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Talkshow-Auftritte:Neue Stars

(Foto: Imago (4), AFP, Reuters/SZ-Grafik: saru)

Im Jahr 2020 lernten Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Talkrunden allerlei Expertinnen und Experten für die Corona-Pandemie kennen. Wer war am häufigsten zu Gast?

Von Aurelie von Blazekovic

Virologen, Infektiologinnen und Epidemiologen - vor einem Jahr hörten sich diese Berufsgruppen noch orchideenhaft an, inzwischen haben sie in öffentlich-rechtlichen Talkshows ihren festen Platz. Nummer eins der Stammgäste bei Sandra Maischberger, Maybrit Illner, Anne Will und Frank Plasberg ist aber nicht der allgegenwärtige Christian Drosten von der Berliner Charité.

Drosten wurde zwar dank seiner langjährigen Forschung zu Coronaviren Top-Experte, er berät die Bundesregierung, war laut einer Analyse des Spiegel der meistzitierte Wissenschaftler in der Presse und auf Youtube und erklärt nun schon seit Februar in seinem NDR-Podcast das Virus. Aus den Talkrunden aber hat er sich nach wenigen Auftritten zurückgezogen. Es gebe immerhin auch andere, die das übernehmen könnten, sagte er mal im Podcast.

Der Fernseh-Virologe des Jahres ist dagegen Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Die mit acht Talkshow-Auftritten am häufigsten geladene Expertin ist die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Gleich auf mit dem Bonner Virologen Hendrik Streeck, der für seine Zusammenarbeit mit der PR-Agentur Storymachine zur Heinsberg-Studie stark kritisiert wurde.

Brinkmann und Streeck waren übrigens auch häufige Gäste bei Markus Lanz, die Sendung ist wegen ihrer höheren Sendefrequenz aber nicht berücksichtigt. Zu den beliebtesten Talk-Gästen gehören zudem der Mikrobiologe und Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle und die Gießener Lungenforscherin Susanne Herold, die wie Drosten die Bundesregierung berät. Als allererste Virologin saß Melanie Brinkmann schon Ende Januar bei Maybrit Illner. Über den Titel der Sendung kann man heute nur noch müde lächeln: "Wettlauf gegen die Krankheit - wie gefährlich ist das Coronavirus?"

© SZ/ebri
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