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Fastenzeit:Sieben Vorschläge für kreativeres Fasten

Fastenmöglichkeiten: Kaffee-, Trump-, Smartphone-, Aufzug- und Bundesligaverzicht.

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Nach Aschermittwoch kein Alkohol, kein Fleisch oder keine Süßigkeiten ist Ihnen zu langweilig? Es gibt Alternativen zur Askese.

Das schlechte Gewissen schlummert seit dem Neujahrstag im Unterbewusstsein. Noch tiefer schläft das Vorhaben, das Laster zu bekämpfen. Bis zum Aschermittwoch. Christen blicken an diesem Tag der Wahrheit ins Gesicht. Es gilt, seine Sünden zu erkennen und zumindest 40 Tage abstinent zu bleiben: Fastenzeit.

Wer nicht religiös ist, kann damit erstmal wenig anfangen. Warum die Askese? Warum nach einem langen Arbeitstag nicht Schokolade, Steak und Rotwein genießen?

Weil es, unabhängig vom Glauben, nicht verkehrt sein kann, das eigene Verhalten zu überdenken, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich seiner wahren Bedürfnisse bewusst zu werden. Die Fastenzeit ist auch für Nichtchristen der perfekte Rahmen, individuelle Laster zu besiegen - vor allem, weil es ein absehbarer Zeitraum ist.

Wer am Neujahrstag 365 Tage vor sich hat, ein Vorhaben umzusetzen, nimmt sich meist Enormes vor, und steht - gefühlt - vor dem Anstieg auf den Mount Everest. Nicht umsonst schließen im Januar so viele Menschen Fitnessstudio-Abos ab, die sie anschließend kaum nutzen. Schaff ich sowieso nicht, denkt man. Vorsätze für die Fastenzeit dagegen sind überschaubarer - und zu bewältigen.

Szene München "Ich trinke nicht, ich faste!"
Alkoholverbot

"Ich trinke nicht, ich faste!"

Man kann die Fastenzeit auch als Erlaubnis betrachten, seinem Körper einmal was Gutes zu tun - und zwar mit Starkbier.   Von Anna Hoben

Schließlich ist schon sehr bald alles wieder vorbei. 40 Tage sind es. Also eher ein Hügel im Hunsrück, den es zu besteigen gilt. Wer aber nicht ganz simpel auf Schokolade, Alkohol oder Fleisch verzichten will, für den haben wir ein paar kreativere Vorschläge:

Mobiles-Internet-Fasten

Smartphones sind toll, aber sie treiben mich in den Wahnsinn. WhatsApp-Nachrichten und Pushmeldungen ploppen auf, man starrt immerzu aufs Display, selbst dann, wenn man einem anderen Menschen im Gespräch gegenübersitzt. Was dabei am meisten nervt: Ich selbst.

Besonders schlimm ist es, wenn ich unterwegs bin. Drei Minuten warten an der Tramhaltestelle? Zack, Handy raus. Fünf neue Nachrichten? Könnte ich super in der U-Bahn beantworten. Der Bus verspätet sich? Mal die MVG-App checken. So bin ich die meiste Zeit damit beschäftigt, auf mein Handy zu starren. Ich suche Buslinien raus, mit denen ich zwei Minuten schneller am Ziel bin oder google Öffnungszeiten von Läden, an denen ich sowieso vorbeilaufe. Schluss damit! Ich verzichte auf mobiles Internet. Ein paar Wochen lang aus dem Tramfenster gucken, Häuserecken und Mitmenschen sehen, das hat was. Und es kann ziemlich erfrischend sein, wenn die Kneipendiskussion (Heißen die Einwohner von Panama eigentlich Panamaer oder Panamesen?) nicht durch sofortiges Googeln beendet wird.

Als Kind habe ich auf Süßigkeiten oder Fernsehen verzichtet. Vergangenes Jahr brachte mich ein muslimischer Freund wieder darauf. Wir sprachen über den Ramadan und er fragte mich, wie das eigentlich abläuft, die Fastenzeit bei uns Christen. Ich kam mir ganz schön verweichlicht vor nach diesem Gespräch und beschloss, es einfach mal wieder zu versuchen. Dogmatisch will ich dabei nicht sein, von der Ramadan-Disziplin bin ich weit entfernt. Daheim auf dem Sofa finde ich es völlig in Ordnung, das Smartphone bewusst in die Hand zu nehmen. Nur den Reflex, den wär ich gern los. Übrigens: Die Einwohner von Panama heißen Panamaer.

(Elisa Britzelmeier)