bedeckt München 24°

Corona-Maßnahmen in München:Es droht Schlimmeres als ein Alkoholverbot

Die Polizei ist seit Längerem verstärkt am Gärtnerplatz präsent, wie auf diesem Foto im Juni 2020.

Die Polizei hat den Gärtnerplatz schon des Öfteren wegen der Missachtung von Abstandsregeln geräumt, es gab insgesamt 16 solcher Einsätze.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Corona-Zahlen steigen bedrohlich. Dass viel zu viele Menschen schon wieder viel zu leichtsinnig sind, spielt dabei eine Rolle. Ein temporäres Verbot könnte deshalb sinnvoll sein.

Kommentar von Franz Kotteder

Schon wahr: Von Bier und Wein bekommt man eigentlich kein Corona. Aber wo sich viele Menschen versammeln, fließt hierzulande nun mal häufig Alkohol. Und wenn es keinen gibt, kommen auch nicht so viele. Insofern ist es sicher richtig, was der runde Tisch im Münchner Rathaus vorschlägt. Viele Anwohner des Gärtnerplatzes ärgern sich seit Jahren darüber, dass das Rondell zur Feierzone geworden ist, mit all den weniger schönen Auswirkungen, mit denen man nun einmal rechnen muss, wenn man in das Herz einer Großstadt zieht - letztlich ist das in der derzeitigen Situation aber nur ein Nebenaspekt.

Viel wichtiger ist, dass viel zu viele Menschen schon wieder viel zu leichtsinnig sind. Oder offenbar den Unsinn glauben, diese Pandemie sei halt doch nur eine bessere Grippe. Manche finden, dass die Abstandsregeln, die Maskenpflicht und die Einschränkungen für Versammlungen sehr übertrieben waren, denn schließlich ging es ja die vergangenen Wochen so einigermaßen.

Dass dem nicht so ist, sieht man aber nun: Lockerungen bedeuten natürlich auch, dass die Infektionszahlen wieder steigen. Wie schnell sie wieder wachsen, zeigt zugleich aber auch, dass man mit Großzügigkeit hier nicht weiterkommt.

Die Frage ist aber, ob die angekündigten neuen Maßnahmen wirklich genügen? Es werden sich nun weniger Menschen im Freien treffen, an Orten, wo sich Abstände nicht so vergleichsweise leicht kontrollieren lassen wie in Lokalen oder Biergärten (sonst hätte man ja auch dort ein Alkoholverbot verhängen müssen). In dieser besonderen Situation wird das auch für die Unverständigen mal zu verkraften sein, im Herbst wird's draußen ohnehin langsam ungemütlich.

Ob es aber besser ist, wenn man sich zu Familienfeiern in großem Rahmen drinnen trifft, weil es erlaubt ist? Oder Fußball in der Kneipe schaut statt im Stadion, Zehnertisch an Zehnertisch? Demnächst geht die Schule wieder los. Das ist zweifellos ein weiterer Unsicherheitsfaktor, zusammen mit vielen Veranstaltungen, die dann zwangsläufig wieder in geschlossenen Räumen stattfinden werden. Gemessen daran, was das bisschen Verzicht auf das sogenannte "Wegbier" heute bedeutet, könnten die dann notwendig werdenden Mittel wirklich grausam sein.

© SZ vom 25.08.2020/infu
Zur SZ-Startseite
Nachtschwärmer am Gärtnerplatz in München, 2020

Kampf gegen Corona-Pandemie
:München führt Alkoholverbot ein - was das konkret bedeutet

Das Verbot gilt in der ganzen Stadt ab 23 Uhr bis 6 Uhr morgens. Was das heißt und wie die Stadt das kontrollieren will - ein Überblick.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB