Theater:Reisen mit dem Dichter

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Theater: Diesmal ist beim Brechtfestival auch eine Ausstellung zu sehen, unter anderen mit "Bertolt Brechts Papierkrieg. Exil in Amerika (1941 - 1947)" von Grischa Meyer und Holger Teschke mit Zeichnungen von Gerhard Oschatz.

Diesmal ist beim Brechtfestival auch eine Ausstellung zu sehen, unter anderen mit "Bertolt Brechts Papierkrieg. Exil in Amerika (1941 - 1947)" von Grischa Meyer und Holger Teschke mit Zeichnungen von Gerhard Oschatz.

(Foto: Gerhard Oschatz)

Das Augsburger Brechtfestival steht dieses Jahr unter dem Motto "Worldwide Brecht". Gar nicht so einfach, wenn die Welt eigentlich daheim bleiben soll.

Von Yvonne Poppek, Augsburg

Anfang Januar klangen Jürgen Kuttner und Tom Kühnel noch etwas zaghaft. Zu unwägbar schien ihnen, was von ihren Plänen zum Augsburger Brechtfestival - der dritten Ausgabe, die sie gemeinsam kuratieren - in der Pandemie übrig bleiben würde. "Sie werden sehen, die Absichten waren gut", sagte Kuttner damals scherzend. Nun, einen Monat später, kurz vor Beginn des Festivals, ist klar: Nicht alles kann, wie gehofft, über die Bühne gehen. Aber vor allzu großen Umbauten ist das Programm bislang verschont geblieben. Am Freitag, 18. Februar, beginnt das zehntägige Brechtfestival unter dem Motto "Worldwide Brecht".

Das klingt an sich schon gewagt. Wie soll das zuverlässig funktionieren - Reisen in Zeiten von Corona? Kuttner und Kühnel haben deshalb - mit Blick auf die reine Digitalausgabe 2021 - ein hybrides Programm erstellt, teils sind die Produktionen live zu sehen, manchmal verbunden mit einem Livestream. Teils sind es rein digitale Formate. Dabei haben sie sich den Rückgriff auf den Fundus aus den Digitalproduktionen des Vorjahres erlaubt. Brecht-Filme von beispielsweise Meret Becker, Stefanie Reinsperger, Charly Hübner und Lina Beckmann werden so noch einmal online zu sehen sein, tolle, sehr unterschiedliche Produktionen. Auch die großartigen kurzen Videos der Puppenspielerin Suse Wächter "Helden des 20. Jahrhunderts singen Brecht" tauchen noch einmal auf.

Aber natürlich ist der überwiegende Teil neu. So wird das Festival mit einem Theaterabend von Kühnel und Kuttner mit Texten von Thomas Brasch auf der Brechtbühne im Gaswerk eröffnet. Unter dem Titel "Morgen wird auch ein schöner Tag, sagt die Eintagsfliege" hat das Duo Texte des Autors montiert, der für sie in geistiger Nachfolge Bert Brechts steht. Filme von und über Thomas Brasch und eine Lesung von Marion Brasch ergänzen den kleinen Schwerpunkt. Am zweiten Festivaltag wird die Umsetzung des Mottos sichtbar: Gitarristin Nora Buschmann und Schauspieler Alex Brendemühl widmen sich dem Thema Exil, ein Thema, das sie selbst, aber auch Brecht biografisch geprägt hat.

Theater: Corinna Harfouch ist wieder mit dabei in Augsburg, diesmal liest sie Gedichte, die Brecht übersetzt hat.

Corinna Harfouch ist wieder mit dabei in Augsburg, diesmal liest sie Gedichte, die Brecht übersetzt hat.

(Foto: Brechtfestival)

Ein Gast auf allen drei Festivals von Kuttner und Kühnel wird Corinna Harfouch gewesen sein. Die Schauspielerin liest diesmal Gedichte vor, die Brecht übersetzt hat. Ein neues Format probiert das Leitungsduo mit einer Ausstellung der Künstler Zoe Beloff, Grischa Meyer und Holger Teschke sowie Emine Sevgi Özdamar aus, die im Textilmuseum gezeigt wird. Die internationalen Beiträge aus Belarus oder Togo - Auseinandersetzungen mit Brechts Theatertexten - werden live zu sehen sein. Andere sind Online-Formate, etwa aus Israel oder Peking. Zusätzlich gibt es auch ein Konzertprogramm, unter anderen mit Mascha Qrella, Kid be Kid, Gaye Su Akyol und Odyaye. Auch die jungen Augsburger Theatergruppen fehlen nicht mit ihren Produktionen: Bluespots Productions zeigen "Live. In a limbo", das Theater Ensemble "Die Judith von Shimoda". Die Absichten - soweit man das sehen kann - waren gut.

Brechtfestival Augsburg, Freitag, 18. bis Sonntag, 27. Februar

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