Kunst:Die ganz realen Traumwelten der Anna Klüssendorf

Lesezeit: 2 min

Kunst: Der Mensch steht für Anna Klüssendorf im Mittelpunkt. Deshalb malte sie immer schon Porträts.

Der Mensch steht für Anna Klüssendorf im Mittelpunkt. Deshalb malte sie immer schon Porträts.

(Foto: Verena Hägler)

Als es pandemiebedingt plötzlich keine Ausstellungsmöglichkeiten mehr gibt, sucht die Münchner Malerin nach einem Weg, ihre Bilder wieder sichtbar zu machen - und malt sie einfach in ihre Bildräume ein.

Von Evelyn Vogel

Eigentlich steht der Mensch im Mittelpunkt der Münchner Malerin Anna Klüssendorf. Aber auch Tiere und Landschaften tauchen im Schaffen der 1979 in Leipzig geborenen Künstlerin schon früh auf. Bilder wie von Geisterwesen, unwirkliche Landschaften, farblich aufgeladene Figuren, symbolistisch überhöhte Bildwelten. Vor allem in den Jahren nach der Münchner Kunstakademie, wo sie erst bei Nicolaus Lang, dann bei Karin Kneffel studierte - bei ihr legte sie auch ihr Diplom ab -, erschuf sie teils düstere Traumwelten, die sich abwechselten mit ans Kitschige grenzenden Bildern von Tieren und Menschen, Szenerien und Interieurs. Doch zwischen den Einzeldarstellungen von Bambi und Wolf tauchen immer wieder auch Werke voller kunsthistorischer oder medialer Bildzitate auf. Und ähnlich wie Kneffel setzt sie Bilder in Bildräume.

Kunst: In den zurückliegenden zwei Jahren hat Klüssendorf ihre Porträts oft in gemalte Bildräume gesetzt, wie hier beim Nobody-Diptychon von 2022.

In den zurückliegenden zwei Jahren hat Klüssendorf ihre Porträts oft in gemalte Bildräume gesetzt, wie hier beim Nobody-Diptychon von 2022.

(Foto: Verena Hägler)

Diese Vorgehensweise prägt bis heute das Schaffen Klüssendorfs, die aktuell ein Arbeitsstipendium der Konrad Adenauer Stiftung des Else-Heiliger-Fonds hat. Sie malt in Öl, seit zwei Jahren auch in Aquarell. Die in der Kunstgeschichte vielfach praktizierte Bild-in-Bild-Technik ist derzeit ihr vorherrschendes Thema. "Als es während der Corona-Lockdowns keine Ausstellungsmöglichkeiten gab, wollte ich meine Bilder selbst sichtbar machen", erklärt sie ihr verstärktes Interesse daran. Der Hintergrund besteht aus Porträts (bei den Wallpapers), oder es sind Interieurs voller gesellschaftlicher oder medialer Anspielungen, in die hinein sie Porträtbilder mit Rahmen malt - oder auch Rahmen ohne Bilder. Hier tragen die Bilder Titel wie "Hier kann kein Bild von mir hängen" oder "Hier hängt ein Bild von mir". Ironische Selbstzitate der Künstlerin.

Kunst: "Hier kann kein Bild von mir hängen", ein Teil eines Triptychons von Anna Klüssendorf aus dem Jahr 2021.

"Hier kann kein Bild von mir hängen", ein Teil eines Triptychons von Anna Klüssendorf aus dem Jahr 2021.

(Foto: Verena Hägler)
Kunst: Ironisches Selbstzitat: "Hier hängt ein Bild von mir" aus dem Triptychon von Anna Klüssendorf von 2021.

Ironisches Selbstzitat: "Hier hängt ein Bild von mir" aus dem Triptychon von Anna Klüssendorf von 2021.

(Foto: Verena Hägler)

Anna Klüssendorf ist die Tochter der Schriftstellerin Angelika Klüssendorf. Vor Corona habe sie eine "sehr düstere Phase" gehabt, als ihr Vater im Sterben lag. Ihr Sohn, der inzwischen zweieinhalb Jahre alt ist, wurde fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Tod des Vaters geboren. Für Anna Klüssendorf war es wie ein Neuanfang. "Seither habe ich mehr Zeit zum Malen und meine Malweise wurde leichter und bunter", erzählt sie. Auch ihre Porträts, schon immer ein wichtiger Bestandteil ihrer künstlerischen Sprache, sind seither leichter, "ein wenig ironischer", wie sie zu Recht findet.

Klüssendorf übermalt ihre Bilder vielfach. Dennoch erscheinen die Arbeiten in Öl eher transparent, da ist nichts Pastoses, Schweres. Und obwohl sie auch auf Papier schichtig arbeitet, wirken die Aquarelle geradezu flüchtig, sind die Farbverläufe extrem wässrig. "Die Leinwand ist geduldig, das Papier gibt mir eigentlich nur eine Chance." Für sie stellen die kleinformatigen Papierarbeiten einen wichtigen Kontrast zu den Ölgemälden dar: "Sie sind mein Luxus." Für die Ausstellung der Münchner Meisterklasse hat Kuratorin Sonja Lechner vor allem Aquarell-Porträts ausgewählt und zeigt sie zusammen mit denen von Maximilian Kehl. Anna Klüssendorfs Stärke aber liegt im Öl und im Bild-in-Bild- sowie im Raum-in-Raum-Prinzip. Es sind Traumwelten zum Verweilen.

Anna Klüssendorf in der Münchner Meisterklasse VII, zusammen mit Maximilian Kehl, Kunstforum Münchner Bank, Frauenplatz 2, bis 15. November

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