Bundeskanzler:Olaf Scholz wirbt und wirbt. Aber es reicht nicht

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Bundeskanzler: Olaf Scholz am Montag im RTL-Studio, neben ihm Romy Puhlmann, alleinerziehende Mutter von vier Kindern.

Olaf Scholz am Montag im RTL-Studio, neben ihm Romy Puhlmann, alleinerziehende Mutter von vier Kindern.

(Foto: Andreas Friese/dpa)

Immer dachte der Bundeskanzler, man müsse nur selbstsicher sein und anschließend knapp mitteilen, welche Schlüsse man gezogen hat. Nun der Realitätstest: die Begegnung mit einer vierfachen Mutter.

Kommentar von Daniel Brössler

Olaf Scholz hat sich in den vergangenen Wochen eine Menge anhören müssen. Pfiffe von Demonstranten, scharfe Mahnungen aus der eigenen Koalition, bittere Kommentare aus halb Europa, aber am Ende ist es das Urteil einer alleinerziehenden Mutter von vier Kindern, das ihm am meisten zu denken geben sollte. Eine gute Stunde lang hat er zwei Bürgerinnen und zwei Bürgern in einem RTL-Studio ausführlich auf Fragen zur Inflation, zur Ukraine und zu Schulden geantwortet. Wie sie denn nun die Fähigkeit des Kanzlers einschätze, seine Politik zu erklären, wird die Frau zum Schluss gefragt. Durchschnittlich, sagt sie.

Anders als zu Beginn seiner Kanzlerschaft verbringt Scholz mittlerweile einen erklecklichen Teil seiner Zeit damit, für sein Handeln zu werben. Einen wesentlichen Teil der Bevölkerung erreicht er damit aber nicht in dem Maße, dass es sich günstig in Umfragen niederschlagen, positiv auf das SPD-Ergebnis in Landtagswahlen auswirken oder eben die vierfache Mutter überzeugen würde. Scholz ist politisch groß geworden in der Gewissheit, dass die Menschen die knappe Kommunikation eines Selbstsicheren goutieren. Nun muss er erleben, dass das nicht reicht, und bei vielen Deutschen das Nachdenklich-Zweiflerische eines Robert Habeck besser ankommt.

Scholz aber kann sich nicht in einen Habeck verwandeln, ohne sich lächerlich zu machen. So bleibt ihm, auf zweierlei zu hoffen: die Macht der Gewöhnung, die auch schon Angela Merkel zugute gekommen ist. Und die Macht des Faktischen, sobald Regierungshandeln - wie bei den Entlastungsbeschlüssen - für die Menschen spürbar wird. Je weniger beides eintritt, desto gefährlicher werden die kommunikativen Defizite des Kanzlers für die Koalition. Scholz neigt unter Druck zu einer Basta-Mentalität. Weder bei den gerupften und verunsicherten Liberalen noch bei den durch ihre Wahlergebnisse geboosterten Grünen dürfte das zum erwünschten Resultat führen.

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