Literatur & Malerei:Die Kunst der Kreise

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Literatur & Malerei: Naturverbunden: In der Villa Dessauer sind ausgewählte Bilder der 2017 gestorbenen Berliner Künstlerin Irene Wedell zu sehen.

Naturverbunden: In der Villa Dessauer sind ausgewählte Bilder der 2017 gestorbenen Berliner Künstlerin Irene Wedell zu sehen.

(Foto: IW Nachlass/UTMT Gallery)

Eine Ausstellung in Bamberg zeigt Werke von Irene Wedell, jener Künstlerin, die den Schriftsteller Martin Beyer zu seinem jüngsten Roman inspiriert hat.

Von Bernhard Blöchl, Bamberg

Kunst inspiriert Literatur inspiriert Kunst. Diesen schönen Kreis schließt der Schriftsteller Martin Beyer. Für seinen jüngsten Roman "Tante Helene und das Buch der Kreise" hat sich der Bamberger vom Leben der Malerin Irene Wedell anregen lassen. Er hat aus der Biografie einer weitgehend unbekannten, aber außergewöhnlichen Frau eine sich über mehrere Generationen erstreckende Familiengeschichte geformt, eine Geschichte über eine adoptierte Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer künstlerischen Ausdruckskraft. "Mir wurde diese Geschichte geschenkt", erzählt Beyer dankbar, der sich mit der Berliner Buchkünstlerin und Modeschöpferin getroffen hatte, bevor sie Ende 2017 gestorben ist. Nun gibt es zu dem im Januar 2022 erschienenen Roman eine kleine Ausstellung mit Werken von Wedell.

Literatur & Malerei: Martin Beyer, Jahrgang 1976, lebt als Schriftsteller und Literaturvermittler in Bamberg.

Martin Beyer, Jahrgang 1976, lebt als Schriftsteller und Literaturvermittler in Bamberg.

(Foto: Marian Lenhard)

In der Stadtgalerie Bamberg in der Villa Dessauer sind unter dem Titel "folge mir | follow me" Gemälde, Collagen und Unikatbücher der Künstlerin, Jahrgang 1939, zu sehen. Themen wie Emanzipation, Kreisläufe von Leben und Tod, Suche nach Spiritualität und Sehnsucht nach Zugehörigkeit kommen darin zum Ausdruck. Mal intim, mal lichtintensiv, immer der Natur und dem Menschen verbunden. In den Collagen kombinierte sie Farbe und Pinselstriche mit Naturelementen auf handgemachtem, selbst geschöpftem Papier. In den Gemälden sind florale Motive, aber auch der weibliche Körper zu sehen. Wedell war auch eine Sammlerin. Zum Beispiel von Texten von Schwestern und Brüdern im Geiste, Else Lasker-Schüler, Sarah Kirsch, Paul Celan, die sie in ihre Kunstwerke integriert hat. "Die Werke repräsentieren das Leben einer Persönlichkeit, die trotz aller Widrigkeiten, denen sie sich ausgesetzt sah, überlebt hat - allein, stark und kreativ", sagt Mini Kapur, Gründerin der Galerie Under the Mango Tree, die die Ausstellung gemeinsam mit dem Bamberger Kunstverein und Martin Beyer möglich macht.

Literatur & Malerei: Die Berliner Künstlerin Irene Wedell ist 2017 gestorben. Davor hat sie dem Schriftsteller Martin Beyer ihren spannenden Lebenslauf erzählt.

Die Berliner Künstlerin Irene Wedell ist 2017 gestorben. Davor hat sie dem Schriftsteller Martin Beyer ihren spannenden Lebenslauf erzählt.

(Foto: IW Nachlass/UTMT Gallery)

Der Dialog von Roman und Kunstwerken ist für Martin Beyer erneut ein Geschenk, wie er sagt. "Damit schließt sich für mich ein Kreis, der sich bei meiner ersten Begegnung mit Irene geöffnet hat." In seinem Roman wurde aus Irene Wedell die titelgebende Helene Klasing. Beyer, Jahrgang 1976, lehnt seine literarische Figur stark an Wedell an, gleichzeitig zieht er dramaturgische Kraft aus der Fiktion. Vernissage ist am Freitag, 2. Dezember, 19 Uhr. Zum Abschluss am Sonntag, 11. Dezember, 17 Uhr, liest der Schriftsteller aus dem Roman.

Irene Wedell: "folge mir | follow me", Kunstwerke im Dialog mit einem Roman, Sa./So., 3./4. Dez., sowie Do., 8., bis So., 11. Dez., jew. 12-18 Uhr, Villa Dessauer, Bamberg

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