Anschlag in München Vater: David S. "war kein Nazi"

Neun Menschen starben am 22. Juli 2016. Bis heute debattiert man über die einordnung der Tat.

(Foto: Johannes Simon)
  • Mit dem Bundesamt für Justiz hat vor kurzem erstmals eine Behörde den Anschlag vom Münchner Olympia-Einkaufszentrum als rechtsextremistisch eingestuft.
  • Der Vater des OEZ-Attentäters äußert sich nun und sagt, sein Sohn sei kein Nazi gewesen.
  • Bis heute wird über die richtige Einordnung der Tat debattiert: War es ein Amoklauf oder eine politisch motivierte Tat?
Von Thomas Schmidt

Der Vater des Attentäters vom Olympia-Einkaufszentrum hat sich erstmals öffentlich zur politischen Gesinnung seines toten Sohns geäußert. David S., der am 22. Juli 2016 neun Menschen erschoss und anschließend sich selbst tötete, habe "unendliches Leid ausgelöst", aber er "war kein Nazi", sagte der 47-jährige Masoud S. zur Bild-Zeitung.

Bis heute wird über die richtige Einordnung der Bluttat gestritten, vor Kurzem stufte das Bundesamt für Justiz den Anschlag offiziell als rechtsextremistisch motiviert ein. Diese Entscheidung habe ihn dazu bewogen, Kontakt mit der Bild aufzunehmen, berichtet die Zeitung.

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Masoud S. wird weiter zitiert, er fühle mit den Opfer-Familien, "aber auch unsere Familie hat die Tat kaputtgemacht. Es gab Morddrohungen, unser Leben war schlagartig zu Ende". Sein Sohn habe nur deswegen einen Hass auf Migranten entwickelt, weil er jahrelang von ihnen gemobbt worden sei.

Weiter beklagt der 47-Jährige in der Bild, dass die Mobber und Lehrer nie zur Verantwortung gezogen worden seien. Irgendwann wolle er die Opfer-Familien treffen, "um mit ihnen zusammen zu weinen".

Dass David S. rechtsextreme Ansichten hatte, gilt indes als unstrittig. Alle seine Opfer stammten aus Einwandererfamilien, er bewunderte den Rechtsterroristen Anders Breivik und in einem Manifest schrieb er über "ausländische Untermenschen", die er exekutieren wolle.

Während einer Therapie zeigte er den Hitler-Gruß, kritzelte Hakenkreuze in seinen Block und rief "Sieg Heil". Welche Rolle sein Fanatismus für die Tat spielte, ist jedoch bis heute Gegenstand von Debatten.

Das Landesamt für Verfassungsschutz beschrieb David S. als "psychisch kranken Rächer", er sei aber kein "terroristischer Kämpfer" gewesen. Drei Gutachter im Auftrag der Stadt gelangten hingegen zu dem Ergebnis, dass die Tat als politisch rechts motiviert zu werten sei. Dies hat nun auch das Bundesamt für Justiz bestätigt.

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