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"Blauer Bock":Schnörkellos schlemmen

Die bewusst sparsame Dekoration soll die Konzentration des Gastes auf das Gegenüber, das Essen und den Wein lenken.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Einfachheit verpflichtet: Der "Blaue Bock" bietet seinen Gästen unprätentiös höchste Qualität. Wer nicht allzu sehr auf sein Portemonnaie achten muss, ist hier richtig.

Hans-Jörg Bachmeier begreift es als höhere Fügung, dass er mit seinem "Blauen Bock" in unmittelbarer Nachbarschaft zum Viktualienmarkt residiert. Denn die Parallelen zwischen der Edel-Einkehr gleich gegenüber von der Schrannenhalle und Münchens berühmtem Schlemmerfundus sind mehr als augenfällig: An beiden Adressen wird hohe Qualität möglichst schnörkellos dargereicht. Bei aller Nonchalance gilt freilich hier wie dort: Hohe Güte geht auf's Portemonnaie. Der Blaue Bock darf zu jenen Gourmettempeln der Stadt gezählt werden, die sich höchsten Ansprüchen verpflichtet fühlen - und das hat eben seinen Preis.

Seine Philosophie beschreibt der Witzigmann-Schüler Bachmeier als "das Streben nach Einfachheit" - die spartanische Inneneinrichtung des "Blauen Bocks" gehört also zum Prinzip des Restaurants. Fest installierte Jalousien aus Weidenholz lassen auch am Tag wenig Licht in den Gastraum, dessen Kargheit bei allzu viel Helligkeit überdeutlich würde: "Wir haben hier bewusst sehr wenig Dekoration - die Konzentration soll auf das Gegenüber, das Essen und den Wein gelenkt werden", erklärt Bachmeier.

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Tafeln im Blauen Bock

Dezente Form der Gemütlichkeit

Trotz der knappen Ausstaffierung kommt in dem Restaurant allerdings eine dezente Form der Gemütlichkeit auf. Punktuelle Lichtspots bringen die beige abgedeckten Tische und die roten Samtsessel mit dem angestrebten Understatement zur Geltung.

Einfach und übersichtlich ist auch die Speisenkarte des "Lokals" - sie besteht aus genau zwei Seiten. Auf dem Aufschlagblatt wird von Montag bis Freitag stets ein vier- oder fünfgängiges Menü (54 beziehungsweise 63 Euro) angeboten, während auf der zweiten Seite prinzipiell vier Vorspeisen, zwei bis drei Zwischengerichte, vier bis fünf Hauptgerichte sowie vier Desserts zu finden sind. Am Samstag beschränkt sich der Blaue Bock auf ein vier- bis siebengängiges Menü (54 bis 86 Euro).

Die Qual der Wahl ist also nicht sehr groß und wir entschieden uns zum Entrée für ein "Parfait Foie Gras" (24 Euro) sowie einen "Salat Niçoise" (17 Euro). Zwei Klassiker also, die im "Blauen Bock" aber kreativ umgesetzt wurden.

Ein kühner Salat Niçoise

Die feine Gänsestopfleber war mit wunderbar krossem Pumpernickelbrot ummantelt und korrespondierte aufs Köstlichste mit gerösteteten Pistazien und einem zart vanilligen Rhabarber.

Bei der Komposition des Salat Niçoise geriet die Kreativität des Küchenchefs allerdings schon fast zur Kühnheit: Farblich sehr schön abgestimmt lagen da zwei marinierte Scheiben rohroten Thunfischs neben dem gelb-leuchtenden Dotter eines "konfierten" Eis, einer grünen "Oliventapenade", sowie zwei jeweils kleinen Häufchen Kartoffeln und Bohnen.

Rein von seinen Ingridienzien her also ein traditioneller Salat Niçoise, der gleichwohl so gar nichts Konformistisches an sich hatte. Denn selbst für den experimentierfreudigen Esser prallten die Zutaten bei dieser Rohkost-Variante etwas unvermittelt aufeinander: Die naturgemäß aufdringliche Oliventapenade erschlug den zarten Geschmack des Thunfischs und auch das roh erscheinende Ei wollte nicht so recht in die Geschmackskomposition passen.

Bachmeier ist gleichwohl stolz auf seine "Eigen-Kreation", deren Clou wohl im "konfierten" Ei liegt: Bei genau 60 Grad Celsius gegart, gerinnt das Eiweis und legt sich hauchdünn um den Dotter - das Ei bleibt also komplett. Ein Gag, der den geschmacklichen Purismus nicht ganz aufwog.