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Zum 90. Geburtstag von Roger Corman: Pate des neuen amerikanischen Kinos

Roger Corman

Seine Filme gingen zurück an den Ursprung des Kinos, zu Lumière und Méliès und Feuillade: Roger Corman in seinem Büro in Los Angeles.

(Foto: Chris Pizzello/AP)

Der unermüdliche Kinomeister Roger Corman, König der billigen B-Movies, Pfennigfuchser-Genie und Vaterfigur für halb Hollywood, wird neunzig.

Sein Universum ist angenehm abartig, bevölkert mit Riesenspinnen und Wespenfrauen, Unterwasserkreaturen und Wild Angels, auch Poes monströse Psychopathen sind jederzeit dabei.

Er selber aber ist, wie alle bestätigen, die ihn persönlich getroffen haben, einfach und aufrecht und dezent - mit einem Wort: straightforward. Den Meister des Schlocks nennen sie ihn, der billigen, schnellen Produktionen wegen, die er in den Fünfzigern anfing zu fertigen oder fertigen zu lassen - Hunderte Filme verzeichnet inzwischen seine Titelliste in der International Movie Database.

In den Fünfzigern hat er das durchs billigere und lässigere Fernsehen bedrohte Kino gerettet, andersherum als die großen Studios, die mit Cinemascope klotzten.

Cormans Filme, alle unter 100 000 Dollar gedreht, waren nachgemacht, und indem sie fröhlich den ominösen Originalitätspopanz ignorierten, gingen sie zurück an den Ursprung des Kinos, zu Lumière und Méliès und Feuillade.

"Billig und schnell, das ist Cormans Devise, die nicht ungewöhnlich ist", schrieb Frieda Grafe vor vierzig Jahren, als man Cormans Kino auch bei uns entdecken konnte, in Nacht- und Studentenvorstellungen, wo ein wenig von dem Geist konserviert war, für den sie einst gemacht wurden, den der amerikanischen Drive-Ins: "Seine Kunst liegt darin, allgemein übliche Produktionsbedingungen bis zum Wahnsinn zu betreiben. Wie weit man noch gehen kann mit den Konsumenten. Was wir zu schlucken und zu verdauen bereit sind. Und mit Vergnügen."

Plastische Kunst gefertigt aus toten Menschen

Mit seinem Wahnsinn hat er sogar Hitchcock geschlagen, noch vor dessen "Psycho" schuf er "Bucket of Blood" und "Little Shop of Horrors", zwei Komödien aus der New Yorker Künstlerkolonie, in denen es um die mörderisch unbedingte Kreativität geht - plastische Kunst gefertigt aus toten Menschen.

Ein Künstler, der sein Budget nicht beherrscht, taugt so wenig wie ein Produzent, der keine Kreativität hat, sagt Corman. Und hat Truffauts Adele H. und Bergmans "Schreie und Flüstern" in Amerika in die Kinos gebracht. Er ist der Pate des neuen amerikanischen Kinos, Scorsese und Coppola haben für ihn ihre frühen Filme gemacht, Demme und Bogdanovich, und bis heute sieht man Jack Nicholson an, wo seine Ursprünge im Kino liegen.

Das mit dem Schlock mag Corman nicht, er hat seine Kreaturen immer ernst genommen, deshalb tut es ihm irgendwie weh, dass er nun oft Filme produzieren soll wie "Sharktopus vs. Whalewolf", eine Kombination so unsinnig wie die von Batman und Superman. Am Dienstag wird Roger Corman neunzig Jahre alt.