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Bayernkaserne:Masern-Ausbruch verschärft Lage der Flüchtlinge

Flüchtilingsunterkunft in München

In der Bayernkaserne leben Flüchtlinge auf engstem Raum.

(Foto: dpa)

"Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Schwangeren da raus bekommen": Der Masern-Ausbruch in der Bayernkaserne bedroht werdende Mütter. Ob sich weitere Flüchtlinge in München angesteckt haben, ist noch unklar.

Von Thomas Schmidt und Sven Loerzer

Die Aufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber im Freistaat sind ohnehin schon überfüllt, nun verschärft der Masern-Ausbruch in der Münchner Bayernkaserne die angespannte Situation zusätzlich. Am Freitagabend gab das städtische Gesundheitsreferat einen 18-tägigen Aufnahme- und Verlegungsstopp bekannt, weil bei drei Bewohnern die ansteckende Krankheit diagnostiziert worden war. "Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Schwangeren da raus bekommen", sagte ein Mitarbeiter der Inneren Mission am Sonntag zur Süddeutschen Zeitung.

Bei einer Masern-Infektion drohen Schwangeren und Neugeborenen schwere Komplikationen, das Risiko von Früh- und Totgeburten ist deutlich erhöht. Nach Angaben der Inneren Mission wird man nun versuchen, die Schwangeren zu verlegen - möglicherweise in spezielle Zimmer auf dem Kasernenareal.

Ob sich bereits weitere Flüchtlinge mit Masern infiziert haben, ist unklar. Der typische Ausschlag ist meist erst am dritten bis siebten Tag nach der Erkrankung sichtbar, Betroffene sind aber schon vor Auftreten der Symptome ansteckend. Für die Bayernkaserne besteht derzeit zwar ein Verlegungsstopp, aber keine Quarantäne. Die Asylsuchenden dürfen sich auch außerhalb des Geländes frei bewegen. Eine Gefahr für die Münchner Bevölkerung bestehe aber nicht, betont die Stadt.

Innere Mission will Wachpersonal mit Thermometern ausstatten

Neue Flüchtlinge dürfen in der Kaserne vorerst aber nicht mehr aufgenommen werden. Das sei ein "logistisches Problem", heißt es bei der Inneren Mission. Viele Asylsuchende würden jetzt vermutlich nach Zirndorf gebracht. Die dortige Aufnahmeeinrichtung ist aber schon jetzt hoffnungslos überfüllt. Ausgelegt ist sie für 650 Flüchtlinge, aktuell leben dort etwa 1100 Menschen. "Man wird wohl wieder Zelte aufstellen müssen", heißt es bei der Inneren Mission. Möglich sei auch, Flüchtlinge in andere Bundesländer zu verteilen, "von Eisenhüttenstadt bis Hamburg ist alles denkbar".

Noch bevor die Masern-Fälle am Freitagabend bekannt wurden, hatte die Innere Mission einen Brief an die Regierung von Oberbayern verschickt mit der Bitte, das Wachpersonal in der Kaserne mit digitalen Thermometern auszustatten. So könne man bei fiebrigen Bewohnern rascher reagieren und einen Arzt einschalten. Der Mitarbeiter der Inneren Mission plädiert auch dafür, die Flüchtlinge bei der obligatorischen Gesundheitsuntersuchung "komplett durchzuimpfen". Das sei "zum Wohle der Patienten und derer, die dort arbeiten".

Die Gesundheitsvorsorge bei Flüchtlingen beschäftigt derzeit ohnehin die Politik in Bayern, debattiert wird aber nicht über Impfungen, sondern über die umstrittene Wiedereinführung der Blutuntersuchung auf HIV und Hepatitis B. Die Experten im städtischen Gesundheitsreferat halten den Zwangstest weder für erforderlich noch für sinnvoll, zumal aufgrund der Verbreitungswege - anders als bei Tuberkulose - eine Gefährdung anderer Bewohner nicht zu befürchten sei. Außer in Bayern finde die Blutuntersuchung bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen in keinem anderen Bundesland mehr statt, heißt es im Gesundheitsreferat, das deshalb noch einmal das Gespräch mit dem Gesundheitsministerium suchen will.

Gemäß einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation dürfte eine HIV-Untersuchung nur mit "informiertem Einverständnis" des Betroffenen vorgenommen werden. Dazu müssten sie eine Beratung erhalten. Flüchtlinge, bei denen nach der Ankunft Blut abgenommen wird, würden über den Zweck aber nicht informiert. Falle der Test positiv aus, würde der Betroffene, wenn er bereits in eine andere Unterkunft außerhalb Münchens verlegt worden ist, dann dort von einer "mit Gesundheitswesen befassten Stelle" über sein Ergebnis informiert. Dieses Vorgehen stehe im Widerspruch zu ärztlicher Schweigepflicht und Datenschutz.

Die Grünen im Münchner Stadtrat sind der Ansicht, dass sich eine Vorabberatung zum freiwilligen HIV-Test durchaus organisieren lasse. Dazu müsse das Ministerium nur das Gespräch mit der Münchner Aidshilfe suchen, die bereits über viele ausgebildete Kräfte mit verschiedenen Sprachkompetenzen verfüge.

Zudem wollen die Grünen mit einer Anfrage klären, ob tatsächlich die Landkreise die Tests zur Voraussetzung für die Aufnahme von Flüchtlingen gemacht haben. Auskunft verlangen die Grünen-Stadträte Jutta Koller, Gülseren Demirel, Dominik Krause und Oswald Utz außerdem darüber, was mit Flüchtlingen geschehe, deren Testergebnisse positiv seien, wie sie darüber informiert und im Anschluss daran beraten werden.

© SZ vom 25.08.2014/tba

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