Winter-Brunch im Bodhi Satt für einen ganzen Tag - und komplett vegan

Jeden Sonntag im Winter gibt es im Bodhi im Münchner Westend ein veganes Büffet, das auch Fleischfressern Spaß machen dürfte.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Das Brunch-Büffet im Bodhi im Westend ist üppig und lecker. Dass keine tierischen Produkte dabei sind, fällt nicht auf - wäre da nicht der Mozzarella.

Von Theresa Parstorfer

Der Mozzarella ist schuld. Er ist der Verräter, der beim Brunch im Bodhi im Münchner Westend daran erinnert: Das hier ist kein normales, das ist ein veganes Frühstücks-Buffet. Von vorne bis hinten. Kein Rührei, kein Käse, keine Pancakes und schon gleich zweimal kein gebratener Speck oder gar so etwas mörderisches wie eine Wurstplatte. Angesichts der üppigen Auswahl fällt das zunächst nicht auf. Wäre da nicht der mit Balsamico-Liniengewirr verzierte Tomaten-Mozzarella-Teller. Denn beim Reinbeißen wird klar: das ist nicht Mozzarella, ... sondern Tofu. So gut der Pseudo-Käse auch schmeckt, (kein bisschen bröckelig bis fade, wie Tofu sonst gerne mal anmutet, sondern mild-würzig bis bissfest), lenkt er das Augenmerk darauf, dass auf den restlichen Tellern im Bodhi kein tierisches Eiweiß vertreten ist.

"Be the change that you want to see in the world", steht auf einer Tafel im großen Gastraum, "Eat Pussy not Animals" auf einem der Flyer zum Mitnehmen. Im Bodhi kommt vegane Philosophie mit teils derbem Humor im urigen Wirtshauscharme daher, unaufgeregt und fernab von kleinen Hipster-Portionen à la Fitnessmoothie und Bowls für die schlanke Linie. Früher war das Bodhi einmal ein Steakhouse, heute sind Schweine und Kühe aber nur noch auf kleinen gerahmten Fotografien an den Wänden zu sehen. Herzhafte Wirtshausklassiker von Rouladen bis Schnitzel Wiener Art - ohne Fleisch, versteht sich - funktionieren im Bodhi abends und mittags ebenso gut wie der Brunch. Der wird allerdings nur im Winter und dann auch nur am Sonntag zwischen zehn und 14 Uhr aufgetischt. Reservieren empfiehlt sich, der Andrang ist groß, unf Winter bedeutet im Bodhi: November bis März, vielleicht auch April, lässt Geschäftsführer Klaus Kuttner wissen.

Bodhi

Winter-Brunch im Westend

Was gibt es da und was kostet es?

Ein Tischlein-Deck-Dich, an dem sich der Gast so oft bedienen kann, wie er möchte. Unerschöpflich scheint das Kontingent an frisch duftenden Semmeln, Brezen und Baguettstücken, Schüsseln voll hausgemachter Erdnussbutter, verschiedener Sorten Hummus, Antipasti-Gemüse und hausgemachter Nutella, so cremig, dass man sie einfach löffeln möchte. Das sollte man aber nicht tun, da die Schokomousse auf einer Etagère drei Meter weiter tatsächlich zum Löffeln gedacht ist.

Wer sich den Bodhi-Brunch leisten will, sollte Hunger für einen ganzen Tag mitbringen. Nicht nur tun dann die 20 Euro pro Person ohne Heißgetränke dem Geldbeutel weniger weh, außerdem macht all-you-can-eat-Brunchen schließlich erst dann so richtig Spaß, wenn man auch wirklich alles probiert. Beim Frühstück hört es im Bodhi außerdem noch lange nicht auf. Neben Müsli, Brot, Aufstrichen und Obstsalat warten zwei wechselnde Hauptgerichte (beispielsweise Curry und Gulasch mit Serviettenknödeln), eine Suppe und mindestens drei verschiedene Nachtische (neben Schoko- auch Mandelmousse, Brownies und Muffins) darauf, auf die Teller geladen zu werden. Enthalten sind im Preis ebenfalls: Wasser, verschiedene Säfte sowie herrlich cremiger Mango-Lassi.

Wer geht da hin?

Die dunklen Holzbänke und Stühle bieten viel Platz für Pärchen, Familien und Freundesrunden, die sich in der staden Winterzeit etwas außergewöhnliches gönnen wollen. Eine Frau am Nebentisch erzählt von den vollen Plätzchentellern, die daheim noch rumstehen. Für Mandelmousse und veganes Gulasch können die das aber noch ein paar Tage länger tun. Die Kellner sind aufmerksam und freundlich. Geschäftsführer Kuttner balanciert selbst Soja-Cappuccinos zu und leere Tellerstapel von den Gästen weg. Und er verrät, wie der Mozzarella so würzig wird: eine Woche in Kräutern einlegen, dann hört der Tofu auf, wie Tofu zu schmecken.