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Fernsehen und Streaming:Das sind die interessantesten neuen Serien

"Maniac" bietet große Gedankenakrobatik und schickt die Zuschauer durch die Erzählebenen. "Greyzone" dagegen unterfordert mit gewöhnlicher Krimidramaturgie.

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Die Heiland

Die Heiland - Wir sind Anwalt, Folge 1

Quelle: Gordon Muehle/ARD

Romy Heiland ist eine Mischung aus Sissi und Jesus. Nicht nur ihr Name verspricht Sanftmut und Hilfsbereitschaft. Auch beruflich hat sie sich ganz der Gerechtigkeit und dem Dienst an der Allgemeinheit verschrieben: Heiland (Lisa Martinek) ist Anwältin. Sie hört, wenn jemand lügt. Romy Heiland ist blind.

Pamela Pabst, Deutschlands erste blinde Strafverteidigerin, dient als Vorlage für die Serie von Jana Burbach (Bad Banks) und Nikolaus Schulz-Dornburg (Just Push Abuba). Die Fälle, denen Heiland und ihre Assistentin nachgehen, sind jedoch fiktiv. Meist muten diese recht schemenhaft an, die Beweisführung arg an den Haaren herbeigezogen, und die Anwältin agiert eher als Hobbykriminologin denn als Rechtsbeistand. Trotzdem wirft der etwas aufgepfropft wirkende Inklusionsgedanke der Serie interessante Aspekte auf: Wie stark wird man als Sehender von einem äußeren Erscheinungsbild beeinflusst? Urteilt ein Blinder anders über denselben Sachverhalt, und was zählt vor Gericht?

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Anna Steinbauer.

2 / 6

Krieg der Träume

KRIEG DER TRÄUME

Quelle: Ricardo Vaz Palma/SWR/IRIS

Geschichte im Dokumentarfernsehen wird erklärt, das macht sie gut konsumierbar, und schon beim Betrachten des ersten Teils des Dokudramas Krieg der Träume merkt man, wie sehr man sich an das vorgekaute Erklärfernsehen gewöhnt hat. Denn hier ist auf einmal alles anders, kein Zeitzeuge und kein Wissenschaftler spricht, es gibt nicht mal die Stimme aus dem Off. Ordnung schaffen muss der Zuschauer selbst, er begegnet einem Fernsehen, das fordert.

Erzählt wird die Phase zwischen den Jahren 1918 und 1939. Alte Ordnungen waren zerstört, Linke und Anarchisten waren in Europa am Start, Pazifisten und Demokraten, alte Monarchisten und neue Nudisten und kalte Krieger, aber am zähesten waren die Faschisten. Dreizehn Biografien werden in Krieg der Träume nebeneinander rekonstruiert und erzählt. Jede steht für eine der vielen Strömungen. Und so leistet diese Art Fernsehen einen wichtigen Beitrag, um den Erosionen der irritierenden Gegenwart zu begegnen. Es bildet nicht nur ab. Es bildet, und es lädt zur Weiterbildung ein.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Holger Gertz.

3 / 6

Hilda

-

Quelle: Netflix

Eltern versuchen zunehmend verzweifelt, ihre Kinder von Computer oder Playstation zu trennen. Jetzt haben sie eine neue Verbündete, und die ist ausgerechnet die Heldin einer neuen Netflix-Animationsserie: Hilda. Hilda wohnt mit ihrer Mutter in einer Hütte in der Wildnis, in einem magischen Land, wo Elfen und Riesen so normal sind wie Autos und Fernseher.

Die ab sechs Jahren empfohlene Serie basiert auf den Comics von Luke Pearson. Fünf "Hilda"-Bände hat der 30-jährige Brite bisher veröffentlicht, um die Adaption hat er sich selbst gekümmert. Der Zauber der Comics ist in der Serie perfekt bewahrt, genau wie der Charme, der Hilda ausmacht. Mehr noch, durch die Animationen gewinnt die Comic-Serie selbst an Spannung. Im Mittelpunkt steht stets die Toleranz. Egal ob Zwerg oder Riese, ob Troll oder Hausgeist: Frei von Vorurteilen macht Hilda den ersten Schritt auf andere zu. Das ist mitreißend und nie zu pädagogisch.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Daniel Wüllner.

4 / 6

Greyzone

Greyzone - No Way Out

Quelle: ZDF/Agnete Schlichtkrull

ZDF Neo setzt wieder auf skandinavischen Stoff. In Greyzone wird die dänische Softwareentwicklerin Victoria (Birgitte Hjort Sørensen) zum Spielball einer Terrororganisation, die scharf auf die neueste Drohnen-Technologie ist. Eben noch präsentierte sie diese auf einer Konferenz in Frankfurt am Main, da befindet sie sich auch schon in den Händen von Iyad, einem alten Bekannten, der sich als Beteiligter an einem terroristischen Komplott entpuppt.

Greyzone ist rasant erzählt. Terrordrohung, Mord, Erpressung folgen dicht aufeinander, und die Autoren Oskar Söderlund und Morten Dragstedt lassen Figuren wenn nötig auch sterben. Doch es fehlt der Handlung an überraschenden, ambivalenten Momenten. Viele Geschehnisse sind erwartbar, einige zu nah an gewöhnlicher Krimi-Dramaturgie. Das reicht, um solide zu unterhalten, doch ist es zu wenig, um Greyzone zu denjenigen Serien zu zählen, deren Folgen man am liebsten alle in einem Rutsch gucken möchte.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Carolin Werthmann.

5 / 6

Maniac

6

Quelle: Michele K. Short / Netflix

Am Tiefpunkt ihres Lebens glaubt Annie Landsberg nur noch an die Drogen des Pharmaunternehmens Neberdine Pharmaceutical und Biotech. Der Konzern rekrutiert Probanden für eine Arzneimittelstudie, verspricht Genesung von jeglicher psychischen Belastung und Krankheit. Die erhofft sich auch Owen Milgrim, dem Schizophrenie diagnostiziert wurde. Er findet sich wie Annie in einer Schlafkoje im Labor wieder, voll mit Pillen, die ihn auf eine Traumreise in die Tiefen seines Unterbewusstseins schicken. Dort ist er der Maniac.

Regisseur Fukanaga und Autor Patrick Somerville statten die Hauptfiguren, gespielt von Emma Stone und Jonah Hill, mit einer tiefgründigen Psychologie aus und schaffen damit die Grundlage für eine Geschichte in einer komplexen, aber in sich immer schlüssigen Welt. So entspinnt sich eine Odyssee durch Bewusstseinsschichten und Erzählebenen, eine große Gedankenakrobatik für die Zuschauer.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Carolin Werthmann.

6 / 6

Forever

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Quelle: Colleen Hayes/Amazon

Es heißt oft, man müsse von einer Serie mindestens drei Folgen gesehen haben, um sich ein Urteil darüber bilden zu können. Noch nie war diese Aussage so wahr wie bei Forever. In Folge eins lernt der Zuschauer June und Oscar kennen, die beiden sind in der Phase ihrer Ehe, in der sich klären muss, wie ernst das eigentlich gemeint war mit dem "Bis dass der Tod uns scheidet". In Folge zwei aber lebt June ohne Oscar, ist depressiv und ohne Antrieb.

Dass man bis Folge drei keine Ahnung hat, worum es eigentlich geht, ist ein schlauer Trick, um mit Sehgewohnheiten zu brechen. Dabei trägt die Serie ihr Thema schon im Namen: Oscar ist am Ende von Folge eins beim Skifahren gestorben, June am Ende von Folge zwei an Macadamia erstickt. Uff. Die gute Nachricht: Es gibt ein Leben nach dem Tod. Die schlechte: Es ist dort alles genau wie vorher, inklusive der faden Ehe. Forever spielt zwar im Jenseits, nimmt die damit einhergehenden philosophischen oder praktischen Fragen aber nicht allzu ernst.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Karoline Meta Beisel.

© SZ.de/jlag
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