Uwe Timm im Interview "Als ob der Tränenkanal bei mir ausgetrocknet wäre"

Uwe Timm, geboren 1940, zählt zu den wichtigsten deutschen Schriftstellern. Nach einer Kürschnerlehre und dem nachgeholten Abitur studierte er in München und Paris Philosophie und Germanistik.

(Foto: Natalie Neomi Isser)

Der Schriftsteller Uwe Timm erzählt, warum ihn das Schicksalsjahr 1945 nicht loslässt, was ihm die deutsche Sprache bedeutet und warum er seit seinem zwölften Lebensjahr nicht mehr geweint hat.

Von Christian Mayer

Die Tür zu seinem Arbeitszimmer gleich neben dem Englischen Garten in München klappert ein wenig, "das muss dringend repariert werden", sagt der Schriftsteller Uwe Timm zu Beginn des Gesprächs. Dann klappert es noch einmal, und seine Frau bringt den Espresso, während ihr Mann schon ganz tief drinsteckt in den Geschichten seines Lebens.

SZ: Herr Timm, Sie haben ein Buch geschrieben, das im Jahr 1945 spielt: "Ikarien". Es ist die Geschichte über ein komplett zerstörtes, innerlich verrohtes Land. Wie haben Sie ...