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Alkoholverbot:"Ich trinke nicht, ich faste!"

Fastenzeit - Brot und Starkbier, 2006

Brot und Starkbier waren im katholischen Bayern schon immer erlaubt - auch zur Fastenzeit.

(Foto: dpa/dpaweb)

Man kann die Fastenzeit auch als Erlaubnis betrachten, seinem Körper einmal was Gutes zu tun - und zwar mit Starkbier.

Jetzt ist also wieder Fastenzeit. Einst ging es dabei ja um Askese und Verzicht. Heute fügt sich das Fasten eher in eine Sache ein, für die es im Deutschen das schöne Wort Wohlbefinden gibt. Das kennt aber keiner mehr, seit alle von Wellness sprechen. Anbieter von Heilkuren werben mit Slogans wie "Neustart für Ihre Gesundheit". Andere nennen es gar "Fastenurlaub". Der Verzicht wird verkauft als Chance, seinem Körper etwas Gutes zu tun.

Einst ging es beim Fasten auch um Verbote. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts standen sämtliche tierischen Nahrungsmittel auf der Liste: Fleisch, Eier, Milch und Käse. In den Wochen vor Ostern waren Christen nichts anderes als Veganer auf Zeit.

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Heute gleicht die Fastenzeit manchmal statt einem Verbot eher einer Erlaubnis, gerade in München, wo Bier Grundnahrungsmittel ist. Die Fastenzeit ist hier wahrscheinlich die einzige Rechtfertigung dafür, mal kein Bier in sich hineinschütten zu müssen. Dies wiederum steigert den sogenannten Wellness-Faktor beträchtlich.

Einst ging es beim Fasten auch ums Listigsein, zumal, wenn man im Leben schon auf so vieles verzichtete. Listig waren deshalb zum Beispiel die Mönche im schwäbischen Kloster Maulbronn. Sie zerkleinerten ein großes Stück Fleisch und versteckten es zusammen mit anderen Zutaten in Teigtaschen. Der Herrgott würde es schon nicht merken. Die Maultaschen waren erfunden.

Besonders geschickt wurde das Alkoholverbot umgangen. Wieder waren es Mönche, die auf die Idee kamen, Starkbier zu brauen. Sie nannten es Fastenbier und ließen es nach Rom zum Papst bringen. Ihnen war klar, dass es den langen Weg nicht heil überstehen und verderben würde. Es schmeckte so abscheulich, dass der Papst befand, dieses Bier könne in der Fastenzeit getrost getrunken werden. Es sei Buße genug, überhaupt davon zu kosten.

Was für ein Glück für München, wo die Starkbier-Saison jetzt wieder beginnt. Wer also auf Wellness nichts gibt und auf sein Bier nicht verzichten möchte, der kann Skeptikern ebenso getrost entgegnen: "Ich trinke nicht, ich faste!"

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