Wiener Opernball im ORF Unverwüstlich antiquiert

"So sieht Begeisterung aus": Bauunternehmer Richard Lugner und sein diesjähriger Stargast Kim Kardashian in der Loge in der Wiener Staatsoper

Berüchtigt, aber irgendwie charmant: Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe kommentieren den Wiener Opernball wie einst Waldorf und Statler die Muppet Show. Der ORF gewährt ihnen Narrenfreiheit - die einem Mann bei seiner Begegnung mit Johannes B. Kerner versagt bleibt.

Eine TV-Kritik von Carolin Gasteiger

Auf den Opernball wollen sie selbst gar nicht. Lieber beobachten Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe den "Ball der Bälle" in aller Ruhe aus ihrem Kämmerchen und geben ihre Kommentare ab. Ganz professionell.

Die beiden kommentieren den Wiener Opernball am Donnerstagabend meistens aus dem Off, in nur wenigen Momenten sind sie tatsächlich zu sehen. Die Interviews auf dem roten Teppich und am Parkett führen ihre Kollegen. Und das finden Wagner-Trenkwitz und Hohenlohe auch gut. Sie sind für all die nötigen und unnötigen Hintergrundinformationen zuständig.

Das Altmodische sei das Wichtigste

Nun halten viele den Opernball als pompöses Stelldichein der prassenden österreichischen Haute Volée für überholt, mit seinem strengen Dresscode und den akribischen Vorbereitungen wie noch zu Kaisers Zeiten. "Natürlich ist der Opernball antiquiert, aber das ist ja das stärkste Argument dafür, dass er ewig bestehen wird", sagt Wagner-Trenkwitz SZ.de. Das Altmodische sei das Wichtigste am Opernball. Das trifft wohl auch auf die nonchalante Art der Kommentatoren zu.

Zum Beispiel, wenn Wagner-Trenkwitz die kugelförmigen Blumenarrangements ("ausschließlich Nelken dieses Jahr", später musste er aber zugeben, dass es auch Veilchen gab, Anm. d. Red.) damit kommentiert: "Meine Mutter hat so eine ähnliche Badehaube gehabt". Oder wenn Hohenlohe die familiären Verhältnisse zum Ballteilnehmer Hubertus von Hohenlohe erläutert, resümiert er in gewisser Weise selbstironisch: "Inzest auf höchstem Niveau ist das".

Schrecken kann sie kaum noch etwas

Hohenlohe, 53, ist Journalist und Buchautor und bringt mit seiner Frau zusammen den österreichischen "Gault Millau" heraus. Der 51-jährige Wagner-Trenkwitz ist Chefdramaturg an der Wiener Volksoper. Die meiste Zeit geht jeder seiner beruflichen Wege, nur einmal im Jahr treffen sie sich "jungfräulich", wie Wagner-Trenkwitz betont, um den Opernball zu kommentieren. Dann widmen sie sich ganz den Krönchen der Debütantinnen und wer sie entworfen hat (für Detailfanatiker: Schmuckdesigner Stephen Webster), dem Blumenschmuck, Balletttänzern und Ballspenden.

Schrecken kann das Kommentatoren-Gespann nach 14 Jahren kaum noch etwas. Ein Glück, dass sie nicht die Ereignisse vor Lugners Loge live kommentieren mussten. Sonst hätten dem Moderatorendoppel womöglich doch noch kurz die Worte gefehlt. Ein sichtlich betrunkener Ballgast (so berichtet es später die stets seriöse österreichische Nachrichtenagentur APA) pöbelt dort den deutschen Moderator Johannes B. Kerner an: "Wer hat Ihr Ticket bezahlt? Erklären Sie sich! Sie sind der neue Wulff!", soll der Fremde Kerner zugerufen haben.

Als der Moderator sich abwendet, wirft der Mann ihm ein Sektglas hinterher. Ein Begleiter Kerners soll dem Glaswerfer daraufhin "wuchtig" die Faust ins Gesicht geschlagen, berichtet APA weiter. Sogar Blut soll dabei geflossen sein.

Dass auch noch Oliver Pocher überraschend hinter Kim Kardashian in Richard Lugners Loge auftaucht, scheint angesichts dieses Skandälchens nicht mal mehr die Randnotiz wert, mit der Wagner-Trenkwitz Pochers Erscheinen bedenkt: "Noja, jetzt isser da."

Der ORF, der zur Übertragung des Opernballs etwa 150 Mitarbeiter schickt und in der Spätausgabe seiner Nachrichtensendung eine Live-Schalte bringt, lässt den beiden Narrenfreiheit. Warum auch nicht, es ist ja schließlich ein Faschingsball.