"The Square" im Kino Alles ist nur noch eine Frage der Verkaufsidee, des Marketings

Sehr subtil ist das nicht. Aber dafür extrem konsequent. Den ganzen Diskurs, den die Kunst umgibt, führt Östlund als inhaltsleer vor, von Anfang an, wenn Christian von der Journalistin gefragt wird, was er in einem Text mit dem Konzept der "Nicht-Ausstellung" gemeint habe - und er partout keine Antwort geben kann. Später wird ein amerikanischer Künstler (großartig verkörpert von dem mit der TV-Serie "The Wire" bekannt gewordenen Dominic West) auf einer Veranstaltung im Museum etwas über innere und äußere Räume faseln, während ein am Tourette-Syndrom leidender Mann im Publikum offenbar nicht anders kann, als den Künstler mit Schimpfwörtern zu überziehen, von denen "Müll" noch das netteste ist.

Östlund macht sich über jene lustig, die glauben, dass Konzeptkunst mit ihren ästhetischen Ideen und gesellschaftskritischen Ansprüchen heute noch funktioniert. Dass sie eine Aussage hat, dass sie die Leute zu besseren Menschen machen kann. Im Gegenteil: Alles ist nur noch eine Frage der Verkaufsidee, des Marketings. Daran wird man allein schon dadurch erinnert, dass die amerikanische Journalistin von der großartigen Elisabeth Moss gespielt wird, die durch "Mad Men" bekannt wurde, die Fernsehserie über eine New Yorker Werbeagentur in den Sechzigerjahren. Und dann sind da die Jungs von der Marketingagentur, welche die "Square"-Ausstellung bewerben sollen. Ihr Konzept: Ein Video online stellen, in dem ein Bettlerkind auf dem kleinen Kunst-Rechteck in die Luft gesprengt wird. Was so ziemlich das Gegenteil jeglicher Fürsorge und Nächstenliebe ist und abgesehen davon ziemlich geschmacklos. Egal: Es geht darum, mit drastischen Bildern Aufmerksamkeit zu provozieren.

Gibt es heute nichts Wichtigeres zu filmen als die Irrwege eines mächtigen Kurators?

"The Square" zeichnet also ein zynisches Bild der zeitgenössischen Kunst. Und, sehr selbstkritisch, auch vom europäischen Kino, das ja ebenfalls eine Kunstform ist und sich hier nur um eine weiße wohlhabende Oberschicht dreht. Gibt es heute nichts Wichtigeres zu filmen als die Irrwege eines mächtigen Kurators? Währenddessen verliert Östlund aber niemals aus dem Blick, dass da noch andere Kräfte sind, soziale Ungleichheit und Armut, die irgendwann hervorbrechen müssen.

Verkörpert wird diese Kraft hier durch jenen seltsamen Künstler, der im Film in einer Videoinstallation im Museum zu sehen ist und wie ein wildes Tier den Betrachter anknurrt, um später während einer Performance die feine Gesellschaft in Fleisch und Blut zu terrorisieren. Man kann die Wirklichkeit eine Weile in Leinwände, Installationen und Filme sperren. Aber irgendwann wird sie aus ihrem Käfig ausbrechen - und die Zähne fletschen.

Kurz nachdem Christian seine Brieftasche zurückbekommen hat, steht ein Schüler aus dem Plattenbau vor seiner Tür. Der Junge ist nicht der Dieb, aber Christians Drohbrief hat ihn in den Augen seiner Eltern zum Verbrecher degradiert, nun verlangt er eine Richtigstellung und Entschuldigung - andernfalls kündigt er Chaos an. Christian aber zieht es vor, diesen Schicksalsboten zu ignorieren.

The Square, S/D /F/DK 2017 - Regie und Buch: Ruben Östlund. Kamera: Frederik Wenzel. Mit Claes Bang, Elisabeth Moss. Alamode, 145 Minuten.

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