Kritik:In höchste Höhen

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Anne-Sophie Mutter setzt bei zeitgenössischer Musik auf Vermittlung - und glänzt in der Isarphilharmonie im Zusammenspiel unter anderem mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott.

Von Rita Argauer, München

Gerade laufen im Bayerischen Nationalmuseum die Münchner Geigentage, Schirmherrin ist Anne-Sophie Mutter. Diese Berührbarkeit ihres Fach trägt sie nun auch mit in ihrem Quartett-Konzert in die Isarphilharmonie. Haydn, Beethoven und Jörg Widmann stehen auf dem Programm. Und da - wie es schon vorher ein Herr im Publikum feststellt - der Widmann ein bisschen schwierig werden könnte, setzt Mutter auf Vermittlung.

Eine "Roadmap" kündigt sie nach der Pause vor Widmanns 6. Streichquartett an. Und Mutter hat Humor, und Widmann ist anwesend. Die beiden lachen darüber, dass ja schon so viele Komponisten Mutter in die höchsten Höhen schickten, aber keiner je so hoch wie Widmann in diesem Quartett. Sagt sie und spielt's, ein glasklares Zirpen. Oder die "eruptiven Akkorde", die immer wieder in das einsätzige Stück "hereinknallen". Man habe zuerst Schwierigkeiten mit dem Stück gehabt, erklärt Mutter, doch mittlerweile hätten sie und ihre Mitstreiter, die beiden Mutter-Stipendiaten Ye-Eun Choi an der zweiten Geige und Bratschist Vladimir Babeshko, sowie Cellist Daniel Müller-Schott, Widmanns Beethoven-Studie lieben gelernt. Und so spielen sie noch ein paar Ausschnitte vor, an denen sich die Hörer dann entlanghangeln können, wenn sie das Stück anschließend im Ganzen hören. Es ist ein Wechselspiel von harmonischen Eindeutigkeiten und musikalischem Brechen. Dramatisch in den Effekten, heilend im Finden und Kitten, wuselnd im Suchen. Höchst akkurat gespielt macht es Widmanns Kampf mit dem Komponisten-Monument Beethoven, den er vor der Aufführung beschrieben hat, spürbar.

Davor gab es mit dem Streichquartett in G-Dur, op. 18, Nr. 2, genau dieses Monument zu hören - mit dem monumentalen Klang Anne-Sophie Mutters, wenn sie Wiener Klassik spielt. Da ist es dann fast egal, ob sie im Quartett oder mit Orchester spielt, den Verve und die sympathische Selbstsicherheit mit der sie ihr Instrument summen lässt, den Bogen schlägt, Rhythmen auskostet, sind da. Haydns Es-Dur-Quartett, op. 20/1 zu Beginn, ist ein sanfter Gegenpol. Mit feiner Dynamik und Lässigkeit klingt es zart, spontan, als hätten sich da eben vier Musiker zusammengesetzt, um ein bisschen zu spielen.

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