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Kreativ in der Krise:Digitale Geräte für alle

Svenja Kock (links) und Antonia Simon von M-net sammeln gebrauchte Laptops und iPads für bedürftige Senioren.

(Foto: Catherina Hess)

M-net sammelt gebrauchte Tablets und Smartphones

Was ist nicht schon alles über die Chancen in dieser Krise geschrieben worden. Die Digitalisierung wird da zum Beispiel gerne angeführt, von der sich manche erhoffen, sie könnte durch Homeschooling und Home-Office schneller vorangetrieben werden als bisher. Deutschland hinkt da ja seit Jahren hinterher, und wie so oft bekommen dies in schwierigen Zeiten jene zu spüren, die es schon davor nicht leicht hatten: etwa Schüler, die im Unterricht sowieso schon hinterher hingen und jetzt vielleicht nicht einmal einen Computerzugang haben, um an den virtuellen Mathe- oder Deutschstunden teilzunehmen. Oder Senioren, die kein Smartphone besitzen, ihre Kinder und Enkel aber trotz Kontaktsperre gerne sehen möchten - und sei es nur am Bildschirm. Technik gegen die Einsamkeit.

Um jene Menschen auch an der digitalen Kommunikation teilhaben zu lassen, hat man sich beim Münchner Telekommunikationsunternehmen M-net eine Spendenaktion überlegt: Wer Tablets oder Smartphones zu Hause hat, die noch funktionieren, aber nicht mehr gebraucht werden, kann diese noch bis zum 8. Mai per Post an das Mediencenter 50plus in der Rottmannstraße 7 a schicken oder sie werktags zwischen neun und zwölf Uhr persönlich vorbeibringen - selbstverständlich unter den nötigen Schutzmaßnahmen. Die Geräte werden dann aufgemöbelt, alle Daten gelöscht und an diejenigen weitergegeben, die ein mobiles Endgerät benötigen. "Wir wollen auch den Menschen die Chance geben, sich miteinander zu vernetzen, die sonst außen vor wären", sagt Svenja Kock, die bei M-net im Sponsoring arbeitet und die Aktion gemeinsam mit ihrer Kollegin Antonia Simon ins Leben gerufen hat.

Damit die Geräte auch zu denen gelangen, die sie benötigen, kooperiert M-net für die Ausgabe mit Sozialverbänden wie dem Kreisverband München des Bayerischen Roten Kreuzes oder den Alten- und Servicezentren in der Stadt. So sollen Interessenten von der Aktion erfahren, gleichzeitig wird sichergestellt, dass niemand ein Gerät abgreift, der es nicht dringend benötigt. Die Einrichtungen wüssten, "wo die Spenden am dringendsten gebraucht werden", erklärt Antonia Simon. In normalen Zeiten führen sie und Svenja Kock auch Schulungen mit Senioren durch, um ihnen die Bedienung der Geräte zu erklären und auf Gefahren im Internet hinzuweisen. Während der Corona-Krise ist auch das nur kontaktlos möglich, zusätzlich zu den gespendeten Smartphones und Tablets gibt es für die neuen Nutzer auch eine Anleitung zum Umgang mit den Geräten. Erst einmal aber sollen so viele Menschen wie möglich ausgestattet werden. Und vielleicht ist das ja einer dieser vielen kleinen Schritte, die das Land schneller digital werden lassen und dabei jene mitnehmen, die sonst vergessen worden wären.

Kreativ in der Krise: Die SZ stellt jeden Tag eine neue Idee vor, die das Leben in Corona-Zeiten erleichtern soll.

© SZ vom 02.05.2020

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