Letzte "Anstalt" mit Urban Priol und Erwin Pelzig Sie bereuen nichts

Hoher Besuch zum Abschied der Anstaltsmacher: Georg Schramm und Volker Pispers wettern mit Urban Priol und Erwin Pelzig in deren letzter Ausgabe von "Neues aus der Anstalt" im ZDF um die Wette. Und ihr Nachfolger wetzt schon mal die Messer.

Von Ruth Schneeberger

"Da ist die CDU natürlich im Vorteil", trauert Urban Priol bei seinem Abschied aus der ZDF-Kabarett-Sendung Neues aus der Anstalt. Die werde sich nach den Koalitionsverhandlungen nämlich wieder die SPD "als Watschengesicht" holen - im Gegensatz zu ihm, der Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser als treuen Watschen-Kompagnon nun verliere.

Der Abschied der beiden Anstalts-Macher stand im Vordergrund der Sendung, die erst am 4. Februar 2014 fortgesetzt wird. Max Uthoff und Claus von Wagner übernehmen dann die Show.

Warum genau sich die beiden Kabarettisten aus der Anstalt zurückziehen, wurde nicht verkündet. Das Abschiedslied zum Schluss der Sendung, "Je ne regrette rien" ("Ich bereue nichts") legt nahe, dass es Ärger gegeben haben könnte - doch Genaues weiß man nicht. Fest steht: Priol und Pelzig verlassen die Show auf dem Höhepunkt ihres eigenen Erfolges. 3,61 Millionen Zuschauer hatte die Sendung im Juni, eine satte Einschaltquote von 16,5 Prozent. Es war die erfolgreichste "Anstalt", seit die beiden zusammen auftreten.

"Krieg der Reichen gegen die Armen"

Urban Priol hatte die politische Kabarettsendung 2007 zusammen mit Georg Schramm gestartet, nach dessen Ausscheiden 2010 war Erwin Pelzig hinzugekommen. So mancher Fan hatte seither den scharfzüngigeren Schramm vermisst, der sich währenddessen auf Solo-Bühnen abseits des TV verlustierte. Zu ihrer letzten Sendung war er wieder da - als Gast, genau wie Volker Pispers.

Das war nun genau nach dem Geschmack des Publikums: Schramm wetterte tüchtig - und eloquent wie eh und je - über den "zentralen Konflikt unserer Tage: den Krieg der Reichen gegen die Armen". Und bediente sich dabei aus seinem aktuellen Solo-Programm, angepasst ans aktuelle Tagesgeschehen. Der "Krieg der Reichen" nehme "Züge eines Drogenkrieges" an, die Droge sei das "billige Geld" für arme Länder, die damit abhängig gemacht würden von der weltweiten Finanzindustrie. Einmal angefüttert, würden sie später auf Entzug gesetzt - das Inkassounternehmen sei der Internationale Währungsfonds. Die Regierungen würden nicht eingreifen, weil sie selbst Kunden der Dealer seien. Irgendwann würden die Abhängigen aufeinander losgehen:

"Wenn ein Millionenheer von Flüchtlingen aus diesen ausgeplünderten Staaten im Süden Europas dann auf ein Millionenheer junger Arbeitsloser trifft - dann können wir froh sein, dass wir zwei Flugstunden davon entfernt in tiefstem Frieden leben und damit Gott sei Dank nichts zu tun haben", schloss Schramm nur vorgeblich versöhnlich.