"Tatort" aus Wiesbaden:Erst Professor, dann Penner

Lesezeit: 2 min

Tatort: Murot und das Prinzip Hoffnung

Die kennen sich von früher: Inga und Paul Muthesius (Karoline Eichhorn und Lars Eidinger, li.), Felix Murot (Ulrich Tukur) und der Nachbarssohn Jürgen von Mierendorff (Christian Friedel, hinten).

(Foto: Bettina Müller/HR)

Wieder mal ein festlich inszenierter und exquisit besetzter Exot aus Wiesbaden: Felix Murot und die seltsamen Kinder eines ermordeten Freundes.

Von Claudia Tieschky

Sonntagskrimi-Fälle mit Felix Murot (Ulrich Tukur) sind die Exoten unter den Tatorten, lecker wie bestelltes Essen vom Planeten Jupiter. Murot hat eine dauerhaft turbulente Beziehung zur Wirklichkeit, er begegnet zum Beispiel einem Doppelgänger oder steckt mal in einer Zeitschleife, und auch diesmal zielt das Schicksal mit vielen erfrischenden Special Effects und rasant geschnittenen Rück- und Zwischenblenden - genau auf Murot. Der aktuelle Fall (geschrieben von Martin Rauhaus und inszeniert von Rainer Kaufmann) gilt wieder mal ihm höchstpersönlich, drunter geht's einfach nicht.

In "Murot und das Prinzip Hoffnung" werden am Anfang drei Menschen ermordet, aber nur einer ist wichtig für die Geschichte. Denn Jochen Muthesius starb zwar obdachlos unter der Brücke, aber war einst "der Star unter den Schülern der Frankfurter Schule". Karrieremäßig bitter, aber vor allem: Professor Muthesius war Murots Philosophielehrer (Ernst Bloch: "Das Prinzip Hoffnung"!) und väterlicher Freund. Die auf unterschiedliche Art sehr seltsamen Muthesius-Kinder kennt Murot ebenfalls schon.

Von wegen einfach nur reich: Der Sohn wurde angeschossen, vom Vater, die Mutter sprang vom Dach

Logisch, dass sich dann in der Villa im Taunus nach dem Begräbnis des Vaters nicht einfach die üblichen tatorttypischen Reichen zusammenfinden. Der Sohn ist mal vom Vater angeschossen worden, die Mutter sprang später vom Dach, die ältere Tochter (rätselhaft und großartig: Karoline Eichhorn) bringt als Psychologin mittels Familienaufstellung noch ein paar Schlüsselreize fürs therapieerfahrene Publikum in dieses Akademiker-Drama ein. Lars Eidinger spielt sich als Muthesius junior schon wieder ganz göttlich die Seele aus den kajalumrandeten Augen - sein letzter Tatort ist ja noch keine zwei Monate her. Stargast im Ensemble ist Angela Winkler als Professorenwitwe von nebenan. Selbstverständlich ist das alles ganz, ganz großartig, geistreich, exquisit, der reine Genuss.

So, und jetzt zum Lobpreis von Frau Wächter. Sollten Sie nicht wissen, wer gemeint ist: die unauffällige Ermittlerin an der Seite von Felix "Das Schicksal" Murot. Magda Wächter (Barbara Philipp) hat die Schule mit Mittlerer Reife abgeschlossen, trägt knielangen Rock, hat die Haare zusammengesteckt. Paul Muthesius, also Eidinger, schnuppert an ihr wie an einem exotischen Törtchen. Sie ist die Rettung im Fall mit den irren Kindern des Philosophen, zu denen, seien wir ehrlich, natürlich auch Murot zählt, irgendwie. Frau Wächter schießt einfach extrem gut.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr

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