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TV-Duell:So läuft das Duell Merkel-Schulz ab

TV presenters pose at the Adlershof TV studio to present the only TV debate of the German election between incumbent German Chancellor Angela Merkel and SPD candidate Martin Schulz

Claus Strunz, Sandra Maischberger, Maybrit Illner und Peter Kloeppel im Studio in Adlershof (v.l.n.r.).

(Foto: REUTERS)

Sie hätten es lieber anders gehabt. Nun diskutieren vier Moderatoren und SPD-Kandidat Schulz so, wie Kanzlerin Merkel es will.

Jürgen Schmidt-André verspricht ein Duell "auf Augenhöhe": "Also, nicht politisch betrachtet, sondern im Sinne der Kameras." Der 57-jährige Studiotechniker steht in einer Halle in Berlin-Adlershof, bald soll hier die wohl wichtigste politische Fernsehsendung des Jahres stattfinden: Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer, dem SPD-Kandidaten Martin Schulz. Schmidt-André hat zum sechsten Mal das Set designt für die Show. 2013 hat Merkel noch ein kleines Podest bekommen, der damalige SPD-Kandidat Peer Steinbrück misst 1,86 Meter: "Wir müssen immer dafür sorgen, dass alle die gleiche Sichthöhe haben." Merkel und Schulz aber sind fast gleich groß bzw. lang.

Es gibt viel zu beachten bei dem Duell, das die Sender ARD, ZDF, RTL und Pro Sieben Sat 1 seit 2002 gemeinsam ausrichten. Die Bedürfnisse der einzelnen Sender fließen ebenso in die Vorbereitung wie die der Teilnehmer. Und die Zuschauer sollen ja auch nicht gerade schnarchend vom Fernsehsessel kippen.

Was jetzt herausgekommen ist: ein Duell mit vier Themenblöcken, abwechselnd moderiert von zwei Moderatorenpaaren, nämlich Maybrit Illner (ZDF) mit Peter Kloeppel (RTL) und Sandra Maischberger (ARD) mit Claus Strunz (Sat 1). So ähnlich war es auch schon 2013. Die Themenblöcke sind Migration, Außenpolitik, soziale Gerechtigkeit und Innere Sicherheit. Mehr wollen die Beteiligten noch nicht verraten, denn ein bisschen Überraschung soll ja auch noch sein. Für die Zuschauer, aber vor allem für die Kontrahenten.

Die Sender hätten gern einen anderen Rahmen gehabt

Die Journalisten hätten gern einen etwas lockereren Rahmen für das Format gehabt, erzählen sie auf einer Pressekonferenz in Adlershof - und mehr Zeit. Die Sender wollten eigentlich zwei Duelle, ein öffentlich-rechtliches und ein privates, außerdem mehr Freiheit für die Moderatoren. SPD-Kandidat Schulz wollte es, die Amtsinhaberin nicht. Und sagte sehr deutlich: entweder ein Duell nach den alten Regeln oder gar keins.

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Schnell war von "Erpressung" die Rede, der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nannte das Format gar eine "Missgeburt": "Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf." Und als die Moderatorinnen und Moderatoren am Freitag vor der Sendung die Modalitäten vorstellen, machen sie auch keinen Hehl daraus, dass sie es sich anders gewünscht hätten. "Wir sind jetzt zum fünften Mal in der Situation, daraus das Beste zu machen", sagt Illner. Die ZDF-Frau hat bisher jedes TV-Duell mitmoderiert, ebenso RTL-Mann Kloeppel.

Erst einmal, nämlich im Jahr 2002, hätte sich ein amtierender Kanzler darauf eingelassen, gleich zweimal gegen seinen Herausforderer anzutreten: Das war das Duell Gerhard Schröder (SPD) gegen Edmund Stoiber (CSU). "Wir hatten die Wahl: entweder ein Duell unter den alten Bedingungen oder gar keins", sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey und beugte sich damit dem Druck der CDU. Sie seien sich dann schnell einig gewesen, dass sie den Zuschauern eine solche Möglichkeit, sich ein Bild von den Kandidaten zu machen, nicht vorenthalten könnten.

Merkel "steht wie ein Fels"

Frey zitiert eine Forsa-Umfrage, wonach 48 Prozent der Wahlberechtigten sich das Duell anschauen wollen. 22 Prozent gaben an, dass die Sendung ihre Wahlentscheidung durchaus noch beeinflussen könne. Es ist in der Tat die einzige Möglichkeit, bei der die Kanzlerin und ihr Herausforderer aufeinander treffen. Bisher vermeidet Angela Merkel im Wahlkampf es, den Namen "Martin Schulz" auch nur in den Mund zu nehmen.

Auch für die Moderatoren ist Merkel ein harter Brocken. "Das ist eine Frau, die steht wie ein Fels und lässt doch vieles wie ein Wasserfall an sich herunterperlen", beschreibt Sandra Maischberger, die zum ersten Mal ein TV-Duell moderieren wird, die Situation. Martin Schulz hingegen müsse im Duell auf Angriff gehen. "Unsere Aufgabe wird es sein, sie zusammenzubringen." Eine kleine Änderung gibt es daher schon im Studio: Die Tische der Kontrahenten sind mehr zueinander gedreht als das letzte Mal. Die Moderatoren und Moderatorinnen wünschen sich, dass die Kandidaten auch miteinander ins Gespräch kommen - oder sich streiten.