Botanischer Garten Wer Schmetterlinge lachen hört

Schmetterlingausstellungen gibt es im Botanischen Garten immer wieder.

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Die zarten Tiere strahlen oft etwas poetisches aus, im Botanischen Garten ist sogar ein Novalis-Zitat über Schmetterlinge zu lesen. Doch irgendetwas stimmt da nicht.

Glosse von Stefan Simon

Man mag Schmetterlinge für schön halten, harmlos sind sie nicht. Auf Madagaskar lebt eine Art, die sich von den Tränen schlafender Vögel ernährt, was zwar irgendwie romantisch klingt, am Ende aber bedeutet, dass sie den schlafenden Vögeln dazu einen speziell geformten Saugrüssel unter die Lider bohren. Wem das nicht reicht, dem sei ein Standardwerk der Insektenkunde empfohlen, in dem es speziell um Schmetterlinge geht, die im Forst leben. Es heißt, sicher nicht aus Zufall, "Die Waldverderbnis". Und man sagt Schmetterlingen dann ja auch noch nach, ein Schlag ihrer Flügel genüge, um am anderen Ende der Welt eine Katastrophe auszulösen. Das würde einiges erklären.

Höbe man in München ein Loch aus und schaufelte und schaufelte und schaufelte immer weiter, bis zum Erdkern und darüber hinaus, könnte man ganz leicht nachschauen. Dann nämlich käme man bei den Chatham-Inseln heraus. Dort lebt der Rote Admiral, ein Edelfalter. Eine Theorie: Jedes Mal, wenn einer von denen mit den Flügeln schlägt, wird einem hier der Parkplatz vor der Nase weggeschnappt, geht der Flaschenrückgabeautomat im Supermarkt kaputt, klingelt in der Oper ein Handy, gibt es eine Signal-, Weichen- oder Fahrzeugstörung bei der S-Bahn. Warum der Botanische Garten den hinterhältigen Biestern trotzdem immer wieder Sonderausstellungen widmet, ist ein Rätsel. Die jüngste war mit dem Warnhinweis auf "gefräßige Miniaturdrachen" versehen, immerhin.

Mindestens das Datum stimmt hier nicht.

(Foto: Stefan Simon)

Schmetterlinge sind nicht nur böse, darauf weist der Botanische Garten in einem Info-Pavillon hin: "Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken", steht auf einer Tafel. Ein Zitat, so regenbogentraumhaftschön, dass man den Faltern alles verzeihen möchte - und das auch fast getan hätte. "Novalis (1772 - 1801)" wird als Quelle genannt, der große Frühromantiker, dessen Werke von Wagner und Schubert vertont wurden; der große Dichter, der den an Tuberkulose erkrankten Friedrich Schiller pflegte, sich wohl ansteckte und starb; der große Denker, der ... mit diesem Zitat nur leider gar nichts zu tun hat. Novalis ist zwar richtig, nur war es eine Rockband, die sich nach ihm benannt hat, die den Text geschrieben hat. Ein zufälliger Fehler? Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, dass sie nicht harmlos sind.

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