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Medienkolumne "Abspann":Wer ihm glaubt, ist selber schuld

Tucker Carlson

Fox News argumentierte, dass niemand, der die Sendung von Tucker Carlson kenne, dessen Aussagen als Fakten interpretieren könne.

(Foto: AP)

Fox-News-Moderator Tucker Carlson hat es jetzt amtlich: Man kann ihn nicht ernst nehmen, deswegen kann man ihn auch nicht wegen Beleidigung belangen.

Von Jürgen Schmieder

Der rechtspopulistische Fox-News-Moderator Tucker Carlson hat Frauen schon als "primitiv" bezeichnet, er verglich sie mit Hunden und sagte, dass sie "einfach nur ruhig zu sein" hätten. Er behauptete, dass Rassismus kein Problem sei in den USA ("eine Verschwörungstheorie, die uns spalten soll") und dass Immigranten das Land "ärmer und dreckiger" machen würden - und jammerte danach darüber, dass die Beschwerden über solche Aussagen eine Attacke auf sein Recht auf Meinungsäußerung seien. So tickt Carlson nun mal, so funktioniert seine allabendliche Sendung. Viele Amerikaner aber fragen sich: Kann man so einen Typ überhaupt ernst nehmen?

Nein, kann man nicht. Das hat nun eine Bundesrichterin entschieden, und es ist durchaus interessant, wie es dazu gekommen ist. Karen McDougal, die mit Trump vor vielen Jahren eine Affäre gehabt hatte, hatte Carlson wegen Beleidigung verklagt, weil der behauptet hatte, dass sie Trump bestochen und "150 000 Dollar fürs Schweigen" gewollt habe. Fox News, der Arbeitgeber von Carlson, argumentierte laut Gerichtsakten, dass niemand, der die Sendung kenne, dessen Aussagen als Fakten interpretieren könne. Ein juristischer Winkelzug, gewiss, und Richterin Mary Kay Vyskocil stimmt zu: "Angesichts der Reputation von Mister Carlson sollte jeder verantwortungsbewusste Zuschauer seinen Aussagen mit einer ordentlichen Portion Skepsis begegnen."

Vor Gericht hat Carlson gewonnen, dafür weiß nun jeder, richterlich beglaubigt: Wer diesen Typ ernst nimmt, der ist selbst schuld.

© SZ/tyc/khil
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