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Corona-Pandemie:Die Polizei ist zufrieden - trotz voller Wiesen

Schmuckfoto München Zentrum

Trubel am Wochenende: An der Isar zwischen Reichenbachbrücke und Wittelsbacherbrücke war trotz den Ausgangsbeschränkungen einiges los.

(Foto: Florian Peljak)

Mehr als 1600 Anzeigen haben Münchens Beamte ausgestellt - fast immer, weil gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen wurde.

Die Jugendlichen sind ein gutes Vorbild in der Corona-Krise: Zumindest machen sie der Münchner Polizei kaum Arbeit. Verstöße gegen die seit zehn Tagen geltenden und am Montag verlängerten Ausgangsbeschränkungen gebe es in der Altersgruppe unter 20 kaum, bilanziert die Polizei. 1642 Anzeigen haben die Beamten des Münchner Polizeipräsidiums bisher ausgestellt, fast immer, weil gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen wurde. Fast 800 Anzeigen gab es allein am Wochenende.

Dennoch ist man seitens der Polizei ganz zufrieden. Es hätte schlimmer kommen können, ist nach dem Wochenende der Tenor. Feiernde Gruppen in den Parks, Massenandrang an den Seen, Volkswandertage in den Bergen - all das schien vor dem Wochenende zumindest denkbar zu sein.

Die Polizei reagierte und erklärte auf allen ihr zur Verfügung stehenden Kanälen: Zu Hause bleiben ist die Regel - für alles andere braucht's einen triftigen Grund.

In den sozialen Netzwerken wurden daraufhin sofort die Stimmen derer laut, die partout nicht einsehen wollen, warum Spazierengehen erlaubt, Sonnenbaden aber verboten sein soll. Und was das Joggen um den Häuserblock vom Erklimmen des Jochbergs unterscheidet. Von jeweils individuellen Rechten und Freiheiten war dann oft die Rede. Die Polizei indes befürchtete die "Multiplikationswirkung", die die erste Familie, die sich auf einer Wiese niederlässt, rasch entfalten kann. Und dann wird es schnell schwierig, den geforderten Mindestabstand einzuhalten oder Grüppchenbildung zu vermeiden.

"An manchen Plätzen sah das schon nach viel aus", räumte Polizeisprecher Marcus Da Gloria Martins ein. Meist sei jedoch der Mindestabstand eingehalten worden, auch verbotene Treffen mit Personen, die nicht zum eigenen Hausstand gehören, waren eher die Ausnahme als die Regel. Besonders viel los war am Isar-Ufer in München und in den großen Parks. Auch aus der Aubinger Lohe im Münchner Westen wurde von vollen Parkplätzen und Spazierwegen berichtet. Das waren dann wohl diejenigen, die abweichend von den üblichen Münchner Gebräuchen diesmal nicht in die Hausberge aufbrachen.

Dort war indes immer noch genug los, wenn auch nicht so viel wie an normalen Wochenenden. Je näher ein Ausflugsgebiet an München liegt, desto mehr Betrieb registrierte das fürs Oberland zuständige Polizeipräsidium Rosenheim. Chiemgau, Tegernseer Tal, Kochel- und Walchensee, Werdenfelser Land waren dann teilweise doch so stark frequentiert, dass Robert Kopp, Polizeipräsident für Oberbayern Süd, am Montag bilanziert: "Die Ernsthaftigkeit der Situation haben leider noch immer nicht alle erkannt. Gegen diejenigen, die durch ihr unvernünftiges und uneinsichtiges Verhalten die Gesundheit und das Leben anderer riskieren, werden wir weiter konsequent vorgehen." Bilder von vollen Parkplätzen an der Kesselbergstraße - dort beginnt der Aufstieg zum Jochberg - unterstreichen das.

Die kontrollierenden Beamten seien jedoch auf weit mehr Zustimmung als auf Kritik gestoßen, berichtet Werner Kraus von der Pressestelle des Polizeipräsidiums München. "Buhmänner sind nicht wir, sondern die anderen - die sich nicht an Regeln halten." Rund 200 zusätzliche Polizisten hat das Münchner Präsidium jeden Tag neben den üblichen Streifen im Einsatz. Diese Schwerpunktkräfte würden vor allem proaktiv tätig. Das heißt, sie schauen auch ohne Hinweis aus der Bevölkerung an bestimmten Hotspots nach dem Rechten. So kommt die Münchner Polizei in zehn Tagen bereits auf 57 000 Kontrollen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Dass nicht nur eine landschaftlich reizvolle Umgebung zu Verstößen inspiriert, erleben die Polizisten immer wieder an Tankstellen. Manche wollen offenbar dort gleich nach dem Einkauf das Erworbene konsumieren, am liebsten in Gesellschaft. So wie am Sonntagnachmittag an einer Jet-Tankstelle in Milbertshofen gleich neun Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren, die trotz Aufforderung des Tankwarts einfach nicht gehen wollten. Die Polizei zeigte alle neun an. Ebenso wie zwei Männer, die zusammen mit der vierjährigen Tochter des einen Beteiligten im Biotop Bergl bei Oberschleißheim zusammensaßen und sogar ein Zelt als Nässeschutz für das Kind aufgebaut hatten. "Leider ist dies aber kein triftiger Grund im Sinne der Ausgangsbeschränkung", urteilt die Polizei.

© SZ vom 31.03.2020

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