Auftakt zur Deutschlandtournee:Was man über AC/DC wissen muss

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Unter Strom: Sänger Brian Johnson und Gitarrist Angus Young von der australischen Rockgruppe AC/DC bei einem Konzert in Stuttgart im Jahr 2000. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Woher kommt der Name? Wieso trägt der Gitarrist immer eine Schuluniform? Wer sollte sich vor der Musik fürchten – und wer nicht? AC/DC-Wissen, mit dem auch Experten zu beeindrucken sind.

Von René Hofmann

Die Gruppe AC/DC gibt es seit 1973. Wer grölt da eigentlich?

Nukleus der Gruppe waren die Brüder Malcolm und Angus Young. Die beiden haben eine interessante Familiengeschichte: Ihr Vater war Maler, insgesamt hatte die Familie acht Kinder. Weil es in den 1960er-Jahren in Glasgow in Schottland nicht leicht war, Arbeit zu finden, wanderte die Familie aus.

Zur Auswahl standen Kanada oder Australien. Die Youngs entschieden sich für Australien – weil der Flug für jedes Familienmitglied nur 20 Dollar kostete (wenn man mindestens zwei Jahre blieb). So kam die Familie nach Sydney.

Mit Gitarren Mädchen beeindrucken: Die Motive, mit denen Angus (links) und Malcolm (rechts) Young in jungen Jahren loslegten, waren, nun ja, eher simpel. (Foto: Panthermedia/Imago)

Malcolm (*1953) und Angus Young (*1955) waren die jüngsten Kinder. Als sie sahen, wie gut die älteren Brüder mit ihren Gitarren bei Campingausflügen bei Mädchen ankamen, entdeckten sie die Musik auch für sich.

Im Herbst 1974 nahm die Gruppe Bon Scott (*1946) als Sänger auf. Wie die Youngs stammte er ursprünglich aus Schottland. Sein eigentlicher Name: Ronald Belford Scott. Der Spitzname „Bon“ kommt von Bonnie Scotland, für „prächtiges Schottland“.

Die Schule hatte Bon Scott mit 15 verlassen und vor dem Einstieg bei AC/DC unter anderem auf einem Fischkutter gearbeitet. Seine Devise: „Alkohol, Frauen, der Schweiß auf der Bühne und das schlechte Essen halten mich fit.“

Die Stimme auf den ersten Alben: Bon Scott, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1977. (Foto: Jorgen Angel/Avalon/Imago)

Am 20. Februar 1980 starb Scott. Die Umstände seines Todes trugen dazu bei, das Bad-Boy-Image der Band weiter zu schärfen. Nach einem Konzertbesuch und Alkoholgelage war Scott in seinem Auto eingeschlafen und am Erbrochenen erstickt. Der Gerichtsmediziner notierte in seinem Bericht, er habe „sich zu Tode gesoffen“.

Seitdem gibt Brian Johnson (*1947) den Sänger. Über den Engländer schrieb der Focus einst, er presse „mit verzerrtem Gesicht Töne aus sich heraus, als habe er vor dem Auftritt Metallspäne gegurgelt“.

Markenzeichen Ballonmütze: Brian Johnson mit der Kopfbedeckung, die ihm einst sein Bruder schenkte - damit bei der Fabrikarbeit die Haare nicht in die Augen fielen. (Foto: Lasse Lagoni/Gonzales Photo/Imago Images)

Nach der Demenz-Erkrankung von Malcolm Young im April 2014 übernahm sein Neffe Stevie Young (*1956) die Rhythmusgitarre. Malcolm Young starb 2017 im Alter von 64 Jahren. Schlagzeuger Matt Laug (*1968) und Bassist Chris Chaney (*1970) sind die jüngsten AC/DC-Mitglieder – im Wortsinn.

Wofür steht der Bandname?

Auf dem Cover des 2020 erschienen Albums "Power Up" zelebrierte die Band ihren Namen selbst. (Foto: Sony Music/ Columbia/dpa)

AC/DC steht für Alternating current/Direct current, Englisch für Wechselstrom/Gleichstrom. Der Name wurde von der älteren Schwester der Young-Brüder geprägt, von Margret Young – und zwar mit Blick auf ein Gerät, das im Haushalt der Familie stand. Welches genau, ist unklar. In manchen Erzählungen ist vom Staubsauger die Rede, in anderen von der Nähmaschine.

Der Begriff, fanden Malcolm und Angus Young, passe ganz gut zu der sprühenden Energie, die sie mit ihrer Musik und ihren Auftritten verbreiten wollten.

Jeder Buchstabe wird einzeln Englisch ausgesprochen und einzeln betont. Allerdings nicht in Australien. Dort ist die Band auch als „Acca Dacca“ bekannt.

A-C-D-C bilden außerdem die Anfangsakkorde des Liedes „High Voltage“.

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Was sind die erfolgreichsten Alben der Gruppe?

AC/DC haben 17 Studioalben veröffentlicht:

  • „High Voltage“, „T.N.T“ (beide 1975),
  • „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ (1976)
  • „Let There Be Rock“ (1977)
  • „Powerage“ (1978)
  • „Highway to Hell“ (1979)
  • „Back in Black“ (1980)
  • „For Those About to Rock (We Salute You)“ (1981)
  • „Flick of the Switch“ (1983)
  • „Fly on The Wall“ (1985)
  • „Blow Up Your Video“ (1988)
  • „The Razors Edge“ (1990)
  • „Ballbreaker“ (1995)
  • „Stiff Upper Lip“ (2000)
  • „Black Ice“ (2008)
  • „Rock or Bust“ (2014)
  • „Power Up“ (2020)
Schlicht, aber ungemein erfolgreich: das Cover zum Album "Back in Black". (Foto: SZ)

Das erfolgreichste Album war „Back in Black“. Es hat sich weltweit angeblich rund 50 Millionen Mal verkauft, wobei es in der Liste der kommerziell erfolgreichsten Veröffentlichungen Rang zwei belegen dürfte hinter Michael Jacksons „Thriller“, das sich wohl zwischen 70 und 100 Millionen Mal verkaufte.

Wieso trägt Leadgitarrist Angus Young bei den Auftritten eine Schuluniform?

Auch die Schuluniform-Idee stammt von Margret Young. „Sie sagte: ‚Geh damit auf eine Bühne, und kein Mensch wird dich je vergessen‘“, so hat es Angus Young einst selbst geschildert.

Zum ersten Mal trug er die Uniform im April 1974 bei einem Konzert im Victoria Park in Sydney. Die ganze Band trat damals verkleidet auf; sie wollte so ihre Bühnenpräsenz steigern.

Vor der Schuluniform-Nummer hatte Angus Young auch schon mit anderen Kostümen experimentiert: Er war im Superman-Cape aufgetreten, mit einer Zorro-Maske und einem Gorilla-Kostüm.

"Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal in Uniform auf den Auftritt gewartet habe. Ich dachte: Entweder sie lachen dich aus – oder sie bringen dich um“: Angus Young. (Foto: Lukas Lehmann/dpa)

Die Uniform war ursprünglich die Schulkleidung der Ashfield Boys High School aus einem Vorort von Sydney, die Angus Young besuchte – bis er im Alter von 14 Jahren von der Schule flog. Dass er die Uniform als Bühnenkleidung wählte, lag in gewisser Weise nahe: Nach der Schule hatte er in ihr oft direkt begonnen, Gitarre zu üben – mitunter bis in die Nacht hinein.

Angus Young misst 1,57 Meter. Wie die Uniform ihm auf der Bühne hilft, hat er 1995 in einem Gespräch mit der Münchner Abendzeitung beschrieben: „Wenn ich als Schüler verkleidet in der Garderobe stehe, passiert etwas. Es macht ‚Klick‘. (...) Es geht für mich ums Überleben, bei jeder Show. Ein sehr existenzielles Gefühl.“

Um den Eindruck zu erwecken, er sei wirklich ein Schuljunge, trickste Angus Young bei einem der frühen Konzerte sogar mit seinem Geburtsjahr. Inzwischen trägt er die Uniform in vielen Abwandlungen. Angeblich soll sie in der Samtausführung mehr als 500 Euro kosten.

Was wird da gegrölt?

Das Verführen schöner Frauen bildet einen Schwerpunkt im Œuvre der Gruppe. Sexismus-Vorwürfe gab es schon früh und danach immer wieder. Warum das so ist, lässt sich beispielsweise mit einem Blick auf die Songliste des 1995 erschienenen Albums „Ballbreaker“ (!) erkennen. Von den elf Liedern tragen fast die Hälfte schon eindeutige Namen: „Cover You in Oil“, „Caught With Your Pants Down“, „Love Bomb“, „Hard as a Rock“.

Das Muster findet sich auch auf der jüngsten Veröffentlichung „Power Up“ aus dem Jahr 2020. Im Lied „Rejection“ heißt es: „If you reject me, I’ll take what I want“, was sich als Vergewaltigungsfantasie lesen lässt. Angus Young hat dem in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel widersprochen: Der Text drehe „sich eher darum, dass mir auffiel, wie sehr Leute immer darauf pochen, respektiert zu werden. Aber Respekt muss man sich verdienen, indem man sich behauptet, sich gerade macht“.

In der NZZ hatte er Jahre zuvor schon davor gewarnt, die Texte wörtlich zu nehmen: „Es geht doch gar nicht um die Bedeutung der Wörter. Wir schreiben einfach Wörter nieder, die im Ohr gut klingen, Wörter, die sich gut singen lassen.“

Dass auch Wörter wie „Hölle“ und „Satan“ oft vorkommen und sich AC/DC auch als „Anti-Christ/Devils Child“ lesen lässt, hat dazu geführt, dass Gottesfürchtige einst vor Konzerten mit Flugblättern vor dem vermeintlich teuflischen Vergnügen warnten. In einem – prominenten – Fall aber sicher zu Unrecht. „Highway to Hell“, einer der größten Erfolge der Gruppe, handelt schlicht vom Leben auf einer Konzerttour.

Welche Prominenten haben sich öffentlich als AC/DC-Fans gezeigt?

Der österreichische Sänger Andreas Gabalier und Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards finden die Gruppe nachweislich gut. Gleiches gilt für den Ex-Wrestler und Schauspieler Hulk Hogan, den Ex-Bodybuilder, Ex-Schauspieler und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, den Ex-Verteidigungs- und Ex-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, den Ex-Außenminister und Ex-Vizekanzler Joschka Fischer sowie die Comicfiguren Beavis & Butt-Head, deren Clips von 1993 bis 1997 vom Musiksender MTV ausgestrahlt wurden.

Bekannte Figuren des Musiksenders MTV und AC/DC zugetan: Beavis & Butt-Head. (Foto: Everett Collection /imago)

Auch Horror-Autor Stephen King gilt als Fan. Für die Verfilmung seiner Kurzgeschichte „Trucks“ unter dem Titel „Maximum Overdrive“ komponierte die Band 1986 den Soundtrack: „Who Made Who“. In Film und Song geht es darum, dass die von Menschen geschaffenen Maschinen sich aufmachen, die Menschheit zu beherrschen.

Mit welchen Anekdoten lassen sich auch AC/DC-Experten beeindrucken?

Das US-Musikmagazin Rolling Stone bewertete die ersten drei AC/DC-Alben alle mit jeweils null Punkten.

Als die USA 1989 Truppen in Panama einmarschieren ließen, um Machthaber Manuel Noriega zu stürzen, flüchtete dieser in eine Kirche. Die Militärs beschallten diese daraufhin mit sehr lauter Musik, wobei unter anderem „Highway to Hell“ zum Einsatz kam.

Im September 1991 waren AC/DC die größte Attraktion des größten Heavy-Metal-Konzerts in der Geschichte der Sowjetunion, zu dem eine halbe Million Fans auf das Tuschino-Flugfeld bei Moskau kamen. Die zehn Stunden dauernde Veranstaltung war von den Veranstaltern als „Geschenk an die sowjetische Jugend“ für deren Rolle bei der Niederschlagung des Putsches gegen Präsident Michail Gorbatschow angekündigt worden.

Die AC/DC-Lane in Melbourne. Neben dem "Highway to Hell" gebe es jetzt auch einen "Laneway to Heaven" sagte der Bürgermeister von Melbourne bei der Eröffnung. (Foto: AFP)

AC/DC schoss mit einer überdimensionierten Kanone Dollarnoten mit dem Emblem der Gruppe ins Publikum und Sänger Brian Johnson erklärte in einer Ansprache: „Oper und Ballett haben in den Jahren des Kalten Krieges das Eis nicht gebrochen. Früher tauschten sie Opern- und Ballettkompanien sowie Zirkusse aus, aber es braucht Rock’n’Roll, um den Kalten Krieg zu beenden.“

In Leganés, einem südlichen Vorort von Madrid, wurde im Jahr 2000 eine Straße nach AC/DC benannt. 2004 zog Melbourne nach, allerdings hieß es auf dem Straßenschild zunächst „ACDC Lane“, weil die Vorgaben für Straßenschilder im australischen Bundesstaat Victoria keinen Schrägstrich erlauben. Später wurden Blitze über dem Namensschild dazu gemalt.

AC/DC, Sonntag, 9. Juni und Mittwoch, 12. Juni, Olympiastadion

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