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40 Jahre Olympiapark:Geheime Orte im weltberühmten Park

Eine dralle Statue, ein verlassener Geisterbahnhof, das geheimnisvolle Reich von Väterchen Timofei und Münchens unbekanntester Badesee: Die ganze Welt hat 1972 auf den Olympiapark geschaut. Doch nicht einmal die Münchner kennen alle Ecken.

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Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Eine dralle Statue, ein verlassener Geisterbahnhof, das geheimnisvolle Reich von Väterchen Timofei und Münchens unbekanntester Badesee: Die ganze Welt hat 1972 auf den Olympiapark geschaut, doch nicht einmal die Münchner kennen alle seine Ecken.

Seit 40 Jahren gibt es den Olympiapark in München. Ob das Olympiastadion, das BMW-Museum, das Sea-Life oder den Olympiaturm - die Sehenswürdigkeiten hat fast jeder Münchner und München-Tourist schon einmal gesehen. Doch der weltberühmte Park hat auch ein paar weniger bekannte Ecken, wir zeigen die schönsten.

Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Am nordwestlichen Rand des Olympiaparkes stößt man auf verlassene Gebäude, schiefe Masten und verwachsene Gleise. Die Mauern sind mit Graffiti überschmiert, das Schild "Fahrkarten" in altmodischem Design hängt immer noch. Es ist der ehemalige S-Bahnhof Olympiastadion.

Ehemaliger S-Bahnhof Olympiastadion in München, 2010

Quelle: Catherina Hess

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Zu den Olympischen Spielen wurde der Bahnhof in Betrieb genommen, nach der Fußball-EM 1988 still gelegt. Seitdem ist der Bahnhof dem Verfall überlassen, zahlreiche Korbblütler und andere Pflanzen haben sich breit gemacht. 2011 hat die Stadt München das Areal erworben, um das Radnetz auszubauen. Der Geisterbahnhof wird wohl bald verschwunden sein.

Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Hinter dem Olympiastadion liegt das Radstation - und von dort sind es nur wenige Meter in Richtung Osten, bis man eine ungewöhnliche Statue erblickt: den Triumphans von Martin Mayer. Der Bildhauer hat unter anderem auch den Keiler am Eingang des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums in der Fußgängerzone gestaltet. Die Statue symbolisiert eine sinnliche Frau, die mit den Händen auf einer Kugel Gymnastik macht - und sollte für die "heiteren Spiele in München" stehen.

Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Vom Olympiaberg aus hat man nicht nur einen wunderbaren Blick auf die Münchner Innenstadt und die Berge, sondern man blickt auch ins Stadion hinein. Viele Münchner pilgern hier hinauf, wenn bekannte Musiker auftreten - und genießen das Konzert so für lau. Man blickt von oben auch auf eine abgeschiedene Sonnenwiese, die auf halber Höhe des Schuttberges liegt. Wer in Ruhe in der Sonne liegen möchte, ist da genau richtig.

Olympia-Alm in München, 2009

Quelle: Catherina Hess

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Auf halber Höhe des Berges liegt auch Münchens wohl verstecktester Biergarten: die Olympia-Alm (Martin-Luther-King-Weg 8) umrahmt von Bäumen und saftigen Wiesen. Ursprünglich war das Lokal als Kiosk für die Arbeiter, die das Gelände für die Olympischen Spiele 1972 errichteten, gedacht, doch mittlerweile kommen hierher Ausflügler, um ein Bier zu trinken, Spareribs oder Bratwürste zu essen. Zumindest diejenigen, die von der Existenz der Olympia-Alm wissen.

Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Im Olympiapark liegt ein geheimnisvoller Ort. Auf dem Platz, wo im Sommer das Tollwood stattfindet, führen Hinweisschilder zum einem begrünten Grundstück: dem Reich von Väterchen Timofei (Spiridon-Louis-Ring 100), das besichtigt werden kann. Der orthodoxe Russe Timofei Wassiljewitsch Prochorow gelangte 1952 auf wundersame Weise nach München: Die Muttergottes sei ihm in einer Feuersäule erschienen und habe ihm den Weg zum Oberwiesenfeld gewiesen, erzählte er. Hier baute der Einsiedler gemeinsam mit seiner Frau zwischen Kriegsschutt Gemüse an, verkaufte Honig, errichtete zwei Wohnhäuser, eine Kapelle und eine Kirche als Zeichen des Friedens zwischen Ost und West.

Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Viele Münchner waren überzeugt: Timofei habe hellseherische Fähigkeiten. Immer mehr Besucher kamen, um Rat zu suchen - auch der Maler Friedensreich Hundertwasser oder Oberbürgermeister Christian Ude. Als Ende der sechziger Jahre die Stätten für die Olympischen Spiele gebaut werden sollten, protestierten viele Münchner, damit Timofeis Schwarzbauten nicht abgerissen werden. Mit Erfolg: Das kleine Reich Timofeis ist bis heute erhalten geblieben. Im Sommer 2004 starb der Eremit im Alter von angeblich 110 Jahren. Die Legenden, die sich um den Mann mit dem langen, weißen Rauschebart ranken, leben weiter. Zwei Anhänger Timofeis bemühen sich, das Erbe des Hellsehers zu bewahren, sie kümmern sich um die Anlage und berichten Besuchern gerne von der phantastischen Geschichte des Väterchen Timofei.

Munich Olympic Walk of Stars, 2011

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Seit 2003 gibt es im Olympiapark jede Menge Stars: auf dem Munich Olympic Walk of Stars am Ufer des Olympiasees. Berühmte Musiker, Sportler und Entertainer haben hier nach einem Auftritt ihre Handabdrücke hinterlassen - ob Kylie Minogue, Maria Höfl-Riesch, R.E.M., Elton John, Chris de Burgh, Bryan Adams, Aerosmith, Boris Becker, Alice Cooper oder einige Fußball-Weltmeister von 1974.

Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Im Olympiapark sind jüngst neue Gastronomie-Betriebe hinzugekommen: das schicke Coubertin zwischen Olympiahalle und Stadion und das gemütliche München 72 an der Tennisanlage. Hier sitzt man auf Turnkästen, Judomatten oder Hollywoodschaukeln, trinkt Kaffee, Spezi oder Bier und schaut den Spielern bei Aufschlag, Volley oder Schmetterball zu - fast wie 1972 bei den Olympischen Spielen.

Bahnfahrt Olympiapark (die meisten Bilder sind aus dem fahrenden Zug geschossen)

Quelle: Florian Peljak

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Doch es gibt auch weniger heitere Ecken in Münchens weltbekanntem Park. Zwischen Stadion und Olympiadorf erinnert das Mahnmal an die Opfer des Anschlags auf die Israelische Olympiamannschaft 1972. Auf einer Tafel davor steht: "Während der Spiele erlitten elf israelische Sportler und ein deutscher Polizeibeamter am 5. September 1972 durch einen terroristischen Anschlag einen gewaltsamen Tod."

Olympiapark München

Quelle: Lisa Sonnabend

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Im Olympiapark kann man nicht nur Spazieren gehen, Konzerte besuchen, Sport machen, sondern auch wohnen. Im Olympiadorf lebt es sich wie in einer kleinen Ortschaft: Es gibt einen Bäcker, einen Supermarkt, ein Restaurant und eine Apotheke. Viele Münchner Studenten sind in der Bungalowsiedlung untergebracht, die kleinen Häuschen wurden vor einigen Jahren abgerissen und durch neue, moderner Wohnwürfel ersetzt.. Um ihnen ein wenig Individualität zu verleihen, haben einige Bewohner die Wände bemalt: mit der Skyline von München, den Simpsons oder dem Engel Aloisius.

Nadisee im Münchner Olympiapark, 2006

Quelle: Catherina Hess

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Sogar einen Badesee gibt es im Olympiadorf. Er liegt zwischen Nadi-, Connollystraße und der Zentralen Hochschulsportanlage. Doch nur die wenigsten Münchner dürften ihn kennen, geschweige denn, darin ein Bad genommen haben. Zugegeben, er sieht auch mehr aus wie ein großer Tümpel. Wenn es allerdings zwischen den Häuserschluchten der Anlage unerträglich heiß wird, stürmen die Bewohner an ihren See, stellen sich hinein, lassen sich von den Sprudeln bespritzen - und manche tauchen gleich ganz unter in Münchens wohl unbekanntestem Badesee.

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Quelle: SZ

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Wenige Meter von den Studentenwohnungen entfernt liegt das Gelände des Zentralen Hochschulsports (ZHS). Die Studenten können Fußball spielen, fechten, Yoga oder Zirkeltraining machen. Bei schönem Wetter geht es auf den Beachvolleyball-Felden zu wie am Strand in Rio.

Bierstube Olympiadorf

Quelle: Lisa Sonnabend

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Im Dorf gibt es auch eine gemütliche und vor allem günstige Kneipe: In der Bierstube treffen sich die Studenten auf ein Feierabendgetränk (das Helle kostet nur 2,40 Euro), holen sich das Tagesgericht, das von dem studentischen Küchendienst zubereitet wird und nur wenige Euro kostet, schauen gemeinsam Fußball oder spielen Karten. Und so kann man noch bis spät nachts im Olympiapark bleiben.

© Süddeutsche.de/wib

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