Neue "Star Trek"-Fernsehserie:Zurück in die schöne Zukunft

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In den Kinofilmen, wie hier in "Star Trek: Nemesis", musste die Philosophie hinter der Action zurückstecken.

(Foto: imago/Unimedia Images)

Den düsteren Visionen, die Fernsehen und Kino heute zeigen, könnte "Star Trek" endlich etwas entgegensetzen.

Von Kathleen Hildebrand

Zombies röcheln sich durch The Walking Dead, in The 100 hat eine Atomkatastrophe die Erde unbewohnbar gemacht und im Kino zeigen Die Tribute von Panem einen brutalen, totalitären Staat. Positive Utopien im Fernsehen und auf der Leinwand? Fehlanzeige. Aber wenn wir uns die Zukunft nur noch als entvölkerte Ruinenlandschaft voller Gefahren vorstellen - wer soll dann die Motivation aufbringen, die großen Probleme der Zeit anzugehen?

Deshalb ist es gut, dass Star Trek zurückkommt, 2017 wird es eine neue Serie geben. Gut fünfzehn Jahre nach Anbruch des neuen goldenen Fernsehzeitalters, das mit The Wire, Breaking Bad oder Mad Men die Serie zur Kunstform erhoben hat. Eine gute Science-Fiction-Serie hat es bis jetzt aber nicht hervorgebracht. Erst recht keine, die eine erstrebenswerte Zukunft zeigt.

Dass Star Trek nicht schon eher neu inszeniert wurde, ist auch deshalb merkwürdig, weil sich die Sehgewohnheiten zu Gunsten des Konzepts der Serie entwickelt haben: Die Geduld, die Zuschauer heute für Dialoge und Charakterentwicklung aufbringen, ist wie gemacht für ein Serien-Franchise, in dem schon mal in einer sehr langen, ruhigen Einstellung Shakespeare zitiert wird, während Jean-Luc Picard und ein allmächtiges Wesen namens Q aus einem Panorama-Fenster in die unendlichen Weiten des Weltraums blicken und über das Menschsein nachdenken.

Viel gesprochen, wenig geballert

Bei Star Trek war immer genug Zeit, Beziehungen zwischen Charakteren entstehen oder eine Figur wie den Androiden Data, der neugierig auf menschliche Gefühle ist, langsam reifen zu lassen. Sowohl The Next Generation, als auch die beiden Folgeserien Deep Space Nine und Voyager liefen über sieben Staffeln. Hunderte Episoden, in denen diejenigen die besten waren, in denen viel gesprochen und wenig geballert wurde.

Eine neue Star Trek-Serie könnte den derzeit allgegenwärtigen Antihelden neue, positive Figuren entgegensetzen. Die Serien haben immerhin Vorbilder wie den kahlköpfigen, asketischen Captain Picard hervorgebracht , gespielt von Patrick Stewart (den ein Branchenblatt 1992 in dieser Rolle zum "begehrenswertesten Mann im Fernsehen" wählte). Die Voyager-Kapitänin Kathryn Janeway war eine frühe weibliche Führungsfigur und der Klingone Worf gab über zwei Serien hinweg ein spannendes Beispiel für gelungene Integration.

Das war nicht alles, was Star Trek utopisch gemacht hat. Auch gesellschaftlich hatte es den großen Entwurf parat: Jeder Mangel ist überwunden, Geld abgeschafft, das Essen kommt aus dem Replikator, und in der Freizeit kann man auf dem Holodeck alle nur denkbaren Fantasien ausleben. Die Welt der Vereinigten Föderation der Planeten ist eine Art Luxus-Kommunismus, in der jeder seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Nur der Wissensdurst der Menschen ist nicht stillbar. Jede andere Form von Gier hat ihren Sinn verloren.

Die Klingonen werden nicht zu flauschiger Friedfertigkeit bekehrt

Utopien zu entwickeln, heißt, der Welt noch eine Chance zu geben. Sich für sie zu interessieren und darüber nachzudenken, wie man sie besser machen könnte. Star Trek hat das immer getan. Nicht nur mit Technik, sondern in seinen besten Momenten immer auch durch Begegnungen mit dem Fremden, das das Eigene herausfordert, in Frage stellt oder auch seinen Wert unterstreicht. Auf ihren Forschungsreisen trafen die Crews Völker, die keine Geschlechter kennen. Für die Kampf und Ehre die höchsten Werte sind. Oder solche, die bereitwillig mit 60 in den Tod gehen, um den Jüngeren keine Last zu sein.

Das Interessante daran: Keine dieser Begegnungen endete mit einer Revolution, mit der Bekehrung der Klingonen zu flauschiger Friedfertigkeit oder der Vulkanier zu ein bisschen mehr Gefühl. Sogar der sechzigjährige Kaelonier fügt sich am Ende aus Überzeugung der Tradition seines Planeten und stirbt. Worum es Star Trek immer auch ging, waren Respekt und Freiheit von Vorurteilen. Die "oberste Direktive" der Sternenflotte verbietet jeden Eingriff in die Entwicklung anderer Spezies.

Der erste Kuss zwischen einer weißen und einer schwarzen Person im US-TV

Entstanden während des Kalten Kriegs und in einer Hochzeit des Rassismus in den USA war die Serie immer ein Hinweis darauf, dass es auch anders geht: Der Russe Pavel Chekov rettete die Enterprise und Kirk küsste die schwarze Lieutenant Uhura - es war der erste Kuss zwischen einer weißen und einer schwarzen Person im amerikanischen Fernsehen. Noch viel deutlicher als George Lucas' "Star Wars" - und auch stärker als J. J. Abram's "Star Trek"-Blockbuster der jüngsten Zeit - zeigte die Fernsehserie Star Trek, dass Science-Fiction nicht gleichzusetzen ist mit unpolitischem Eskapismus.

Es gibt heute mehr als genug Konflikte, die es lohnen würde, auf optimistisch-utopische Weise durchzudenken. Was auch immer der Plot der neuen Serie sein wird, ob Prequel oder Sequel: Auf die Sensibilität für Konflikte und ihre Lösungen, auf den politischen Puls von Star Trek, sollte sie auf keinen Fall verzichten.

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