer Industriegebiet ausgesucht. 120 Behandlungsplätze für Covid-19-Erkrankte mit mittelschweren Symptomen sollen dort entstehen. Nach den Verhandlungen in dieser Woche ging alles ganz schnell. Die vorhandene Kapazität in den Krankenhäusern, meinen Experten wie Thomas Weiler, könnte wegen der steigenden Zahl an Covid-19-Patienten schon bald knapp werden. Weiler, der Notarzt und Intensivmediziner ist, leitet inzwischen das Krisenmanagement für 13 Krankenhäuser und 2250 Betten in den Landkreisen Dachau, Starnberg, Fürstenfeldbruck und Landsberg, die gemeinsam einen Rettungszweckverband bilden.

Die Einrichtung in Dachau muss rasch erbaut sein. "Die Welle kommt. Die entscheidende Frage ist, wie hoch sie sein wird und mit welcher Wucht sie uns trifft", sagt Weiler. Wie sehr die Zeit drängt, zeigt sich auch daran, wie schnell das Gesundheitsministerium nun gehandelt hat: "Innerhalb eines Arbeitstages", so Weiler, ist die krankenhausrechtliche Genehmigung für das Behelfskrankenhaus eingegangen. Die Vorbereitungen in Dachau laufen dementsprechend auf Hochtouren. Für den Bereich um das Hotel, so Landrat Löwl, wurde noch am Freitag ein Betretungsverbot erlassen. Am Samstag soll das Grundstück eingezäunt und am Montag erste Krankenhausmaterialien angeliefert werden. Beteiligt sind neben dem Landratsamt auch Rettungs- und Hilfsorganisationen. Das Dachauer Helios Amper-Klinikum sei maßgeblich für die pflegerische Organisation und ärztliche Betreuung verantwortlich.

Die Entscheidung zugunsten Dachaus ist laut Krisenmanager Weiler vor allem wegen seiner Lage gefallen. Eine Schwerpunktklinik in Höhenried im Süden sei zu weit entfernt, um Patienten aus Dachau oder Fürstenfeldbruck dorthin zu bringen. Für das Dachauer Gewerbegebiet sprach laut Löwl auch die günstige Verkehrsanbindung. Das Hotel liegt an breiten Straßen und in Nähe zur Autobahn. Wohngebiete seien weit genug entfernt. Der Parkplatz des Hotels biete genug Raum für Hubschrauberlandungen. Das Gebäude eigne sich auch wegen seiner Größe. Es bietet 120 Zimmer und Tagungsräume, sodass die Kapazität sogar auf 180 Behandlungsplätze erhöht werden könnte, so Löwl. Die Aufzüge seien groß genug für Kranke auf Tragen.

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Sorgen bereitet indes die Personalsituation. "Wir müssen rekrutieren, so viel wir können", sagt Krisenmanager Weiler. Am Freitag war noch klar: Den Großteil des Personals wird das Helios Amper-Klinikum in Dachau stellen. Doch nun ist das Krankenhaus selbst zum Corona-Krisenherd geworden. Löwl hofft zudem auf die Unterstützung des Roten Kreuzes und Freiwilliger, die früher als Ärzte, Krankenschwestern oder Pfleger gearbeitet haben. "Erst heute hat sich eine ehemalige Krankenschwester gemeldet", sagt Löwl. Den Großteil der Kosten für das Behelfskrankenhaus wird der Freistaat tragen.

Die Situation in den 13 Krankenhäusern des Zweckverbands ist noch verhältnismäßig ruhig. "Die Kliniken sind derzeit nur zur Hälfte ausgelastet", sagt Weiler. Von den 2250 Betten sind nach seiner Zählung derzeit knapp 80 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten. Das Ziel sei, die Zahl der Plätze auf den Intensivstationen zu verdoppeln. Die größte Herausforderung dabei sei, Beatmungsgeräte zu besorgen. Lediglich 15 sind in der vergangenen Woche geliefert worden. In der Dachauer Notklinik werde es sie nicht geben.

Positive Nachrichten kamen am Freitag aus dem Alten- und Pflegeheim Friedrich-Meinzolt-Haus in Dachau-Ost, in dem vor zwei Wochen ein Corona-Fall aufgetreten war. Dem 81-jährigen Bewohner gehe es wieder gut, teilt die Heimleiterin Silvia Große mit. Die Isolation der betroffenen Station sei bereits aufgehoben. Das Besuchsverbot aber besteht fort.

© SZ vom 04.04.2020
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