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Zum Tode von Muhammad Ali:Der Jahrhundertsportler

Ein gestohlenes Fahrrad ebnete einst die Boxkarriere von Muhammad Ali, er unterhielt die Welt mit markanten Sprüchen und Kämpfen für die Ewigkeit. Nun ist einer der größten Sportler überhaupt gestorben.

Von Jürgen Schmieder

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Muhammad Ali

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Er gilt als der Größte aller Zeiten. Nicht zuletzt, weil er sich selbst so bezeichnete - und es mit einer derartigen Überzeugung tat, dass man ihm einfach glauben musste.

Muhammad Ali

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Die Legende besagt, dass Ali einst aufgrund eines gestohlenen Fahrrads zum Boxen kam. Der kleine Cassius Marcellus Clay heulte so laut, dass sich die Leute nach ihm umdrehten. Jemand hatte vor der Columbia-Halle in seiner Heimatstadt Louisville sein rotes Fahrrad geklaut. Der Zwölfjährige wollte dem Dieb nach eigener Aussage "den Arsch versohlen". Im Keller traf er den Polizisten Joe Martin, der dort Boxer trainierte. Martin riet dem Bengel, er solle erst kämpfen lernen, bevor er jemanden herausfordert.

Muhammad Ali wird 70

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Der junge Mann trainierte - und war schon als Jugendlicher erfolgreich. Im Alter von 16 Jahren verließ Clay die Schule und widmete sich ganz dem Boxen. Schnell gewann er nationale Amateur-Titel.

Medal Winners

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Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom trat Clay im Halbschwergewicht an - und gewann die Goldmedaille. Einer Legende nach soll er die später aus Wut über die Rassen-Diskriminierung in seiner Heimatstadt Louisville in den Ohio River geworfen haben. Diese Diskriminierung sollte auch später noch Thema in seinem Leben sein. Auf die Frage etwa, warum er den Kriegsdienst in Vietnam verweigern wolle, sagte er: "Kein Vietcong hat mich je Nigger genannt."

Ali

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Schon früh lernte Clay, dass Sport und Show unmittelbar zusammengehören: Er verfolgte die Kämpfe des professionellen Wrestlers Gorgeous George - und erkannte, dass der vor allem durch markige Sprüche für Aufsehen sorgte.

Ali Clay

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Also begann Clay, seine Kämpfe aggressiv zu verkaufen. Dazu gehörte die Prognose, wann sein Gegner zu Boden gehen würde: "Archie Moore will be on the floor in round four." - Er geht zu Boden in der vierten Runde.

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Im Februar 1964 bekam Clay seine erste WM-Chance - und ging als Außenseiter in den Kampf gegen Sonny Liston. In der New York Times stand: "Der auf lästige Weise selbstbewusste Cassius bestreitet diesen Titelkampf mit einem unbedeutenden Nachteil. Er kann nicht so gut kämpfen, wie er reden kann." Ali gewann den Kampf - durch Aufgabe seines Gegners nach der sechsten Runde. Nach dem Kampf rief Clay: "Ich bin der Größte!"

MUHAMMAD ALI, MALCOLM X

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Im Jahr 1964 bekannte sich Clay auch zur Nation of Islam, er traf sich häufig mit Malcolm X und legte seinen "Sklavennamen" ab. Fortan nannte er sich Muhammad Ali.

Heavyweight Gent

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"Ich bin der beste Kämpfer aller Zeiten. Und gerade erst 22. Ich muss der Größte sein. Ich bin der König der Welt. Ich bin schön", tönte er nach dem Sieg gegen Liston. Später sagte er: "Es ist schwierig, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich."

Muhammad Ali wird 70

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1964 heiratete er das Fotomodel Sonji Roi, gerade einmal 41 Tage nach dem ersten Treffen. Die Ehe hielt zwei Jahre und wurde auf Druck des Anführers der Nation of Islam geschieden. Grund war die westliche Einstellung Rois.

CLAY LISTON

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Das wohl berühmteste Foto von Ali entstand im Jahr 1965, als er seinen Gegner Sonny Liston nach dem Niederschlag anbrüllte: "Komm hoch, Du Penner!" Ali hatte Liston in der ersten Runde mit einem rechten Cross niedergeschlagen - doch hatte den Schlag keiner gesehen. Nach dem "Phantomschlag" gab es Gerüchte, der Kampf sei von der Mafia manipuliert worden. In seiner Biografie schreibt Ali: "Tatsache ist, dass noch niemals ein Kampf weniger abgesprochen war als dieser."

Muhammad Ali

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Ali war keine Ein-Mann-Naturgewalt, sein Boxstil war einmalig: "Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene", sagte er einmal. Leichtfüßig tänzelte er durch den Ring, präsentierte gerne den "Ali Shuffle" und ließ aufreizend die Hände baumeln. Sein einstiger Gegner Jürgen Blin sagt: "Er war kein ultimativer Puncher wie beispielsweise Joe Frazier oder George Foreman. Das waren Ochsen. Die konnten einen mit einem Schlag umhauen. Ali zermürbte dich ganz langsam. Und wenn er einen da hatte, wo er ihn haben wollte, schlug er zu."

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So berühmt wie die Beatles: Mitte der Sechziger war Ali einer der berühmtesten Menschen auf dem Planeten.

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Er verweigerte den Kriegsdienst in Vietnam und nahm dafür in Kauf, dass er 1967 den WM-Titel verlor und für drei Jahre gesperrt wurde. Ali sagte: "Nein, ich werde nicht 10.000 Meilen von zu Hause entfernt helfen, eine andere arme Nation zu ermorden und niederzubrennen, nur um die Vorherrschaft weißer Sklavenherren über die dunkleren Völker der Welt sichern zu helfen." Martin Luther King kommentierte die Entscheidung Alis so: "Er verzichtete auf Ruhm, Millionen von Dollars, um für das einzustehen, was sein Bewusstsein ihm rät."

Jahreswechsel - Frazier

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Wer groß sein will, der braucht einen, der ihn zu dieser Größe treibt. Wer bereit ist, an die Grenze zu gehen, braucht einen, der ihn an diese Grenze treibt. Ali hatte so einen Gegner: Joe Frazier. Am 8. März 1971 im New Yorker Madison Square Garden gab es das erste Duell, das als "Kampf des Jahrhunderts" vermarktet wurde. Frazier gewann den intensiven und spannenden Kampf nach Punkten.

Muhammad Ali wird 70

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Ali kämpfte sich zurück - im Januar 1974 kam es zur Revanche gegen Frazier. Der Kampf war nicht so intensiv wie das erste Duell, Ali gewann nach Punkten. Dadurch durfte er gegen George Foreman um den Titel boxen.

Muhammad Ali, George Foreman

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Ali ging, wie zuvor schon gegen Liston, als Außenseiter in den Kampf gegen Foreman, der als "Rumble in the Jungle" vermarktet wurde. Während des Kampfes änderte Ali seine Taktik, immer wieder ließ er sich in die Seile fallen, was später als "rope-a-dope" bekannt wurde. Dazu provozierte er den wütend prügelnden Foreman andauernd, einmal sagte er: "Ist das alles, George? Ich habe mehr erwartet! Ist das alles, was du drauf hast?" In der achten Runde schlug Ali Foreman mit einer Kombination nieder.

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Ali verzichtete auf einen letzten Schlag gegen Foreman, was sein Trainer Angelo Dundee so kommentierte: "Ali hat dem Fall dieses Kolosses mit dem unterlassenen Schlag seine dramaturgische Schönheit gelassen."

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Im Oktober 1975 gab es dann den dritten Kampf gegen Joe Frazier, den "Thrilla in Manila". Es war einer der emotionalsten Augenblicke in der Geschichte des Sports: 14 Runden lang hatten sich Muhammad Ali und Joe Frazier in Manila gegenseitig die Köpfe eingeschlagen. Als der Gong ertönte, torkelte Ali in seine Ecke, Frazier musste gar vom Ringrichter geführt werden. Ali forderte seinen Assistenten Angelo Dundee auf, ihm die Handschuhe abzuschneiden - er könne nicht weiterkämpfen.

Gleichzeitig redete Fraziers Trainer Eddie Futch auf seinen Kämpfer ein, er solle aufgeben, weil der nächste harte Treffer Alis durchaus tödliche Folgen für Frazier haben könne. "No, boss", stammelte der in den letzten Runden mit zugeschwollenen Augen nahezu blind kämpfende Frazier immer wieder, während das Blut aus seinem Mund tropfte, "no, no, no!" Doch Futch beendete den Thrilla in Manila.

BERBICK ALI

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Was folgte, waren überflüssige Kämpfe eines gealterten Champions, der Ruhm und Geld nicht missen wollte. 1978 verlor der untrainierte Champ seinen Titel an den Olympiasieger Leon Spinks. Er raffte sich erneut auf und holte sich die Krone zurück. Danach boxte er noch Larry Holmes und im letzten Fight Trevor Berbick (im Bild). Übergewichtig und chancenlos taumelte er durch den Ring. Mit der fünften Niederlage im 61. Profikampf endete die Karriere des Muhammad Ali - viel zu spät.

Ali's Girls

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Es gab sogar einen vierten Kampf zwischen Ali und Frazier - die Töchter der beiden traten 2001 gegeneinander an. Laili (auf dem Foto links) gewann gegen Jacqui Frazier-Lyde. Ali war nicht gekommen, sein Körper war von Parkinson geprägt.

Muhammad Ali wird  60

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Einen emotionalen Moment erlebte Ali, als er, vom Parkinsonsyndrom bereits schwer gezeichnet, die Flamme bei den Olympischen Spielen 1996 entzündete. "Ich habe gezeigt, dass Parkinson mich nicht bezwingen kann", erklärte Ali, "ich habe gezeigt, dass ich immer noch der Größte bin."

Boxing legend Muhammad Ali dies at age of 74

Quelle: Jan Woitas/dpa

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In den vergangenen Jahren war Ali nur noch selten in der Öffentlichkeit aufgetreten. Nun starb er im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus bei Phoenix/Arizona. Er wird in Erinnerung bleiben als der Boxer, der seine Gegner ausboxte und niederschlug. Nur einer dürfte immer noch Angst haben: der Fahrrad-Dieb. In seiner Biografie schrieb Ali: "Ich werde noch herausfinden, wer in Louisville mein Fahrrad gestohlen hat, als ich Zwölf war. Und ich werde ihm noch immer den Arsch versohlen."

© Süddeutsche.de/jüsc/ebc
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