"Janet Jackson" auf Sky:Im Schatten kleiner Männer

Lesezeit: 2 min

"Janet Jackson" auf Sky: Janet Jackson. Nah fühlt sich keine der Aufnahmen in der Doku-Serie an.

Janet Jackson. Nah fühlt sich keine der Aufnahmen in der Doku-Serie an.

(Foto: 2022 A&E Networks, LLC.)

Eine Doku will das Leben von Janet Jackson neu erzählen. Was für eine Enttäuschung.

Von Jakob Biazza

Sehr spät in dieser Serie, genau gesagt etwa 15 Minuten, bevor sie dann auch endlich vorbei ist, blitzt doch noch so etwas wie Leben auf - Energie, Fallhöhe, eine Art frische Dramaturgie beinahe. Die grandiose Sängerin Janelle Monáe, Jahrgang 1985, Soul-Wunder, Prince-Protegé, selbst auf dem Weg zur Generationenstimme, hat da ihren Einsatz, und sie übernimmt nun, was man in den knapp vier Stunden vorher irgendwie vergessen hat: Sie erklärt, welche Bedeutung Janet Jackson hatte. Für sie, Monáe, aber auch für quasi jeden anderen weiblichen (oder vielleicht sogar jeden nicht übertrieben männlichen) Popstar, jede Sängerin, jeden Tänzer, jede Frau, die je ein Instrument in die Hand genommen hat.

Monáe sagt also: "She has been the DNA for music." Jackson sei die fundamentale Erbinformation der Musik gewesen. Besonders für schwarze Frauen in der Musikindustrie. Zusatz: "Black women, who want to be free as f***!"

Das "Fuck" verpiepen sie tatsächlich. Was dann immerhin den Eindruck über die Ziellinie rettet, man habe gerade vier Folgen lang einer das Hirn mit Gegenlicht und Plüschfilter auswattierenden Familiendoku fürs Walt Disney World Resort in Orlando, Florida beigewohnt. Scheußlich.

Und schade. Ist ja ein irres Thema, das Janet Jackson, die Serie behandelt. Großchance. Janet Jackson, die weit über 100 Millionen Alben große Künstlerin, die Frau, die Schwester, die Tochter (ziemlich genau in dieser Reihenfolge höchstspannend), böte doch so viel. Wenn man sie denn endlich mal in dieser Reihenfolge ernst nähme. Tut man aber nicht.

Stattdessen erzählt man das Leben von Jackson vor allem: an Männern entlang. An den Brüdern. Am Vater. An den Ehemännern - dem Sänger James DeBarge, dem Regisseur René Elizondo. Und an ihrem Langzeitfreund, dem Produzenten Jermaine Dupri. Ein paar von denen: wirklich erhebend schlichte Würste. Was das Ganze latent hirnverbrannt macht, vor allem aber brutal langweilig. Man kennt die Geschichten doch alle. Der strenge Übervater Joe Jackson, ehemaliger Kranführer der Firma U.S. Steel Corp., getrieben von gescheiterten eigenen musikalischen Ambitionen. Die Brüder, die er als Jackson Five zum Erfolg prügelte - sehr buchstäblich auch. Und natürlich der Überbruder. Michael Jackson. MJ. Jacko. King of Pop. Der ewige Riesenschatten - erst kommerziell, dann wegen der Missbrauchsvorwürfe, die gegen ihn laut und immer lauter wurden.

Man hätte eine große Geschichte über Frauenfeindlichkeit und Bigotterie erzählen können. Hätte

Missbrauchsvorwürfe, die Janet, die auch als Produzentin der Serie gelistet ist, doch sehr nonchalant beiseitewischt. So sei ihr Bruder nicht gewesen. Das hätte er nicht in sich gehabt. So einfach also.

Und zwischen alldem: Janet Jackson in unterschiedlich intimen Archivaufnahmen, die sich trotzdem nie nah anfühlen. Erst als Kind. Dann als Jugendliche. Dann als Frau und Künstlerin, die einen mit geschätzt knapp 50 Millionen Dollar dotierten Vertrag bei Virgin Records unterschreibt, ausverkaufte Welttourneen spielt und trotzdem in der Hauptsache wechselnd von ihrer Familie, ihren Typen, ihren Unsicherheiten erzählt. Die, wenigstens phasenweise, zum größten Popstar der Welt aufsteigt, wegen einer entblößten Brust während ihrer Superbowl-Halbzeit-Show aber auf einer schwarzen Liste landet.

Ihre Videos wurden in der Folge auf wichtigen Sendern nicht mehr gespielt. Die Grammys luden sie aus. Der an der Superbowl-Show ja mindestens ebenso beteiligte Justin Timberlake trat deshalb alleine auf. Noch so eine Chance, eine große Geschichte zu erzählen. Eine, die von der Frauenfeindlichkeit einer Branche handelt - und von der Bigotterie eines ganzen Landes.

In der Serie ist stattdessen mehrere Minuten lang Jermaine Dupri zu sehen. Der hatte seinerzeit größere Teile der Nippel-Show verpasst, gibt nun aber zu Protokoll, wie sehr ihn der Umgang mit seiner Ex-Freundin damals geärgert habe. Wie gut, dass das geklärt ist.

Janet Jackson am 11. und 18. März ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Documentaries.

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