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Vatikan-Portal: "News.va":Urbi@Orbi

Auch der Papst kann twittern und "liken", denn ihm steht ein Medienberater für soziale Kommunikationsmittel zur Seite: Der 70-jährige Claudio Maria Celli eröffnet an diesem Mittwoch das Vatikan-Portal "News.va". Benedikt XVI. höchstselbst gibt den Startklick.

Andrea Bachstein

"Es ist unser Wunsch", hat der Kurienerzbischof gesagt, dass dieses wichtige Projekt des Vatikan, "nicht nur eine Würdigung des Papstes ist, sondern viel mehr Ausdruck unsere Gläubigkeit und Hingabe für den Papst". Die Sprache von Claudio Maria Celli mag ein bisschen antiquiert klingen, aber das Vorhaben ist durchaus modern. Als Präsident des Päpstlichen Rates für Soziale Kommunikationsmittel hat Erzbischof Celli das neue Informationsportal des Vatikan präsentiert.

Claudio Maria Celli

Benedikt XVI. hat seine Kirche wiederholt aufgefordert, alle technischen Möglichkeiten zur Verbreitung ihrer Botschaft und zum Kontakt mit den Gläubigen zu nutzen - und dieser freundliche Herr hilft ihm dabei: Claudio Maria Celli, Präsident des Päpstlichen Rates für Soziale Kommunikationsmittel.

(Foto: AP)

News.va heißt es und geht an diesem Mittwoch online. Das Datum ist natürlich nicht zufällig gewählt: Das Hochfest Peter und Paul ist in Rom und anderen Regionen Italiens ein wichtiger Feiertag. Aber nicht nur daran hat Celli gedacht. Vielmehr fällt der Tag auch mit dem 60. Jubiläum der Priesterweihe von Benedikt XVI. zusammen. Und so konnte Celli mitteilen, es sei vorgesehen, dass der Papst am Vorabend symbolisch den Startklick zu News.va gebe, "auf einem Tablet-Computer der neuesten Generation" - eine sanfte apostolische Berührung wird also reichen.

Seit vier Jahren übt der Kurienerzbischof nun das Amt des Präsidenten des Rates für Soziale Kommunikation aus und steht damit neben Federico Lombardi, dem Vatikansprecher, Chef von Radio Vatikan und des vatikanischen Fernsehsenders, in höchster medialer Verantwortung.

Der 70-jährige Celli, im Adria-Badeparadies Rimini geboren, ist ein zugänglicher Mann, der zuvor unter anderem im Diplomatischen Dienst des Vatikan stand. Er berät den Papst über den Einsatz neuer Kommunikationsmittel wie Facebook oder Twitter, die längst zum kirchlichen Arsenal zählen.

Das gehört zu den Widersprüchen im Vatikan: Einerseits haben dort fast nur ältere Herren etwas zu entscheiden, die mitunter nicht alle auf der Höhe der Zeit zu stehen scheinen. Auskunftswillige Ansprechpartner zu finden, kann im Kirchenstaat ebenfalls unendlich schwierig sein.

Andererseits bewegt sich der Vatikan mit seinen Kommunikationsmitteln höchst agil im Digitalzeitalter und ist sehr selbstdarstellungsfreudig. Benedikt XVI. hat seine Kirche wiederholt aufgefordert, alle technischen Möglichkeiten zur Verbreitung ihrer Botschaft und zum Kontakt mit den Gläubigen zu nutzen.

Dass diese Modernität auch schon wieder Tradition hat, daran hat Kurienerzbischof Celli nun erinnert - seit 150 Jahren gibt es die Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano, und Radio Vatikan, einer der ältesten Sender der Welt, gehörte schon bei seinem Start vor 80 Jahren technisch zur Avantgarde. In News.va sieht Celli nun eine "neue Dimension" eröffnet.

Wie weit diese Dimension reicht, bleibt allerdings abzuwarten. Denn alle bisherigen Informationsangebote des Vatikan bleiben zunächst unverändert. Die neue Seite verlinkt lediglich alles - von Twitter, über den Pressedienst Fides bis zum Bulletin des Päpstlichen Presseamts. Mehr Informationen wird News.va wohl nicht bringen.

Doch es wäre schon ein Dienst am Nächsten, müsste man nicht wie bisher elektronische Labyrinthe durchsuchen. Claudio Maria Celli hat sich jedenfalls bemüht, den Papst der Welt wieder um ein paar Klicks näherzubringen.

© SZ vom 29.06.2011/rus

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