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Zum Tode der Boxlegende:Muhammad Ali - der Boxer, der sich selbst erfand

Muhammad Ali ist tot

Muhammad Ali im Mai 1976 in der Münchner Olympiahalle

(Foto: Istvan Bajzat/dpa)

Acht Runden dauerte der "Rumble in the Jungle". Also zeichnen unsere Autoren Muhammad Alis Leben auch in acht Runden nach. Eine Hommage.

1. Runde: Gottes Gussform

1957 wurde ein hartnäckiger Anrufer ins Hotelzimmer des Boxtrainers Angelo Dundee durchgestellt. Ein Amateur namens Cassius Clay redete auf den perplexen Dundee ein und zählte ihm sämtliche Titel auf, die er in den kommenden Jahren zu gewinnen gedenke. Dundee dachte, der Typ, der sich "the Greatest" nannte und behauptete, nachdem Gott ihn geschaffen habe, habe dieser die Gussform zerbrochen, sei größenwahnsinnig und wollte zunächst auflegen. Er blieb dran, und die beiden wurden in späteren Jahren zum erfolgreichsten Gespann der Boxgeschichte. Cassius Clay erkannte früh, dass seine Eloquenz seine größte Waffe war. Dass er trotzdem seine Fäuste gebrauchte, um sich auszudrücken, ist einer der vielen Widersprüche, die zu dem beitrugen, was man "Ali's magic" nennt. Er riskierte die sprichwörtliche dicke Lippe und setzte die Rhetorik im Ring nonverbal fort. Alis Fights waren immer auch provozierende Stilübungen, die wie eine Verhöhnung des Gegners wirkten: Boxen als Formfrage der anderen Art, nahmen sich doch seine Hiebe aus wie durchdachte Formulierungen, die einer geheimen Grammatik folgten.

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Zum Tod der Box-Legende

Muhammad Ali, der Große

Bei ihm ging es niemals nur ums Boxen, sondern auch um die Gesellschaft, um Politik, um Religion. Eigentlich ging es bei ihm immer um alles.   Nachruf von Jürgen Schmieder

2. Runde: Der Goldjunge

Die Goldmedaille, die Ali 1960 bei den Olympischen Sommerspielen in Rom gewonnen hatte Als er Sonny Liston herausforderte, war Alis Ego, seine Ich-Stärke sein einziger Vorteil.