"Die Anstalt" im ZDF:Der Gernot Hassknecht der Anstalt

Dann sind da noch die Vorstellungen besagter drei Sidekicks. Nico Semsrott gefällt als niedergeschlagener Praktikant im Kapuzenpulli mit der schaurigen-schönen Powerpoint-Präsentation "Chancen und Perspektiven von Depression im 21. Jahrhundert" zum gesellschaftlichen Phänomen, "dass man mehr können soll, als man kann".

Matthias Egersdörfer gibt wie in seinen Soloprogrammen den grantigen Franken und erinnert mit seiner Tirade stark an Gernot Hassknecht mit seinen absehbaren Wutanfällen aus der "Heute Show". Das Geld, so seine These, verdrängt den Menschen. Ihm zuzuhören ist leider recht anstrengend. Simone Solga nimmt sich gegen Ende schließlich nochmals das deutsche Fernsehen vor und absolviert ein Zapping durch einen exemplarischen Abend voller Werbung, Talkshows, Kochshows und wieder Werbung. Auch nicht ganz neu, aber zumindest unterhaltsam.

Während es bei "Wetten, dass..?" derzeit spektakulär misslingt, es allen recht zu machen, liegt die Kunst beim Kabarett naturgemäß darin, es niemandem recht zu machen. Sondern möglichst heftig auszuteilen. Das haben Wagner, Uthoff und Kollegen mit sichtlicher Freude getan. Beim ZDF dürfte man fürs Erste aufatmen, der Applaus des Studiopublikums lässt hoffen. Den Haken an der Sache hat Wagner im Gespräch mit der SZ aber schon vorab selbst beschrieben: "Wir haben zu viele Ideen für zu wenig Zeit." Schneller hätte die 45-minütige Sendung wirklich kaum abgespult werden können. Vielleicht gelingt es ja bis zum nächsten Mal, sich besser zu sortieren.

© Süddeutsche.de/hai/leja
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