Zum 10. Todestag von Astrid Lindgren Freier Wille und Nonkonformismus

Später wird sie ihren Sohn Lasse zu sich holen, den geschiedenen Sture Lindgren heiraten und Tochter Karin bekommen. Ein Familienidyll, das allerdings nie perfekt war. Mann und Sohn sind alkoholkrank, sterben 1952 und 1986 an den Folgen der Sucht. Aber auch hier hält die Schriftstellerin, die mittlerweile nicht nur in ihrer Heimat berühmt ist und bis heute 30 Millionen Bücher allein in Deutschland verkaufte, durch, zeigt Stärke. Wie Pippi Langstrumpf.

Kinderbuch-Heldin: Das Foto zeigt Inger Nilsson in der Rolle der Pippi Langstrumpf in dem gleichnamigen Spielfilm.

(Foto: DPA)

Auf Ihre berühmteste Figur stieß sie ihre Tochter. Als die siebenjährige Karin krank im Bett lag, forderte sie ihre Mutter auf: "Erzähl mir von Pippi Langstrumpf". Und Astrid erzählte nicht nur, sie schrieb die Abenteuer eines sommersprossigen, bärenstarken Wildfangs mit einem Seeräuber-Papa später auch nieder. Es sollte ihr Durchbruch werden, 1945.

Seitdem ist Pippi nicht nur Romanfigur, sie ist Legende. Eine Heldin, deren freier Wille und Nonkonformismus bis heute Kinder und Erwachsene in den Bann ziehen. Sie ist Vorbild von Feministinnen, Kindergärten benennen sich nach ihrer "Villa Kunterbunt", sogar "Langstrumpf"-Waschmittel gab es. Letzteres ist ihren Erben dann aber doch zu viel. Denn die Kinder und Enkel der Autorin fürchten die Kommerzialisierung von Astrids Figuren und verteidigen die Marken- und Urheberrechte mittels Gerichtsverfahren.

Zuletzt bekam das auch ein Vergnügungspark in Vimmerby zu spüren. Die Familie kaufte die Mehrheitsrechte an der Freizeitanlage nach einem hässlichen Streit gegen den Willen früherer Eigentümer. "Unser Ziel ist es, so weiterzumachen, wie sie es gewollt hätte - wie wir uns vorstellen, dass sie es gewollt hätte. Viele wollten Pippi als Frontfigur für dies und das gewinnen, und auch wenn es sich dabei um irgendeinen sozialen oder kinderfreundlichen Zweck handelte, erlaubte sie es nicht. Pippi war ein Buch, und das sollte es bleiben", begründete ihre Tochter Karin Nyman diese Haltung.

Gedenken in kleinen Briefchen

Selbst ein Denkmal lehnte die Familie lange ab. Die Stadt wollte der preisgekrönten Schriftstellerin ein naturalistisches Abbild widmen. Nach jahrelangem Zwist ist auf dem Marktplatz von Vimmerby nun eine lebensgroße Bronze zu sehen, die Astrid arbeitend an ihrer Schreibmaschine zeigt. Immer wieder legen Besucher Blumen nieder oder gedenken der Könign des Kinderreichs in kleinen Briefchen.

Das wird an diesem 28. Januar auch nicht anders sein. Zwar starb Astrid Lindgren vor zehn Jahren an den Folgen einer Virusinfektion im Alter von 94 Jahren, doch Versprechen macht sie auch heute noch. Man muss ihr nur zuhören.