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"Tatort" aus Franken:Das fürsorglichste SEK aller Zeiten

Tatort: Die Nacht gehört dir

Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs), neben seiner Kollegin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) hat "die Schnauze voll".

(Foto: dpa)
  • Im neuen Franken-Tatort "Die Nacht gehört dir" geht es um Liebe, auch Kommissar Voss versucht's mal wieder mit ihr.
  • Spannungstechnisch ist der Film zwar nicht so umwerfend wie die Vorgängerfolge, dafür gehören die Dialoge zu den geschliffensten, die man am Sonntagabend bekommen kann.

Das überlebensgroße Thema Liebe umkreist dieser Tatort aus Franken, er ist damit ein Verwandter der Freiburger Episode vom vergangenen Sonntag, als im Fasching verschwitzt und besinnungslos vor sich hin gevögelt wurde. Fasching ist gottlob vorbei, und an diesem Sonntag gehen jetzt diejenigen, die Liebe suchen, behutsamer miteinander um. Was natürlich nicht ausschließt, dass jemand beim Liebesuchen umkommt. Eine Frau, Kundin bei Dating-Portalen, ist mit dem Sushimesser erstochen worden, die Ermittler Voss und Ringelhahn (Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel) werden unterstützt von ihrem Team aus herzenswärmenden Franken, die ihre Anweisungen im Klang der Region ins Funkgerät sprechen: "Kennzeichen: Nämberch - Zebbelin Berdda - vierzich."

"Die Nacht gehört dir" ist spannungstechnisch nicht ganz so umwerfend wie die Vorgängerfolge "Ein Tag wie jeder andere" vom vergangenen Februar, aber dies ist schließlich kein Thriller, sondern eine Philosophie über die Möglichkeit und Unmöglichkeit des Miteinanderlebens. Kommissar Voss verliebt sich in die Frau, die am Wochenmarkt den Honig verkauft, man verabredet sich fürs Kino. Liebe ist hier: Vorfreude, also die unkomplizierteste Spielart. Liebe kann auch sein: etwas, das man mit ein paar Klicks im Netz wieder kappen kann.

Voss bricht das Elegische in diesem Tatort, indem er sich sauber auskotzt

Regisseur Max Färberböck (der auch das Buch geschrieben hat, gemeinsam mit Catharina Schuchmann) ist spürbar ein Skeptiker, was das Anbandeln im Netz angeht, allerdings kann das Werben draußen genauso rettungslos sein: Wer weiß schon, was die Honigfrau im Schilde führt? Färberböck hält alles schön in der Schwebe, die Schärfe des Sushimessers und die Süße des Bienenhonigs. Als das raue Spezialeinsatzkommando (SEK) in voller Montur anrückt, legt er Arvo Pärts Musik darüber, Violine und Piano. Und schon sieht man dem fürsorglichsten SEK aller Zeiten bei der Arbeit zu.

Die Dialoge von Färberböck/Schuchmann gehören zu den geschliffensten am Sonntagabend, vor Jahren haben sie ganz beiläufig das Zeitalter des Populismus in einen kleinen Satz gepackt: "Dummheit, die sich aufgerufen fühlt, ist unbesiegbar." Diesmal ist es Voss, der das Elegische in diesem feinen Tatort bricht, indem er sich sauber auskotzt. "Manchmal will man es einfach nicht mehr wissen: Was jetzt gerade in diesem Moment da draußen alles passiert. Wer wen bescheißt, wer wen betrügt, wer wen belügt. Ich will es nicht mehr. Ich hab' so die Schnauze voll, wirklich. Ich hab einfach kein Bock mehr." Und mehr muss man im Moment ja wirklich nicht sagen.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

© SZ vom 29.02.2020/tmh

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