Staatsakt für Helmut Kohl Beim Papst ist die Trauerfeier wichtiger als die Krönung

Solche Zeremonien kommen aus monarchischen Verhältnissen, in denen Herrschaftsübergänge abgesichert und unzweideutig sichtbar gemacht werden müssen. Der König ist tot, es lebe der König - diese kurze Formel vollzieht sich in zwei langwierigen Abläufen, der Bestattung des gestorbenen Herrschers und der Krönung des neuen Königs.

Wenn es Lücken dazwischen gibt, also vor allem in Wahlmonarchien, sind die Krönungen meist etwas wichtiger - eine gute, unumstrittene Krönung hatte eine enorme, Herrschaft stabilisierende Wirkung.

Nur beim Papst ist das anders geworden, dem christlichen Demutsgebot der Kirche folgend. Die Trauerfeiern für Päpste sind heute globale Akte mit Milliarden Fernsehzuschauern. Die Wahl des Papstes findet buchstäblich hinter verschlossenen Türen statt, auf die einst übliche Krönung wird seit Johannes Paul I. verzichtet.

Der heutige Papst sagte erst einmal "buona sera", guten Abend, zur Menge auf dem Petersplatz in Rom. Die Wirkung solcher Schlichtheit verdankt sich aber dem rituellen Jahrtausendgewicht darum herum.

Papst Franziskus "Hand Gottes" und "kulturelle Brücke"
Presseschau zur Wahl von Papst Franziskus

"Hand Gottes" und "kulturelle Brücke"

Nationale und internationale Medien begrüßen die Wahl Jorge Mario Bergoglios zum 266. Papst. In die Berichte über Hoffnungen auf Reformen mischt sich allerdings auch Kritik am neuen Pontifex - und ein Vergleich mit Diego Maradona.

Die Krönungsriten der europäischen Monarchien haben sich über Jahrhunderte weiterentwickelt, immer wieder waren sie Gegenstand detaillierter Verhandlungen. Es gibt dazu eigene historische Forschungszweige. Als der englische König Georg VI. im Jahr 1937 gekrönt wurde, lud man als einzigen deutschen Zivilisten den Mittelalterforscher Percy Ernst Schramm ein, der die historische Disziplin der Krönungsforschung begründet hatte.

Republiken erlaubten sich Pathos eher bei Leichenbegängnissen

Die Kathedrale in Reims wird als "Sanktuarium Frankreichs" bezeichnet, weil dort die Krönungen und Salbungen der französischen Könige stattfanden. Das heilige Öl sollte aus dem 6. Jahrhundert stammen.

Republiken erlauben sich Feierlichkeit und Pathos traditionell eher bei Leichenbegängnissen als bei Regierungsübernahmen. Der im Krieg gefallene Held, der verdiente Staatsmann, der verstorbene, gar ermordete Vorkämpfer für Freiheit und Vaterland sind seit der Französischen Revolution immer wieder Mittelpunkte großer Feiern geworden.