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Pasinger Krankenhaus: Erste Notaufnahme schließt wegen Coronavirus

Helios Klinikum München West bis auf Weiteres vorsorglich geschlossen, Pasing

Wegen einer Vielzahl von Corona-Infektionen unter Patienten und Mitarbeitern vorübergehend kein normaler Krankenhausbetrieb mehr: Das Helios Klinikum München West in Pasing hat den Ausnahmezustand ausgerufen.

(Foto: Florian Peljak)

Die Helios-Klinik in Pasing hatte auf Bitte der Regierung die Kapazitäten für Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19 ausgebaut. Jetzt darf gar kein Kranker mehr rein - und keiner raus.

Am Helios Klinikum München West hat sich das Coronavirus offenbar weniger stark verbreitet als zunächst befürchtet. Es seien zwar noch nicht alle Ergebnisse da, aber bislang seien die meisten Tests negativ ausgefallen, sagte der Ärztliche Direktor, Reza Ghotbi, am Donnerstag. Die Klinikleitung hatte am Mittwochabend mitgeteilt, vorübergehend keine neuen Patienten mehr aufzunehmen und auch keine Patienten zu entlassen oder zu verlegen, nachdem zu diesem Zeitpunkt 14 Patienten und zwei Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden waren. Auch die Notaufnahme wurde geschlossen. Auf diese Weise sollte eine weitere Verbreitung des Erregers verhindert werden.

Das Krankenhaus hatte Mitte März auf Bitte der Staatsregierung damit begonnen, die Kapazitäten für Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19 auszubauen. Dafür wurde eine Infektionsstation mit 30 Betten eingerichtet und die Intensivstation auf 20 Betten ausgebaut. Insgesamt stehen damit 50 Betten für die Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung. Derzeit würden acht Patienten auf der Intensivstation behandelt, sagte Ghotbi.

Am Dienstag seien dann plötzlich auf zwei anderen Stationen 14 Patienten positiv auf das Virus getestet worden, erklärte der Chefarzt. Demnach handelte es sich überwiegend um ältere Patienten, die auf der internistischen Station und auf einer gemischten Station für Unfallchirurgie und Geriatrie lagen. Darüber setzte die Klinikleitung am Mittwoch das Gesundheitsreferat der Stadt in Kenntnis. In Abstimmung mit diesem sei dann die Entscheidung gefallen, den Alltagsbetrieb des Krankenhauses vorerst einzustellen.

Vorsorglich wurden nun alle der aktuell 238 Patienten sowie alle rund 950 Beschäftigten der Klinik auf das Coronavirus getestet, die Ergebnisse sollen am Freitag vorliegen. Die Testreihe soll auch Klarheit darüber verschaffen, wie das Virus in die betroffenen Klinikbereiche gelangte. Darüber könne man derzeit noch keine Angaben machen, sagte Ghotbi: "Dafür brauchen wir weitere Erkenntnisse über die Infektionsketten."

Ob sich das Virus aus der Infektionsstation auf die anderen Abteilungen ausgebreitet habe, oder ob Patienten in diesen Stationen bereits zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme infiziert waren, könne er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Die Übertragungswege seien kompliziert: "Ein Patient, der bei der Aufnahme noch keine Symptome zeigt, kann zwei Tage später schon erkrankt sein". Mitarbeiter, die in Risikogebieten waren, seien nicht zur Arbeit gekommen.

Über das weitere Vorgehen stimmt sich die Klinikleitung eng mit dem städtischen Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) ab, die Behörde entscheidet letztendlich auch, wann die in der Helios Klinik verbliebenen Patienten entlassen werden können.

Um einer Ausbreitung innerhalb des Krankenhauses entgegenzuwirken, werden nun zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen: So werden die Patienten wenn möglich auf Einzelzimmer verlegt oder nur zu zweit untergebracht, wenn sie sich bereits bisher ein Zimmer geteilt haben.

Alle 950 Beschäftigten des Klinikums seien zudem angewiesen, sich außerhalb der Arbeitszeit in häusliche Quarantäne zu begeben und im öffentlichen Raum Masken zu tragen.

Das Helios Klinikum München West trägt mit einer zentralen Notaufnahme und 20 weiteren Fachabteilungen und Sektionen einen Teil der Schwerpunktversorgung in der Landeshauptstadt und den angrenzenden Landkreisen.

Mitte März hatte die Klinik damit begonnen, planbare Operationen soweit möglich aufzuschieben, um zusätzliche Kapazitäten für die Behandlung von Notfällen zu schaffen. Aus diesem Grund seien jetzt viele der insgesamt 412 Betten nicht belegt und nur wenige Patienten von dem Aufnahme- und Entlassungsstopp betroffen hieß es. Derzeit würden dort Covid-19-Patienten aller Schweregrade aus der Landeshauptstadt und dem Landkreis versorgt. Bis wann das Krankenhaus geschlossen bleibt, war erst einmal unklar. Das hänge von den Entwicklungen der kommenden Tage ab.

Die 86 Helios Kliniken in Deutschland gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius. Gleichzeitig ist das Haus in Pasing akademisches Lehrkrankenhaus der LMU. Im vergangenen Jahr wurden dort 24 000 Patienten stationär und 31 000 ambulant behandelt.

Die Entscheidung darüber, wann die Patienten entlassen werden können, wird in Absprache mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt getroffen. Wann das Klinikum seinen Betrieb wieder aufnehmen kann, hängt nun auch von den Ergebnissen der Test ab: Es müssen genug Intensivmediziner und genug Pflegekräfte gesund sein, um sich um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten.

© SZ.de/dpa/infu
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