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Film:Der Stammvater

Swedish actor Stellan Skarsgard. 2020-10-14 (c) SANDBERG MAGNUS / Aftonbladet / TT * * * EXPRESSEN OUT * * * AFTONBLADET

Stellan Skarsgård lebt mit seiner Familie in Stockholm.

(Foto: Magnus Sandberg/imago images/TT)

Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård wird 70. Seine Kinder bevölkern bereits Hollywood.

Von Kathleen Hildebrand

Am Sonntag wird Stellan Skarsgård 70 Jahre alt, und man sollte an dieser Stelle erst einmal darauf hinweisen, dass er nicht Liam Neeson ist. Skarsgård kokettiert gern damit, dass er, der Schwede, häufig mit Neeson, dem Iren, verwechselt werde. Als Steven Spielberg seinen Film "Schindlers Liste" plante, waren beide im Gespräch für die Hauptrolle. Skarsgård hatte kurz zuvor den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg in "Guten Abend, Herr Wallenberg" gespielt, der viele ungarische Juden vor der Ermordung bewahrt hat. Spielbergs Schindler aber ging an Neeson. Vielleicht lag es daran, dass der so ein eindeutig gütiges Gesicht hat, während man Stellan Skarsgård immer alles zutraut: den grundguten Kerl, wie den ruchlosen Verbrecher.

Dass der in Göteborg geborene Schwede so heiter mit dieser Verwechslung und der verlorenen Rolle umgeht, zeigt zweierlei. Zum einen: Skarsgård kann es sich leisten. Er war schon mit 16 dank einer Teenie-Serie in Schweden berühmt. Auf der Liste der weltweit finanziell erfolgreichsten Schauspieler steht er ziemlich weit oben, wobei Erfolg sich in dieser Liste an den Einspielergebnissen der Filme misst, in denen sie mitgespielt haben. Das liegt daran, dass Skarsgård in gleich drei Blockbuster-Reihen mitspielt. In zwei "Fluch der Karibik"-Filmen ist er als untoter Pirat Bootstrap Bill Turner zu sehen, in den "Mamma Mia!"-Musicals als Ex-Hippie Bill und in mehreren Marvel-Comicverfilmungen als Astrophysiker Erik Selvig.

Es zeigt aber auch, dass Skarsgård ein heiterer Pragmatiker ist. Spaß, schöne Drehorte und Geld nimmt er gerne mit. Dafür dreht er dann, quasi quersubventioniert, Düster-Künstlerisches mit Lars von Trier. Seine Rolle in "Breaking the Waves" als Ölbohrstationsarbeiter, der nach einem Unfall sexuell unfähig ist und seine Frau zu anderen Männern schickt, hat ihn 1996 international berühmt gemacht. In "Dogville" spielte er einen Familienvater, der Nicole Kidman im Apfelgarten vergewaltigt, in "Melancholia" war er der gierige Chef der schwer depressiven Hauptfigur. Sein Wandern zwischen den Welten von Mainstream und Arthouse hat er in einem Interview einmal als gar nicht so schwierig beschrieben. Der Unterschied zwischen Marvel-Filmen und denen Triers sei, dass er sich bei den einen nackt ausziehen müsse und es bei den anderen nicht dürfe.

Stellan Skarsgård ist Vater von acht Kindern, vier seiner Söhne sind ebenfalls Schauspieler

Skarsgårds minimalistisches Spiel und seine etwas unscharfe Physiognomie mit den kleinen, hellen Augen machen ihn zu einem wunderbaren Schauspieler für abgründige Rollen wie den netten älteren Herrn in Triers "Nymphomaniac", der erst ein stundenlanges therapeutisches Gespräch mit einer Sexsüchtigen führt, bevor er sie dann doch am Ende ausnutzen will. Skarsgård hat aber auch ein gemütliches Fels-in-der-Brandung-Charisma im Repertoire, das ihn für Helferrollen prädestiniert. In "Good Will Hunting" spielt er den Mathe-Professor, der den hochbegabten Arbeiterjungen Matt Damon fördert.

Für seinen Nachruhm in Hollywood hat Stellan Skarsgård aber auch auf bodenständigere Weise gesorgt. Er ist Vater von acht Kindern, sechs von ihnen bekam er mit seiner ersten Frau My, zwei weitere mit seiner aktuellen Ehefrau, der Filmproduzentin Megan Everett. Vier seiner sieben Söhne sind ebenfalls Schauspieler geworden, laut Skarsgård Senior ohne seine Hilfe. Der aktuell erfolgreichste ist Alexander Skarsgård ("Tarzan", "Big Little Lies"). Bill, 30, spielt den Clown Pennywise in den Neuverfilmungen des Stephen-King-Klassikers "Es". Noch mehr schöne Skarsgårds wird es aber nicht geben, jedenfalls nicht vom Stammvater der Dynastie. Zu den kleinen Schockmomenten für Interviewer gehört bei Stellan Skarsgård auch, dass er von seiner Vasektomie erzählt. Acht Kinder seien mehr als genug.

© SZ/dbs
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