TV-Kritik zu Maybrit Illner:Ein wenig Rosa für Schwarz-Weiß-Denker

Wie sollte eine Familie aussehen und was ist der Sinn und Zweck einer Lebensgemeinschaft? Beim ZDF-Talk zur Homo-Ehe beharrt CDU-Politikerin Katherina Reiche auf ihren bekannten Argumenten - und macht es den Gleichstellungs-Befürwortern leicht, ihr die Grenzen aufzuzeigen.

Matthias Kohlmaier

Nach etwa einer halben Stunde Talk bei Maybrit Illner zum Thema "Zwei Männer und ein Baby - gleiches Recht für Homo-Ehen?" sagt CDU-Politikerin Katherina Reiche zum Grünen-Mitglied Volker Beck folgenden Satz: "Ich respektiere ihre Lebensform." Er, also der bekennende Homosexuelle Beck, müsse aber auch ihre Meinung zulassen.

maybrit illner

Philipp Gut, Lilo Wanders und Katherina Reiche zu Gast bei Maybrit Illner.

(Foto: Jule Roehr/ZDF)

Es ist eine Kapitulationserklärung von Reiche, der bereits zu diesem Zeitpunkt die Argumente gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe ausgegangen waren. Ähnlich erging es den anderen Mitgliedern der Kontra-Gleichstellungs-Fraktion: Neben Reiche waren Hedwig von Beverfoerde, Sprecherin der Initiative Familienschutz, sowie Philipp Gut, stellvertretender Chefredakteur der rechtskonservativen Schweizer Zeitung Weltwoche, eingeladen.

"Schwule und Lesben haben etwas Narzisstisches"

Philipp Gut jedoch wirkte bereits zu Beginn der Sendung leicht angewidert, als Maybrit Illner ein schwules Paar interviewte, das zwei Pflegekinder aufgenommen hat. Der Journalist hatte sich zu dem Diskurs bereits in einem Artikel mit Sätzen wie diesem geäußert: "Die Homosexualisierung erreicht Rekordwerte." Bei Illner ging der Schweizer noch einen Schritt weiter und postulierte: "Schwule und Lesben haben etwas Narzisstisches, man liebt das, was man selbst ist."

Hedwig von Beverfoerde erklärte dem interviewten homosexuellen Paar: "Sie sind keine normale Familie." Zudem sei es ohnehin der letzte und damit wichtigste Zweck der Ehe, "Kinder zu kriegen". Da Homosexuelle das niemals leisten könnten, gebe es auch keinerlei Grund, die eingetragenen Lebenspartnerschaften vollständig mit der Ehe gleichzustellen.

Für Volker Beck, dem langjährigen Kämpfer für die Rechte Homosexueller, war es ob so vieler Ewig-Gestrigkeiten überhaupt nicht schwer, in der Runde zu glänzen. Auf Beverfoerdes Äußerung über den Hauptzweck der Ehe konterte der Grünen-Politiker lapidar: "Dann dürften wir ja mit 50 nicht mehr heiraten." Die Unterstützung des Publikums war ihm sicher.

Reiche bleibt Antworten schuldig

Beck beließ es aber nicht bei einen Bonmot, er zeigte auch Bundestagskollegin Katherina Reiche ihre rhetorischen Grenzen mehr als deutlich auf. Becks Frage war eigentlich einfach: Wo liegt der Unterschied zwischen der Beziehung von Außenminister Guido Westerwelle und dessen eingetragenem Lebenspartner Michael Mronz und der Ehe von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Joachim Sauer? Reiche stammelte erst etwas vom Grundgesetz, dann von Frau, Mann und Kindern - und ließ die Frage doch unbeantwortet.

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